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RWJ 06/2021: Zahl der Wolf-Risse steigt und steigt

Ärger an allen Fronten

Die Zahl der bestätigten Wolfs-Sichtungen steigt in diesen Wochen rasant – und mit ihr massive Schäden von Nutztierhaltern. Und Jäger, die in Niedersachsen „Problemwölfe“ legal lethal entnahmen, werden massiv bedroht ...

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Allein in Brandenburg leben mittlerweile ähnlich viele Wölfe wie in ganz Schweden ! Dennoch beharren „interessierte Kreise“ darauf, der „günstige Erhaltungszustand“ der hiesigen Population sei immer noch nicht erreicht ... H. Pieper

Mit einer Pressemitteilung über eine Umfrage zur Wiederansiedlung feierte der NABU zu dem von ihm ausgerufenen Tag des Wolfes Ende April) die hohe Akzeptanz des Beutegreifers – gut drei Viertel der 2 360 Befragten fänden es erfreulich, dass Wölfe wieder hier lebten (77 Prozent), ihre Lebensweise spannend (75 Prozent) und seien der Auffassung, Wölfe sollten selbst dann wieder hierzuland leben, wenn es zu Problemen komme (76 Prozent). Dazu stimmten fast zwei Drittel (65 Prozent) der Bevölkerung der Aussage zu, die von den Tieren ausgehenden Gefahren würden in den Medien übertrieben dargestellt. Allerdings fanden immerhin 65 Prozent der Befragten, einzelne Problemwölfe müssten notfalls getötet werden ...

 

Bauernverband empört

Der Deutsche Bauernverband reagierte empört, eine solche Inszenierung zum sog. Tag des Wolfes empfänden viele Weidetierhalter als blanken Hohn – wenn es so weitergehe, werde in 10 Jahren die Mehrheit von ihnen das Handtuch geworfen haben. Ein Tag des Wolfes blende die Wirklichkeit schlicht aus, da der vom Naturschutz geforderte günstige Erhaltungszustand längst erreicht sei, so der Bauernverband.

 


Aktives Wolfs-Management gefordert

Die Initiative Wolf bleibt Wolf, der der Bauernverband mit acht weiteren Verbänden des ländlichen Raums angehört, hält mit Fakten dagegen:
- allein in Brandenburg leben heute schon mehr viele Wölfe als im 15 mal größeren Schweden
- bundesweit haben Wölfe schon 2019 fast die 2 900 Nutztiere gerissen.

Statt den unkontrollierten Zuwachs von 30 Prozent jährlich als Erfolg zu feiern, sei es daher höchste Zeit für ein aktives Wolfsmanagement.

Gestützt wird der behauptete Zuwachs und die dramatische Risshäufung durch fortwährend neue Bestätigungen. So bestätigte in diesen Wochen das NRW-Landesamt für Umwelt-, Naturund Verbraucherschutz (LANUV) gleich zwei neue Nachweise in NRW: Bereits am 8. März war in Engelskirchen im Oberbergischen Kreis Losung entdeckt worden, am 3. April wurde in Hennef (SU) auf einer Weide ein Schaf gerissen. Beides konnte eindeutig Wölfen zugeordnet werden, beide Städte wurden daher als Pufferzone dem Wolfsgebiet Oberbergisches Land zugeordnet.

Was Pufferzone bedeutet, musste ein Schäfer in Blankenberg bei Hennef (BN) eine Woche vor dem NABU-Wolfsfeiertag schmerzlich erfahren – am 23. April fand er auf seiner Weide ein wahres Gemetzel vor: 11 Schafe und sechs Lämmer waren nächtens gerissen worden. Wie BILD Anfang Mai berichtete, waren sich ein hinzugerufener Förster und ein Wolfsexperte einig über den Verursacher ... Dazu passt das Foto einer Wildkamera nur 600 m entfernt von dem Riss, das zwei Wölfe zeigt, die am Morgen des 23. April zum Sprung über einen 1,5 m hohen Schutzzaun ansetzen ...

