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RWJ 01/2021: Drückjagd in der Corona-Pandemie

Coronakonform jagen

In Nordrhein-Westfalen durften Bewegungsjagden auf Schalenwild unter strengen Auflagen der Corona-Schutzverordnung durchgeführt werden. Wir haben uns erkundigt, wie die Jagden gelaufen sind und wie die Strecken aussahen.

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Bewegungsjagd im Herbst 2020: Anfahrt, Jagdscheinkontrolle und Corona-Nachweis-Abgabe im Auto, Fahrt an die Stände, nach Ende des Treibens erlegtes Wild an den nächsten Weg verbringen ... und dann direkt wieder ab nach Hause. Wenn man Glück hat, gabs am nächsten Tag per WhatsApp noch eine Meldung zur Strecke. Möge es die ganz große Ausnahme bleiben ...

Laut DJV wurden bundesweit etwa 60 Prozent der Bewegungsjagden in diesem Jahr abgesagt. Wer in seinen Kalender blickt und mit dem Vorjahr vergleicht, kann vielleicht den Eindruck bekommen, dass es noch mehr abgesagte Jagden waren.

 

Wie liefen die Corona-Jagden ab

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Weder Streckelegen, freundschaftlich- gesellige Kontakte, Schüsseltreiben oder Klönschnack, stattdessen Abstand und Masken – Corona-Jagd macht wenig Spaß ... Foto: Dr. M. Petrak

Dennoch haben auch zwischen Rhein und Weser Ende 2020 Bewegungsjagden auf Schalenwild stattgefunden. Doch wie führt man eine Jagd durch, bei der eine Reihe von Hygiene-Auflagen wie Abstände zwischen den Beteiligten Personen von mindestens 1,50 m eingehalten werden sollen?

 

In drei Revieren im ostwestfälischen Kreis Höxter (NRW) haben Jagdpraxis- Redakteure an einer revierübergreifenden Drückjagd unter Corona-Bedingungen teilgenommen.

 


Kontrolle am Fahrzeug

Am frühen Morgen sammelten sich alle Teilnehmer in ihren Fahrzeugen in einem Steinbruch. Dort war genug Platz, um die Fahrzeuge aller Jäger aufzustellen.

 

Die Jagdgesellschaft wurde in acht Anstellergruppen mit jeweils acht bis zehn Jägern aufgeteilt. Jeder Teilnehmer wurde am Eingang des Steinbruchs einer Gruppe zugewiesen und musste sich mit seinem Wagen in die jeweilige Fahrzeugkolonne einreihen.

 


In Kolonnen ins Revier

Vorn stand der Ansteller mit seinem Fahrzeug, dahinter die Schützen in der Reihenfolge, wie sie abgesetzt werden sollten. Das erforderte ein wenig Rangieren, funktionierte aber gut.

 

Nachdem die Ansteller Jagdscheine, Schießnachweise und Corona-Erklärungen der im Fahrzeug sitzenden Personen kontrolliert hatten, setzten sich die Kolonnen in Bewegung, denn eine Fahrt mit mehreren Schützen in einem Wagen bzw. auf einem Anhänger kam aufgrund des Infektionsrisikos nicht infrage.

 

Die Schützen mussten ihre Fahrzeuge dann nach und nach im Revier parken und die Stände einehmen. Dazu mussten im Vorfeld die Reihenfolge der Fahrzeuge, die genaue Route durchs Revier und sichere Parkplätze für alle Fahrzeuge geklärt werden.

 

Anschließend holten die Ansteller ihre Treiber an einem Hof in der Nähe des Steinbruchs ab, fuhren mit ins Revier und begannen zu treiben. Als um 12.15 Uhr Hahn in Ruh‘ geblasen wurde, fuhren die Ansteller ihren Weg erneut ab, sammelten erlegtes Wild ein und nahmen von den Schützen die Zettel mit den Wild-Beobachtungen und abgegebenen Schüssen ein.

 

Es wurde geklärt, ob Kontroll- oder Nachsuchen erforderlich sind und ggf. Anschüsse markiert. Dabei wurden durchgängig Masken getragen und die erforderlichen Abstände eingehalten.

