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RWJ 06/2019: Landesjägertag 2019 in Münster

Westfälischer Aufbruch

Der diesjährige Landesjägertag setzte wichtige Signale „zwischen den Zeiten“ – in die Freude über das gelungene Jagdgesetz mischte sich die Erkenntnis, mit der anstehenden Umsetzung des neuen Jagdbeitrages ab 2021 noch eine wahre Mammutaufgabe vor der Brust zu haben – aber Bangemachen gilt nicht !

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Landesjägertag 2019 in Münster.

Angesichts jagdpolitisch eher ruhigerer Zeiten war es bemerkenswert, dass über 800 Teilnehmer zum Landesjägertag in die Halle Münsterland gekommen waren. Umweltministerin Ursula Heinen-Esser betonte, dass sie gerne unter Jägern sei. Sie wünsche sich einen besseren Rahmen der Bundesgesetzgebung, damit in den Ländern weniger „Spielchen“ mit Jagd und Jägern getrieben werden könnten, richtete sie einen Appell an LJV-Vizepräsident Hans-Jürgen Thies MdB. Ihren ausdrücklichen Dank an ihre Vorgängerin Christina Schulze Föcking zum Gelingen des neuen Landesjagdgesetzes verband sie mit dem Wunsch, in Zukunft besser mit Natur- und Umweltverbänden zusammenzuarbeiten – das neue LJG sei genau dafür ein Angebot.

 

Zur aktuellen Diskussion um den Wolf würde sie es begrüßen, wenn man die Probleme im Naturschutz- und nicht im Jagdrecht regeln würde. Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe sorgte für ein echtes Ausrufezeichen, als er ankündigte, gemeinsam mit der Ministerin zur Jägerprüfung anzutreten! In seinem Grußwort verwies er auf das weltweite Artensterben und war sich sehr sicher, dass der Erhalt der Kulturlandschaft und ihrer Artenvielfalt ohne Jäger nicht gelingen werde. Der westfälische Bauernpräsident Johannes Röring MdB manifestierte zu Beginn seines Grußwortes die Bedeutung der Jagd als Eigentumsrecht und mahnte mit Blick auf derzeitige Forderungen vom „linken Rand“ der Berliner Politik: „Enteignungen passen nicht zu unserer modernen Volkswirtschaft!“

 

Er ermunterte die Jäger, angesichts der nach wie vor drohenden ASP bei der Reduktion des Schwarzwildes nicht locker zu lassen. Röring setzte sich dafür ein, das erfolgreiche Hegebeauftragter-Projekt unbedingt fortzuführen, und zwar für ganz NRW. Max Frhr. v. Elverfeldt (Vors. der Familienbetriebe Land und Forst) hatte für sein Grußwort einen Hut dabei – um ihn symbolisch vor dem Jagdverband zu ziehen: In einer starken Gemeinschaft aller Landnutzer habe man eine Jagdwende in NRW geschafft, für die er sehr dankbar sei. Im Gegensatz zur Umweltministerin setze er sich für den Wolf im Jagdrecht ein.

 

Müller-Schallenberg: „Jäger stellen sich der Verantwortung“

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Gute Laune bei den Motoren und Umsetzern des neuen Landesjagdgesetzes – Umwelt­ministerin Ursula Heinen-Esser mit Jägerpräsident Ralph Müller-Schallenberg und ihrer Vorgängerin Christina Schulze Föcking beim Landesjägertag.

LJV-Präsident Ralph Müller-Schallenberg gab den Dank an die beteiligten Mitkämpfer zurück, die Rückkehr zu einem vernünftigen, praxis-orientierten Jagdrecht sei nur gemeinsam möglich gewesen. Mit Blick in die Zukunft warb er für den Einstieg in ein geregeltes Wolfsmanagement, wie es das „Aktionsbündnis Forum Natur“ vorschlage. Ohne Jäger werde dies sicher nicht funktionieren, das derzeitige Motto der Politik „Zäunchen und Zahlen“ reiche angesichts der stark wachsenden Wolfs-Population (noch nicht in NRW) eben nicht länger aus. In Sachsen und anderen Bundesländern deute sich an, dass durch die berechtigte Sorge der Landbevölkerung das Thema Wolf sogar Wahlen entscheiden könne – sicher ein Grund dafür, warum Kanzlerin Merkel den Vorgang zur Chefsache erklärt habe.

 

Sowohl auf dem Landesjägertag wie auch der Mitgliederversammlung machte Müller-Schallenberg deutlich, dass sich der Landesjagdverband angesichts des Wegfalls der staatlich erhobenen Jagdabgabe keinesfalls wegducken werde. Für überregional bedeutende Aufgaben wie die Ertüchtigung jagdlich genutzter Schießstände, bestehe auch in Zukunft erheblicher Finanzbedarf. Wenn diese Mittel nicht mehr vom Staat erhoben würden, werde sich der LJV der Verantwortung stellen, diese Beiträge ab 2021 selbst zu erheben.