 


Polnische Antworten

Anfang März hatte ein ganzes Rudel drei Waldarbeiter in der Nähe von Brzozów im Südosten Polens angegriffen, die sie nur mit Kettensägen in die Flucht schlagen konnten. Daraufhin wurde der Abschuss von bis zu drei Wölfen angeordnet, tags darauf wurden zwei 24 kg schwere Jährlinge erlegt. In deren Mägen fand man u. a. Karotten und Kartoffelschalen – ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Tiere „in der Nähe menschlicher Siedlungen nach leichter Beute suchten, ohne eine für Wölfe charakteristische Scheu vor Menschen zu zeigen.“ Polenweit gab es 2020 immerhin 28 Anträge auf Wolfsentnahme, 18 davon wurden genehmigt.

 


Massiver Ärger in Niedersachsen

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Nachdem die stetig steigende Zahl von Wölfen (oft auch „nur“ beim Durchwandern) unter Nutztieren wie Schafen immer wieder regelrechte „Massaker“ anrichten, erhöht die betroffene Bevölkerung im ländlichen Raum den Druck auf die Politik, den kaum noch berechtigten höchsten EU-Schutzstatus endlich aufzuheben.

Für Deutschland scheinen Länder wie Polen, Schweden oder auch Frankreich bei der Bewertung heimischer Wolfsvorkommen und dem Umgang damit kein Vorbild zu sein. Einzig Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies hatte in den vergangenen Monaten den Abschuss von Wölfen nach gehäuften Rissen angeordnet. Am 7. April wurde eine jüngere Fähe erlegt, Ende April folgte der vierte niedersächsische Wolf 2021 bei Burgdorf (Landkreis Hannover). Niedersachsen setzt bewusst auf die Hilfe ortskundiger Jäger und sichert ihnen zu, die Namen Beteiligter strikt geheimzuhalten, um sie vor Übergriffen zu schützen.

Als Minister Lies eine Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes 2019 begrüßte, wähnte der NABU geschäumt, „die Landesregierung wünsche die Wiederausrottung des Wolfes“. Die seither von interessierten Kreisen kontinuierliche Hetze hat offenbar verfangen. So berichtete die Hannoversche Allgemeine am Anfang Mai, dass die örtlichen Jäger seit dem Abschuss im Burgdorfer Holz massiven Anfeindungen ausgesetzt wären. Dabei würden nicht nur Hochsitze angesägt und Jäger pauschal in sozialen Medien diffamiert, auch Gewaltaufrufe gegen namentlich genannte Jäger gehören in den Augen einiger „Wolfsfreunde“ zu den nötigen Maßnahmen.

 


Kein Erfolg in NRW

Zum Abschuss nutztierreißender Wölfe wird es in NRW vorläufig nicht kommen – Anfang Mai wies das Verwaltungsgericht Düsseldorf die Klage eines Schäfers aus Schermbeck (WES) zurück, der die Entnahme der unter Nutztierhaltern am Niederrhein berüchtigten Gloria (GW954f) gefordert hatte. Dem Antrag lagen zahlreiche der Fähe zugeschriebene Tierverluste zugrunde, nach denen er seine Herde natürlich zunehmend besser zu schützen suchte. Der dabei erzielte Teilerfolg wurde ihm vor Gericht zum Verhängnis. Damit drohten nach Auffassung des VG keine ernsten wirtschaftlichen Schäden mehr, die aber entscheidende Voraussetzung für eine behördliche Abschuss-Anordnung sind. Kollegen, die dem Termin beigewohnt hatten, nahmen den Ausgang fassungslos zur Kenntnis und sehen die Landespolitik gefordert.

 


17 tote Schafe in einer Nacht

Unrühmlicher letzter Zwischenfall (bis zum Redaktionsschluss dieses RWJ) in NRW: Ende April wurden in einer Herde seltener Soay-Schafe bei Bad Honnef- Blankenberg (Rhein-Sieg-Kreis) 17 Tiere in einer Nacht getötet. Eine Wildkamera nur 600 m von der Weide zeigt zwei Wölfe unmittelbar vor der Überquerung eines 1,50 m hohen Zauns. Nach Aussage des betroffenen Schäfers in BILD „ein Gemetzel, überall auf dem Berghang lagen Fellfetzen, die Körper der Tiere wiesen Kehlbisse auf.“ Hinzu kam ein bis auf die Rippen abgefressener Kadaver – alles eindeutige Hinweise auf einen Wolfsriss.

Frank Martini/Matthias Kruse

 


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