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RWJ 03/2018: Vandalismus gegen Jäger und Treiber

Mann demoliert Fahrzeug einer Treiberin

In Hünxe (WES) am Niederrhein hat ein aufgebrachter Mann das Auto einer Treiberin mit einem Ast traktiert. Was den Mann zu der Tat getrieben hat, ist unklar.

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Die Treiberin wird wohl weitgehend auf den Kosten der Zerstörungen sitzen bleiben.

Nachdem der Bauernverband und auch die zuständigen Behörden die Jagdpächter dazu aufgerufen hatten, die zu hohen Wildschweinbestände wegen der drohenden Afrikanischen Schweinepest und der hohen Wildschäden zu dezimieren, organisierte Jagdpächter Michael Helmich aus Hünxe (WES) Ende Januar eine kleine Drückjagd. Dabei sollten einige Feldgehölze und Hecken von wenigen Hunden und Treibern durchgedrückt werden. Dazu hatten sich sechs Jäger und fünf Treiber eingefunden. Polizei, Landwirte und betroffene Anwohner wurden im Vorfeld informiert, wie es sich gehört. Außerdem wurden im Umfeld des Reviers einige Warnschilder aufgestellt.

 

Doch die Jagd stand offenbar unter keinem guten Stern. Bereits am Vormittag war Jagdleiter Michael Helmich von einer Anwohnerin massiv verbal angegangen worden. Die ihm flüchtig bekannte Frau drohte ihm, dass sie an seinem Haus „alle Scheiben zerschlagen“ würde, falls ihrer Katze bei der Jagd etwas zustoße, so Helmich. Der ehemalige Berufssoldat erklärte dem RWJ gegenüber, dass er in der Regel das Gespräch suche, um Vorurteile gegen Jagd und Jäger abzubauen. In diesem Fall war sein Gegenüber aber offenbar derart in Rage, dass eine Diskussion nicht möglich war. Doch während des Treibens kam es zu einem ungeheurlichen Vorfall. Ein bislang noch nicht von der Polizei ermittelter Mann zertrümmerte mit einem Ast das Auto einer Treiberin. Friedrich-Wilhelm Giroud konnte die Tat von seinem Stand aus verfolgen. „Nachdem ich zwei Überläufer und einen Frischling erlegen konnte, liefen zwei Sauen hochflüchtig über das Feld in Richtung Ortsrand.“ Dort verlor der Jäger die Schwarzkittel aus den Augen.

 

„Wenig später rannte ein kräftiger Mann wütend schreiend auf meinen Stand zu. Ich entlud meine Waffe und mir war ausgesprochen mulmig, als er sich näherte“, so Giroud. Als der Mann noch etwa 100 m vom Drückjagdbock entfernt war, änderte er plötzlich die Laufrichtung und stürmte auf ein parkendes Auto zu. Dieses traktierte er dann mit einem Ast, den er gefunden hatte. Dabei zerstörte er die Windschutzscheibe und den Seitenspiegel. Außerdem zerbeulte er die Kühlerhaube. Anschließend floh er in Richtung des angrenzenden Wohngebietes Hünxer Heide, wo sich seine Spur verlor. Die Söhne des Revierpächters verfolgten den Mann noch, konnten ihn aber nicht stellen.

 

Bauern und NABU stärken Jäger

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Auch der Seitenspiegel des Wagens wurde zerstört.

Der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Wesel, Wilhelm Neu, stellte sich hinter die Jäger und verurteilte die Tat aufs Schärfste. Es sei wegen der ASP – aber auch wegen der zunehmenden Wildschäden – sehr wichtig, den Sauenbestand im Zaum zu halten. Zudem äußerte Neu die Vermutung, dass Jagdgegner hinter der Attacke stecken könnten, weil die Jagd angekündigt und damit der Öffentlichkeit bekannt war. Jäger seien Naturschützer. Es sei einfach zu kurz gedacht, gegen sie vorzugehen. Auch NABU-Chef Peter Malzbender stellt sich hinter die Hünxer Jäger und verteidigt diese. „Wer auf diese Art Jäger angeht, hat nicht verstanden, was Natur ist“, kritisiert Malzbender gegenüber der Rheinischen Post. Es gäbe einfach zu viel Schalenwild auch im Kreis Wesel. Deshalb sei es notwendig, dass die Jäger die Tiere abschießen. Er erinnerte daran, dass kein Jäger gerne auf Frischlinge schieße. In seinem Verband gäbe es Mitglieder, die der Jagd kritisch gegenüberstünden, aber ebenso auch Jäger – wie Michael Helmich, der seit Jahrzehnten auch NABU-Mitglied ist. Die Polizei versucht weiter, den Täter zu finden. Derzeit werden laut Kreispolizeibehörde Wesel weitere Zeugen des Vorfalls angehört, um den Mann zu ermitteln.

 

Felix Höltmann


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