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RWJ 03/2018: Leserbrief

„Lieber kleine Frischlinge als beschlagene Bachen erlegen“

Zu: „Sauenbejagung im Zeichen der Seuchengefahr“, Dr. M. Petrak, RWJ 2/2018

 

Wer glaubt, dass Jäger den Ausbruch von ASP verhindern können, muss ganz schön „blauäugig“ sein.

Briefkasten

Die Lebens- und Nahrungsbedingungen sind einerseits für Schwarzwild ideal, deshalb die hohen Bestände. Andererseits sind die Verbreitungsmöglichkeiten von ASP sehr vielfältig, verbunden mit sehr hohen Verbreitungsgeschwindigkeiten (LKWVerkehr). Daran werden wir nichts ändern können, auch nicht am Maisanbau. Unsere Möglichkeiten beschränken sich darauf, in den Bestand einzugreifen, indem wir Schwarzwild erlegen, eine Reduktion um 50 oder gar 70 Prozent ist ausgeschlossen. Die Witterungsbedingungen tragen seit Wochen auch dazu bei, dass selbst gesteckte Zielmarken nicht erreicht werden! Es besteht kein Zweifel daran, dass Kirrungen Erfolg versprechen, zeitweise sogar ausschließlich.

 

Es wäre hilfreich, wenn die Unteren Jagdbehörden Mitarbeiter täglich losschickten, die dann Kirrungen mit 500 g beschicken, aber es fragt sich, ob die Ämter nicht dringendere Aufgaben zu erledigen haben. Da der Einsatz von Kameras an Kirrungen untersagt wurde, leidet die Effizienz der Bejagung. Man weiss eben nicht, wann die Rotte kommt. Es ist ja auch absurd zu behaupten, dass ein oder drei Kilogramm Mais oder mehr pro Woche dazu führen, die Schwarzwildpopulation explodieren zu lassen. Solche Aussagen zeigen Ignoranz gegenüber den tatsächlichen Ursachen wie Erwärmung und deren Folgen oder Maisanbau.

 

Dr. Petrak gibt wohl gemeinte Ratschläge, z.B. revierübergreifende Bejagung. Dabei haben bis in die jüngste Vergangenheit einige große Revierverpächter genau das ihren Pächtern offensichtlich nicht auferlegt – die Terminmitteilung an die Nachbarn. Den Rat sollte er also zunächst intern kommunizieren. Vielleicht wäre es hilfreich gewesen, wenn Dr. Petrak beschrieben hätte, woran entwickelte Föten einer 50 kgBache eingehen, wenn die einen Kammerschuss erhält. Dann würde der eine oder andere vielleicht eher einen 15 kg Frischling erlegen statt einer tragenden Bache. Das gehört dann aber in die Geschichte mit dem Ehrenschild des Jägers.

 

K. U. Birnbaum, 52074 Aachen

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