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RWJ 02/2018: Godesberger Jäger am Flughafen Köln

Ground Control with Major Muuß

Der Köln-Bonner Flughafen ist eine Eigenjagd mit fast 1 000 ha Heidelandschaft, voll arrondiert, mit wildsicherem Zaun umsäumt – aus Sicht des Naturschutzes ein Eldorado für seltene Arten. Hutewald und Sandbirkenbestände bilden mit dem Moor ideale Lebensräume für seltene Vogel-, Pflanzen- und Insektenarten.

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Die Godesberger Jäger informierten sich am Flughafen Köln/Bonn über die interessante Arbeit der Berufsjäger und Falkner, die mit ihrer Arbeit zur Flugsicherheit beitragen.

In unmittelbarer Nähe des Besucherbusses bezog ein Neuntöter Position und außerhalb des Zaunes kam sogar Rotwild in Anblick. Ulf Muuß berichtete von Morgenausfahrten, bei denen man bis 100 m an das Brunftspektakel heranfahren kann. Vor die Büchse bekommt er es in der Regel nicht, denn Schalenwild im Flughafengelände oder gar auf dem Rollfeld würde sofort Alarm auslösen. Doch selbst wenn alle Vergrämungsund Pflegemaßnahmen im Vorfeld noch so gewissenhaft angewendet werden, in der Natur gibts keine 100 Prozent. Doch auch der Einsatzplan für ein solches Szenario steht, inklusive Stopp des gesamten Flugbetriebes und Inanspruchnahme vieler Flughafenmitarbeiter. Spätestens dabei dämmerte allen, welch riesige Verantwortung dieser Job mit sich bringt. Eine Ringeltaube (2012 geschehen) reicht für schwere Triebwerkschäden aus. Nicht nur deshalb macht sich der Einsatz eines Vollzeit-Berufsjägers beim Flughafen bezahlt.

 

Angesichts des hoch technisierten Umfeldes mit Radar, Wetter- und Röntgenanlagen wirken altbewährte Holzkastenfalle, Frettchen und Röhrenfangnetze zur Kaninchenjagd merkwürdig deplatziert. Doch die Lapuze sind für den Flugbetrieb nicht ohne – ihre Grabaktivitäten gefährden die Stabilität der Rollbahnen und außerdem locken sie Greifvögel an. Einen auf dem Rollfeld sitzenden Greif würde der Tower sofort an die „Bird Control“ melden, jede Start- und Landeaktion würde sofort ausgesetzt werden, bis das Feld wieder geräumt ist. Die Zuständigkeit von Ulf Muuß endet am Zaun des Flughafens. Daher ist er auf Kooperation mit den Nachbarrevieren und das Verständnis bei den Anwohnern und Erholung suchenden angewiesen. Denn diese vereiteln leider (mangels genügender Aufklärung) ab und zu aufwendig geplante Jagdeinsätze im Umfeld des Flughafens, indem Wild bewusst verschreckt wird, bevor es zur Strecke kommen kann.

 

Nicht zuletzt begegnet Muuß sogar Staunen, wenn kritische Beobachter am Zaun erfahren, dass Kaninchen mitunter sogar lebend gefangen werden, um anderswo zusammengebrochene Besätze wieder anzureichern. Der Nachmittag verstrich wie im Flug und eskortiert von zwei Harris Hawks verabschiedeten sich die Godesberger Jäger nur schweren Herzens von Ulf Muuß und seinem Falknerkollegen.

 

B. Wollin

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