Seite 1

RWJ 11/2019: Gedanken einer Jägersfrau

„Dem Herzen mal Luft machen“

Ich bin eine Jägersfrau, keine Jägerin. Ich bin dem Hegen und Pflegen aufgeschlossen und helfe gern beim Hochsitzbau oder gehe als Treiber mit auf die Drückjagd. Das ist interessant und mit meinem Mann Zeit zu verbringen, ist mir wichtig.

Und hier beginnt auch schon das Ärgernis. Tatsache ist, dass es immer mehr Arbeit im Wald gibt. Es war ein tolles Hobby, jetzt ist es anders. Mein Mann überprüft täglich rund zwei Stunden lang, wo die Sauen im Revier gebrochen haben. Überall ist Mais gepflanzt und er muss schnell reagieren, wenn Schaden entsteht (...) einige Bauern melden sich sofort und bitten darum, den Acker wieder herzurichten, manche rechnen sich schon aus, was sie als Schadensersatz geltend machen können (...) es soll einfach bezahlt werden. Andere möchten nur wissen, dass der Jäger seiner Arbeit nachkommt, so gut es ihm möglich ist. (...) Wenige wissen, dass es nur schwer möglich ist, den Sauen Herr zu werden. Mit diesen Bauern klappt der enge, herzliche Kontakt sehr gut. Es ist aber auch zeitaufwendig und verlangt viel diplomatisches Geschick. (...) Mein Gatte arbeitet in Vollzeit wie die meisten anderen auch, hat Haus (was ich schon mehrheitlich übernehme), Garten (was ich mehrheitlich übernehme), zwei Hunde (was ich mehrheitlich übernehme).

 

Ich arbeite halbtags, oft am Wochenende, damit die Hunde nicht so viel allein sind und mein Mann auch ohne schlechtes Gewissen mit den Jagdkollegen mähen, schneiden und bauen kann. In den letzten drei bis vier Jahren ist aus dem ernsthaften Hobby ein zusätzlicher Job geworden. Er jagt seit Jugendzeit, es füllt ihn aus und er liebt es. Doch die Lust lässt immer mehr nach. (...) Mais wird bis an die Waldgrenze gepflanzt, weil der Ertrag sonst geringer wird, es werden keine Schußschneisen gelassen, weil es mehr Arbeit bedeutet und das Berechnen der Zuschüsse zu kompliziert und zeitaufwendig ist. Was ich nicht verstehe und was mir gewaltig auf die Nerven geht – warum sollen Jäger den Ausfall für die Schneise bezahlen ? Beide müssen doch einen Beitrag dazu leisten, das geschossen werden kann. (...) Es gibt keine Strafe für den Bauern, keine gesetzlichen Regelungen, die eine Beteiligung am Schaden sanktioniert, kein Entgegenkommen für den Jäger. (...) Ich habe noch nie verstanden, dass Jäger für alles verantwortlich sein sollen.

 

Es ist Natur, wie kann da einer verantwortlich sein? Dass Männer und Frauen ihre Arbeit im Wald erledigen sollen, ist richtig, doch es wird kaum geschossen, denn dafür ist kaum noch Zeit. Zudem hat die Zahl der Hochsitze sich enorm vervielfacht, damit auch die kleinste Möglichkeit genutzt werden kann. Nachts wird mein Mann nicht selten von der Polizei oder Privatleuten aus dem Bett geholt, weil wieder ein Wildunfall passiert ist. (...) Wildschweine gabs schon immer, doch wer sorgt dafür, dass so viele da sind? Dass Ausfälle für Randstreifen subventioniert werden, interessiert Bauern nicht – zu viel Papierkram. In unserer Umgebung gibts lediglich zwei Landwirte, die einsehen, dass nicht geschossen werden kann, wenn keine freie Sicht ist. (...) Im Dunkeln ist schlecht schießen und man muss sauber ansprechen können. Nachtzielgeräte sind nicht erlaubt – nicht, dass noch eine Sau mit Frischlingen erwischt wird.

 

Dies ist meinem Mann wichtig und dafür liebe ich ihn. Gesetze, unkooperative Landwirte und Forderungen von allen Seiten machen es den Jägern wirklich sehr schwer – und zu allem Übel werden sie oft auch noch als Tiermörder bezeichnet. Es gibt doch viele Jäger, warum verändert sich nicht was? Die haben doch eine Lobby.

 

Klaudia Hund,

37688 Beverungen-Amelunxen

Aktiv nur für Mitglieder!

Bitte melden Sie sich an, oder werden Sie Mitglied.