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RWJ 10/2020: ASP in Deutschland ausgebrochen

ASP in Deutschland ausgebrochen

Es war nur eine Frage der Zeit, eine Frage nach dem Wann und Wo. Jetzt steht fest: Die ASP ist in Deutschland angekommen. Zu Redaktionsschluss gab es bereits 20 vom Friedrich-Loeffler-Institut bestätigte Fälle.

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Diese Aufnahme aus Litauen zeigt Sauen, die an der ASP verendet sind. So wie sie dort liegen, wurden sie aufgefunden.

Im Landkreis Spree-Neiße im östlichen Brandenburg wurde das Virus am 10. September bei einem verendet aufgefundenen Wildschwein festgestellt. Der Fundort befindet sich beim Ort Sembten (Gemeinde Schenkendöbern), der zwischen Frankfurt (Oder) und Cottbus liegt.

 

Einschleppung aus Polen liegt nahe

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat die Infektion mit der ASP kurz darauf bestätigt. Der Fundort liegt nur wenige Kilo meter von der Lausitzer Neiße entfernt, die dort Grenzfluss zu Polen ist. Es wird vermutet, dass das Virus durch Wildschweine eingeschleppt wurde, die die aktuell nur wenig Wasser führende Neiße überwunden haben. In diesem Zusammenhang wurde auch Kritik an den örtlichen Behörden geübt. Ihnen wurde vorgeworfen, dass der Elektrozaun am Flussufer nicht zuverlässig gewesen sein soll.

 


Weitere Fälle bestätigt

Am 15. September bestätigte das Land Brandenburg, dass fünf weitere ASP-infizierte Wildschweine aufgefunden wurden. Vier Sauen seien demnach bereits verendet gewesen, ein Wildschwein sei vor Ort getötet worden. Die Sauen wurden innerhalb des gefährdeten Gebietes rund um die erste Fundstelle aufgefunden. In den folgenden Tagen wurden immer neue Fälle gemeldet. Es handelt sich um eine dynamische Situation.

 


Kadaver weitgehend verwest

Problematisch ist, dass das zuerst aufgefundene Wildschwein laut FLI bereits weitgehend verwest gewesen ist. Damit steigt das Risiko, dass sich weitere Sauen an dem Stück infiziert haben.

 


Jagd- und Ernteverbot

Das Seuchengebiet wird in eine bereits umzäunte Kernzone mit einem Radius von etwa drei Kilometern, ein gefährdetes Gebiet und eine Pufferzone aufgeteilt. Für die Kernzone und das gefährdete Gebiet gelten ein Jagdverbot für alle Tierarten, verstärkte Fallwildsuche, Leinenzwang für Hunde, ein Verbot land- und forstwirtschaftlicher Tätigkeiten sowie die Anlage von Jagdschneisen nach Anordnung des Amtstierarztes. Jedes verendet aufgefundene Wildschwein ist unverzüglich unter Angabe des Fundortes (GPS-Daten) dem zuständigen Veterinäramt anzuzeigen. Landestierarzt Stephan Nickisch erklärte, dass für das eingezäunte Gebiet ein Betretungsverbot erlassen worden sei.

 


Suchhunde im Einsatz

Nun gilt es, möglichst schnell alle weiteren Kadaver verendeter Sauen zu finden und aus dem Gebiet zu bringen, damit sich da ran keine weiteren Tiere infizieren. Das Virus bleibt sehr lange im Wildkörper virulent. Zur Kadaver suche werden auch Schweißhundführer eingesetzt, die dabei ihre Waffen tragen dürfen. Die Jagdausübungsberechtigten müssen diese Kadaversuchen dulden und sollen sie unterstützen. Seit dem 22. September sind auch Kadaver-Suchhunde aus Rheinland-Pfalz im Einsatz.

 


Schutzzaun in der Kritik

Seit dem 12. September ist ein rund 12 Kilometer langer Elektrozaun in einem Radius von drei Kilometern um den ersten Fundort in Betrieb. Der Zaun soll verhindern, dass infizierte Sauen den Bereich verlassen. Er wird aber wegen der mangelhaften Umsetzung der Maßnahme kritisiert. Örtliche Jäger und Bauern sind der Meinung, dass der Zaun für Sauen leicht zu überwinden sei. Außerdem wird die mangelhafte Kooperation der Landkreise kritisiert. Lokale Medien berichten, dass die Entsorgung der Kadaver nur schleppend und unkoordiniert laufe. Da die Fundstelle direkt an der Grenze zwischen den Kreise Spree-Neiße und Oder-Spree liegt, endet dort auch die jeweilige Zuständigkeit der Behörden.

 


Kernzone wird ausgeweitet

Aufgrund der dynamischen Entwicklung des Seuchengeschehens wurde das gefährdete Gebiet erweitert. Ziel ist es weiterhin, die Seuche einzugrenzen und den Ausbruch durch gezielte Fallwildsuche zum Erliegen zu bringen. Für den Fall eines ASP-Ausbruchs in Nordrhein-Westfalen steht die Wildtierseuchen- Vorsorge-Gesellschaft (WSVG) in Hamm für eine koordinierte Bekämpfung des Virus bereit.

 

Felix Höltmann


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