 

Danach verabschiedeten sich die Ansteller von den Jägern, die ohne Suppe – und den eigentlich so wichtigen, aber nicht möglichen Austausch der Erlebnisse am Feuer – abreisen mussten.

 

Die Durchführung verlangte noch mehr Koordination als sonst, ermöglichte es aber, dass alle Auflagen bezüglich der Mindestabstände eingehalten werden konnten.

 

Das erlegte Wild wurde zentral von einer kleinen Gruppe aufgebrochen. Da dabei nicht immer der Abstand von 1,50 m einzuhalten war – etwa beim gemeinsamen Aufhängen schwerer Stücke – war das Tragen von Alltags- oder besser FFP2-Masken obligatorisch.

 


Mehr Aufwand, weniger Strecke

Die Unruhe im Revier durch lange Wagenkolonnen sowie das Aus- und Einsteigen der Schützen und Ansteller könnte die etwas niedrigere Schwarzwildstrecke erklären – doch auch der mittlerweile dichte Brombeerbewuchs der zweijährigen Forstkulturen half den Sauen. Die Rehwildstrecke war wie in den vergangenen Jahren stabil und zufriedenstellend.

 

Nicht zu jagen, war für die Beständer der ostwestfälischen Reviere angesichts drohender Wildschäden im Grünland allerdings keine Alternative.


Wie lief es in NRW ?

Um ein Stimmungsbild einzuholen, haben wir mit mehreren Vorsitzenden unterschiedlicher Kreisjägerschaften in Nordrhein-Westfalen gesprochen.

 


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Wenige Jagden, weniger Jäger

Manfred Kind (Oberbergischer Kreis) hat zum ersten Mal seit er vor 40 Jahren Jäger wurde, an keiner einzigen Gesellschaftsjagd teilgenommen. Er schätzt, dass in seinem Bereich nur etwa 20 Prozent der sonst stattfindenden Jagden durchgeführt worden seien. Zudem hätten daran nur etwa die Hälfte der sonst üblichen Jäger teilgenommen.

 

An die Umsetzung der Corona-Schutzmaßnahmen hätten sich die Organisatoren gehalten.

 

Die Rehwildstrecken seien normal gewesen, bei den Sauen seien einige Schwarzkittel weniger als sonst zur Strecke gekommen. Um das Defizit bei der Sauen-Strecke – das aufgrund der vielen vollständig ausgefallenen Jagden nicht unerheblich sein dürfte – auszugleichen, setzt Kind auf eine verstärkte Einzeljagd, verbunden mit der Hoffnung, Nachtzieltechnik bald legal einsetzen zu dürfen.

 

Berthold Antpöhler (Kreis Paderborn) zeichnet ein anderes Bild. In seiner Region hätten etwa 80 Prozent der Jagden stattgefunden. Es seien mehr Rehe als in den Jahren zuvor erlegt worden. Die Sauenstrecke sei ungefähr gleich geblieben. Um dem Defizit bei den Schwarzkitteln Herr zu werden, sollten kleinere Dickungen mit wenigen Schützen abgestellt und durchgedrückt werden. Das könne evtl. auch noch im Januar unter Coronabedingungen stattfinden, allerdings nur dort, wo kein Rotwild vorkomme.

 


Nur der Staat jagt weiter

Nicole Heitzig (Hochsauerlandkreis) zeichnete ein wiederum völlig anderes Bild. Dort seien fast alle Jagden abgesagt worden. Lediglich im Staatsforst sei mit deutlich reduzierter Schützenzahl gejagt worden.

 

Das berichtet auch Alfred Nimphius (Kreis Wesel) vom Niederrhein.

 

Dort schmerzt vor allem das grundsätzliche Verbot der traditionellen Treibjagden – vor allem, weil die Hasen- und Fasanenbesätze endlich wieder richtig vielversprechend waren.

