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RWJ 01/2019: Nachhaltigkeit vs. Naturromantik

Tierrechtsorganisation diffamiert „Fellwechsel“

Das Aktionsbündnis Fuchs versucht, mit pseudowissenschaftlichen Argumenten die nachhaltige Ressource Pelz sowie das Projekt „Fellwechsel“ des Deutschen Jagdverbandes schlecht zu reden. Dabei wärmt sie vor allem längst widerlegte Argumente auf.

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Pelz wird wieder gekauft, ist aber auch umstritten. Fellwechsel will die Akzeptanz für Rauchware aus nachhaltiger Jagd stärken und die Verwertung bündeln.

Die Organisation Aktionsbündnis Fuchs echauffiert sich und nutzt alte, längst widerlegte Argumente gegen die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen: Tierleidfrei sei kein Pelz, die Natur regele sich selbst und die Jagd auf Füchse sei unnötig.

 

 

Raubwild muss bejagt werden

Dabei verschließt die Organisation offenbar die Augen vor der Realität: Die Artenvielfalt in der Offenlandschaft ist in den vergangenen zwanzig Jahren dramatisch zurückgegangen. Eine intensivierte Flächennutzung und die Zunahme anpassungsfähiger Raubsäuger – allen voran Fuchs, Waschbär und Marderhund – sind die Hauptgründe. Zudem hat die Immunisierung der Fuchsbestände gegen die Tollwut ein natürliches Regulativ ausgeschaltet. In Folge hat sich die Fuchspopulation in den vergangenen dreißig Jahren verdreifacht. Eine Bejagung von Raubsäugern ist notwendig, insbesondere für den Artenschutz. „Alle reden derzeit von Plastikmüll in den Weltmeeren und gleichzeitig bleibt eine wunderbare, natürliche Ressource größtenteils ungenutzt“, sagt Dr. Jörg Friedmann vom DJV-Präsidium. „Fakt ist: Kunstpelze werden aus Erdöl hergestellt und sind schwer abbaubar.“

 

 


Natürliche Ressourcen nutzen

Von dem maßgeblich durch Tierschutzorganisationen initiierten Werteverfall für jegliche Art Pelz Anfang der 1990er Jahre waren auch jagdlich erlegte Bälge betroffen. Immer weniger Felle wurden zu Gerbereien und Kürschnern gebracht. „Das ist sehr schade, denn Pelz ist auch nur Leder mit Haaren und die Tiere werden im Rahmen des Artenschutzes ohnehin erlegt“, so Friedmann. Aus diesem Grund haben DJV und Landesjagdverband Baden-Württemberg die „Fellwechsel„ GmbH ins Leben gerufen. Sie baut eine Logistikkette für die hochwertige Verwertung von jagdlichen Bälgen auf und ermöglicht eine lückenlose Rückverfolgbarkeit. Die Felle werden zudem chromfrei gegerbt. Das Land Sachsen-Anhalt unterstützt nicht wie behauptet die „Fellwechsel“ GmbH, sondern ein nachhaltiges Management invasiver Arten. Deutschland ist im Rahmen der „EU-Verordnung zum Management invasiver Arten“ verpflichtet, Waschbär, Mink und Co. stark zu reduzieren.

 

Sachsen-Anhalt hat in Kooperation mit dem Landesjagdverband beschlossen, keine Erlegungsprämien pro Einzeltier wie üblich zu zahlen. „Wir streben eine ganzheitliche Nachhaltigkeit an“, sagt Dr. Heinrich Jordan, Präsident des Landesjagdverbandes Sachsen-Anhalt.

 

 


Sachsen-Anhalt unterstützt

„Das Land unterstützt die Jäger mit Kühlkapazitäten für eine optimale Logistikkette. Wenn unsere Jäger wissen, dass sie für Artenschutz und Ressourcennutzung jagen, ist das ein zusätzlicher Anreiz.“ Außerdem werde so ein jahrhundertealtes, heimisches Handwerk unterstützt. Das Aktionsbündnis Fuchs argumentiert, immer mehr Kaufhäuser würden Pelz aus dem Programm nehmen, weil eine Nutzung der tierischen Ressource unverantwortlich sei – egal, aus welcher Quelle sie käme. „Das ist nicht nur schlichtweg falsch, sondern auch gelogen – Pelz boomt“, sagt Jörg Friedmann. Zwischen 2005 und 2015 haben sich die Umsätze der europäischen Pelzbranche von 3,6 auf sieben Milliarden nahezu verdoppelt.

 

 


Label verweist auf Nachhaltigkeit

Mit „Fellwechsel“ und dem vom deutschen Kürschnerbund initiierten Label weprefur (engl. to prefer: bevorzugen, fur: Pelz/ Red.) ist es möglich, Verantwortung für Tierund Ressourcenschutz zu zeigen. „Mit Nachhaltigkeit hat Kunstpelz jedenfalls nichts zu tun.“ Echter Pelz hingegen kann bis zu drei Gener ationen halten, umgenäht werden und ist leicht kompostierbar. „Wenn wir in den heutigen Zeiten von Artenschwund, Tierwohl und Ressourcenverschwendung eines nicht gebrauchen können, ist das manipulative Naturromantik- Propaganda“, sagt Friedmann. „Wer wirklich etwas für nachhaltigen Konsum, Tier- und Naturschutz sowie Artenvielfalt tun möchte und sich in seiner Region einsetzen will, wird Jägerin oder Jäger.“


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