 


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Mitgliederversammlung

Zu Beginn der Mitgliederversammlung überbrachte Dr. Markus Pieper MdEP Grüße aus dem Europaparlament. Trotz etlicher Kritik an der „Brüsseler Bürokratie“ erinnerte er daran, dass die fraktionsübergreifende Intergroup Jagd dafür gesorgt habe, dass rund um die Themen Waffen und Jagd Extrempositionen abgewendet werden konnten. Er sei sich sehr sicher, dass dies auch zum Wolf gelingen werde, und ermunterte gerade die Jäger, an der Europawahl auf jeden Fall teilzunehmen. LJV-Schatzmeister Dr. Peter Bottermann erläuterte das umfangreiche Zahlenwerk in gewohnt komprimierter Form. Die LJV-Bilanz wies Ende 2018 eine Summe von rund 2,4 Mio. Euro aus (2017: 2,2 Mio.), das wirtschaftliche Ergebnis lag bei rund 361.000 Euro. Die Versammlung genehmigte diesen erfreulichen Jahresabschluss denn auch mit 100 Prozent der abgegebenen Stimmen – ein Ergebnis, was den LJV-Präsident schmunzeln ließ („wie bei chinesischen Parteitagen“).

 

Mit Blick auf den Haushalt 2020 werden sich allerdings Sorgen verdichten: Angesichts fehlender Zuschüsse aus der Jagdabgabe (etwa 700 000 € weniger) wird für das kommende Jahr ein Minus eingeplant – was für den Schatzmeister „für ein Jahr“ angesichts der guten Haushaltslage auch hinzunehmen sei. Vor diesem Hintergrund schlug er der Versammlung vor, mit einem gleich bleibenden LJV-Mitgliedsbeitrag (58 €) in das nächste Jahr zu gehen. Auch dieser Vorschlag fand eine überzeugende Mehrheit (99,99 %) der abgegebenen Stimmen. Anschließend standen zwei Anträge auf Satzungsänderung zur Abstimmung. Der erste, bei dem es um eine Kontrolle des LJV-Präsidiums in Fragen der KJSSatzungen ging, wurde zurückgezogen.

 

Beim zweiten ging es um geheime Wahlen: Abweichend von der LJV-Satzung (Art. 12), die dafür ein Quorum von 20 Prozent der Anwesenden fordert, sollte geheim gewählt werden, wenn auch nur ein Einziger dies fordere – was mit 99,95 Prozent aller Stimmen abgelehnt wurde. Im Mittelpunkt stand dann die Diskussion um die Einführung eines sog. Jagdbeitrages ab 2021. Um die dafür benötigten Mittel bereitstellen zu können, sei im LJV auf allen Ebenen noch eine intensive Diskussion nötig, für die man sich auch die kommenden Monate Zeit nehmen werde, so der Jägerpräsident. Im Mittelpunkt sich schon jetzt abzeichnender Probleme stünden LJV-Mitglieder ohne Jagdschein wie Jugendliche in Bläsergruppen oder ältere Mitglieder, die keinen Jagdschein mehr lösen – aber auch eine große Gruppe (rund 25 000), die zwar in NRW einen Jagdschein löse, ab kein LJV-Mitglied sei – ein Zustand, den Ralph Müller-Schallenberg als „unerträglich“ bezeichnete.

 

Im Mittelpunkt aller Bemühungen müsse daher stehen, die Zahl der Mitglieder zu erhöhen – und nicht die Austritte Einzelner in den Fokus zu stellen, die man sowieso nicht verhindern könne. In der Diskussion wurde die Sorge deutlich, die anstehende Aufgabe könne für den LJV zur Zerreißprobe werden. Sowohl der Präsident als auch Hauptgeschäftsführer Christof Marpmann verdeutlichten, die Zukunft der jagdlichen Schießanlagen sei eine Schicksalsfrage für Kreisjägerschaften und Hegeringe, deren sichere Finanzierung sei daher ohne Alternative. Aus der Versammlung wurde darum gebeten, die Frage einer „Familien- Mitgliedschaft“ erneut zu prüfen. Der Landesjägertag 2020 in Düsseldorf dürfte damit nicht nur wegen der anstehenden Präsidiumswahlen spannend werden.

 

Matthias Kruse

 

 


Ehrungen

Auf der LJV-Mitgliederversammlung 2019 wurden folgende Mitglieder für besondere Verdienste geehrt:

 

LJV-Verdienstnadel Gold
Bernd Kurth COE
Heinz Stüttgen D
Friedhelm Röttgen, Dieter Rogoll, Heinz-Jürgen Welbers E
Uwe Benner, Jürgen Koppert, Peter Schrage HA
August Watermann MK
Karl-Josef Fischer OE

 

Rüdemann-Plakette Gold
Rainer Dahm GL

 


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