 

Einige Pächter im Sauerland hätten Sorgen gehabt, die strengen Auflagen nicht erfüllen zu können oder unbewusst Fehler zu machen. Zudem habe die Geselligkeit im Sauerland eine hohe Bedeutung bei der Jagd. Wenn anschließend kein Zusammenkommen möglich sei, könnte dies ein zusätzlicher Aspekt sein, um Jagden letztlich nicht durchzuführen.

 

Die Einhaltung der Abstände und das Tragen von Masken sei aber auf den wenigen Jagden, die stattgefunden haben, kein Problem gewesen. Auch Nicole Heitzig sah, dass die Rehwildstrecken stabil waren und weniger Schwarzwild erlegt worden sei.

 

Um das Defizit auszugleichen, könnten Sammelansitze helfen. Allerdings seien aufgrund von Corona deutlich mehr Menschen in den Wäldern des Sauerlandes unterwegs, was das Wild und die Jagdausübung störe.

 


Kleine Jagden statt großer Organisation

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Coronakonforme Streckenversorgung mit wenigen Personen und Mund-Nasen-Schutz.

Marcus Freudeberg (Kreisjägerschaft Siegerland-Wittgenstein) stellte als Jäger und aktiver Hundeführer fest, dass die jagdlichen Aktivitäten im Herbst 2020 zurückgefahren wurden. Viele Revierinhaber hätten von größeren Jagden abgesehen und stattdessen kleinere Jagden oder „Busch-Drückerchen“ durchgeführt.

 

Große, revierübergreifende Jagden fanden weniger statt. Wer wollte, konnte eine Jagd unter Corona-Bedingungen durchführen. Die Regeln waren nicht praxisfremd oder übermäßig streng.

 

Freudeberg hat den Eindruck, dass weniger Schwarzwild als im Rekord-Vorjahr zur Strecke gekommen ist. Aber auch bei der Ansitz-Jagd, die im Siegener und Wittgensteiner Land von hoher Bedeutung ist, kamen weniger Sauen zur Strecke.

 

Vielleicht sei auch einfach weniger Schwarzwild da. Ob der Einsatz von Nachtzieltechnik die Strecke signifikant verändern würde, sieht er skeptisch.

 


Zufriedenstellende Ergebnisse

Bodo Weranekaus aus dem Kreis Euskirchen schätzt, dass in seinem Teil der Eifel etwa 60 - 70 Prozent der Drückjagden des Vorjahres stattgefunden haben, an denen insgesamt etwas weniger Jäger als sonst teilgenommen hätten.

 

Ihm sei keine Kritik an den Vorschriften zu Ohren gekommen. Die Veranstalter waren gut informiert, und die Jäger hatten durchweg Verständnis für die Notwendigkeit der corona-konformen Durchführung.

 

Die Strecken seien niedriger als im Vorjahr gewesen und die Revierinhaber seien damit nicht zufrieden. Ob es an der Durchführung der Jagden oder der Zahl der vorhandenen Sauen lag, sei reine Spekulation.

 

Auch die Jäger im Euskirchener Raum stellten weniger Sauen an den Kirrungen fest. Eine Theorie lautet wie folgt: Auf ehemaligen Fichtenstandorten wachsen neue Kulturen, entweder gepflanzt oder durch Naturverjüngung. Dort gibt es Deckung, aber auch deutlich mehr Äsung als unter den Fichten – vielleicht ziehen die Sauen deshalb weniger auf die Felder und Wiesen.

 


Durchwachsenes Fazit

Insgesamt ziehen die Vorsitzenden großer Kreisjägerschaften in NRW ein durchwachsenes Fazit. Viele Jagden wurden abgesagt oder mit weniger Teilnehmern und landesweit niedrigeren Sauenstrecken durchgeführt. Ob die nicht erlegten Sauen durch verstärkte Ansitzjagd oder den auch in NRW demnächst erlaubten Einsatz von Nachtzieltechnik zur Strecke gebracht werden können, sehen sie tendenziell eher skeptisch.

 

Es deutet sich aber an, dass 2021 allemal mit einem deutlich Zuwachs der Sauen-Population zu rechnen ist.

 

Felix Höltmann/Matthias Kruse


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