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RWJ 02/2018: ASP-Infoveranstaltung in Gütersloh

„Der Seuche zuvorkommen“

450 Landwirte und Jäger informierten sich Anfang Januar im Kreishaus Gütersloh über die Afrikanische Schweinepest (ASP). Die Rotunde des Verwaltungskomplexes war zum Bersten gefüllt.

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Volles Kreishaus – fast 500 interessierte Landwirte und Jäger waren nach Gütersloh gekommen, um aktuelle Hinweise und Empfehlungen zur ASP zu erhalten.

Die Afrikanische Schweinepest, 2007 aus Kenia eingeschleppt, hat Schwarzwild in Tschechien und Polen erreicht. Als Hauptüberträger gilt der Mensch durch die Verschleppung von Lebensmitteln aus verseuchten Regionen (Wurstbrot-Theorie). Dr. Arno Piontkowski (NRW-Landwirtschaftsministerium) verdeutlichte den Ernst der Lage: „Einen Impfstoff, der für die klassische Schweinepest (KSP) vorhanden ist, wird es frühestens in 10 Jahren geben.“ ASP hat dem Experten zufolge eine Inkubationszeit von vier bis fünf Tagen zwischen Infektion und Ausbruch. Zum Verenden eines infizierten Tieres führt sie innerhalb von sieben bis 10 Tagen. 45 neue Ausbrüche in Polen allein zwischen dem 20. und 24. Dezember machen für Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) die Gefahr für Deutschland deutlich. Der Kreis habe schon im November 2017 alle Schweinehalter angeschrieben, die im Ernstfall um ihre Existenz bangen müssten.

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Diskutierten über die Afrikanische Schweinepest (v. l.) Moderator T. Kuhlbusch (Kreis GT), Kreislandwirt H. Kollmeyer, DJV-Geschäftsführer A. Leppmann, A. Westermeyer (Vors. WLV GT), H. Beringmeier (WLV-Veredlungsausschuss), LJV-Präsident R. Müller-Schallenberg, Dr. A. Piontkowski (NRW-Landwirtschaftsministerium), Landrat S.-G. Adenauer und R. Reckmeyer (Vors. KJS GT). Fotos: Kreis Güterlsoh

Für Kreislandwirt Heiner Kollmeyer sind Tiertransporte zu Tönnies (Rheda), einem der größten europäischen Schlachthöfe, eine tickende Zeitbombe. Anhand von drei simulierten Einzelfunden ASP-infizierter Sauen verdeutlichte DJV-Geschäftsführer Andreas Leppmann, wo beim Abstecken von Sperrgebieten Grenzen liegen, etwa wenn rundherum Schweineställe lahmgelegt werden müssen oder sich große Naherholungs- bzw. Naturschutzgebiete innerhalb der Sperrzonen befinden. Auch der Einfluss großer Prädatoren wie des Wolfes im Kontext der Seuchenverschleppung sei völlig ungeklärt. Hinzu kämen wirtschaftsbedingte Einschränkungen für Jäger im Fall eines Seuchenausbruchs.

 

Leppmann: „Wenn dann etwa der Mais noch steht, können wir nicht jagen.“ Außerdem wies er darauf hin, das „Ausmerzen“ von Schwarzwild in Sperrgebieten habe mit herkömmlicher Jagd nichts zu tun, dabei handele es sich um reine Seuchenbekämpfung. LJV-Präsident Ralph Müller-Schallenberg betonte, Sauen ließen sich hierzulande sowieso nicht ausrotten, selbst wenn man dies wollte. Im Übrigen lehnte er es ab, im Frühjahr auf Bachen zu schießen, die noch Frischlinge führten. Unterm Strich könne die Jägerschaft mit ASP fertig werden, meinte der Präsident. Umfassend schildert Dr. Arno Piontkowski, wie sich der ASP-Virus im Körper von Wild- und Hausschweinen „versteckt“ und sich nur sehr langsam verändert. Bei einer Verschleppung spielten Transporte eine wichtige Rolle, was die Aufklärung der Lastwagenfahrer notwendig mache.

 

Dabei komme der Autobahn A 2 eine besondere Bedeutung zu. Wenn etwa aus Weißrussland oder der russischen Exklave Kaliningrad keine positiven ASP-Fälle bekannt seien, bedeute dies keinesfalls, dass diese Regionen seuchenfrei sind – sie unterliegen nur nicht EU-Meldepflicht …

 

Der Düsseldorfer Seuchen-Profi räumte ein, die Anpassung der Rechtssysteme bleibe schwierig. So gelte Tschechien bei der ASP-Bekämpfung als „Goldstandard“ mit der Einrichtung von Kernzonen mit Betretungsverbot und intensiver Bejagung durch professionelle Jäger. Das sah Andreas Leppmann genauso, mit der Verringerung des Sauenbestands verringere sich auch die Gefahr der Übertragung des ASP-Virus. Außerdem sollten Jäger Fundstellen von Kadavern kartieren und den Veterinärämtern senden, von denen schnelle Rückmeldungen über die Todesursache kommen müssten. Leppmann: „Wir Jäger erkennen Symptome und machen bei der Jagd gleich eine Organbeschau. Darin sind wir ausgebildet.“

 

Matthias Kruse


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