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RWJ 03/2021: Nachtsichttechnik am Zielfernrohr

Was ist in NRW erlaubt?

Seit dem 30. Januar ist unter bestimmten Voraussetzungen auch in NRW der Einsatz von Nachtsichttechnik an Schusswaffen zur Jagd auf Sauen erlaubt. Der LJV erläutert dazu Hintergründe und Einschränkungen.

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Ab dem 30. Januar dürfen auch in NRW Dual-Use-Geräte auf Restlichtbasis zur Saujagd eingesetzt werden.

Der LJV hat über den Einsatz von Nachtsichttechnik bei der nächtlichen Schussabgabe in seinen Gremien lange diskutiert und seine Positionierung ausführlich erörtert, da die Haltung dazu unter Jägern verschieden ist. Schließlich hat sich der LJV, besonders unter den Aspekten der ASP-Prophylaxe, dafür ausgesprochen, eine jagdrechtliche Regelung auch in NRW zu fordern. Diese sollte gemäß den aktuellen waffenrechtlichen Möglichkeiten auch den Einsatz zulässiger Wärmebildgeräte und die Möglichkeit, diese Technik bei der Pirsch einzusetzen, umfassen.

 

Mit Inkrafttreten einer Änderung der ASP-Jagdverordnung NRW am 30.1. 2021 kam das Land NRW dieser Forderung in Teilen nach, indem es in bestimmtem Umfang den Einsatz künstlicher Lichtquellen und Nachtsichtgeräte zur Bejagung von Schwarzwild zulässt. Dies war der schnellste Weg, notwendige jagdrechtliche Regelungen zum Einsatz dieser Technik zu treffen, hatte aber auch zur Folge, dass die Regelungen nur für die Bejagung des Schwarzwildes gelten konnten. Der neue § 2 der ASP-Jagdverordnung NRW lautet wie folgt:

 

§ 2 Maßnahmen zur Prävention gegen die Afrikanische Schweinepest

 

Abweichend von § 19 Abs. 1 Nr 5 Buchstabe a des Bundesjagdgesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 29. September 1976 (BGBl. I S. 2849), das zuletzt durch Artikel 291 der Verordnung vom 19. Juni 2020 (BGBl. I S. 1328) geändert worden ist, ist die Verwendung von künstlichen Lichtquellen sowie von Nachtsichtaufsätzen und Nachtsichtvorsätzen (Dual-Use-Geräte) für Zielfernrohre, die eine elektronische Verstärkung besitzen, für die Bejagung von Sauen zulässig. Waffenrechtliche Bestimmungen sind zu beachten und bleiben von dieser Regelung unberührt. Eine Schussabgabe ist nur von erhöhten Ansitzen und auf eine maximale Distanz von 100 m zulässig.

 

Die Landesregierung begründet die Einführung dieser Regelung und darin getroffener Einschränkungen gegenüber den Regelungen des Waffengesetzes und den jagdrechtlichen Vorgaben anderer Bundesländer in der Sache wie folgt:

 

„Gemäß Landtagsbeschluss vom 27. 11. 2020 Drucksache 17/11846 soll die Zulassung von Nachtzielgeräten und künstlichen Lichtquellen für die Jagd analog zu anderen Bundesländern auf dem Verordnungsweg schnell und rechtssicher umgesetzt werden. Zu diesem Zwecke wird die Verordnung über die Anwendung besonderer jagdlicher Maßnahmen zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest ergänzt.

 

Durch das Auftreten der ASP in Brandenburg und Sachsen ist es notwendig geworden, die Präventionsmaßnahmen zur Abwehr der ASP zu verstärken. Dazu zählt auch die Zulassung künstlicher Lichtquellen und von Nachtsichtgeräten zur verstärkten Bejagung von Wildschweinen. Eine verstärkte Bejagung, verbunden mit einer Reduktion der Bestände, kann zu einer deutlichen Absenkung der Infektionsgefahr beitragen.

 

Durch die Erweiterung der ASPJagdverordnung werden künstliche Lichtquellen sowie Nachtsichtvor- und -aufsätze, die Restlicht verstärken und ohne eigene Montageeinrichtung mittels Adapter an Zielfernrohren befestigt werden (Dual-Use-Geräte), zur Bejagung von Wildschweinen ... im Rahmen der gültigen waffenrechtlichen Regelungen zugelassen. Demnach ist die Verbindung von künstlichen Lichtquellen und Infrarotstrahlern mit der Schusswaffe zurzeit noch nicht zulässig.

 

Künstliche Lichtquellen sowie Nachtsichtvor- und -aufsätze für Zielfernrohre werden zur Bejagung von Wildschweinen durch alle Jäger mit gültigem Jagdschein ... zugelassen (WaffGes § 40 Abs. 3 i.V.m Anl. 2 Abschnitt 1 Nr 1.2.4.2). Da im Umgang mit Nachtsichtgeräten bei der Jagdausübung nur wenig Erfahrung vorliegt, muss besonders NRW mit seiner dichten Besiedlung auf Sicherheitsaspekte achten. Nachtsichtgeräte mit Bildwandler wandeln das für Menschen nicht sichtbare Infrarotlicht in sichtbares Licht um (Wärmebild). Diese künstlichen Bilder können ... eine trügerische Sicherheit vortäuschen, die Hindernisse im Vordergelände oder nicht ausreichenden Kugelfang im Hintergelände nicht hinreichend bestimmt erkennen lassen. Diese Geräte eignen sich hervorragend zur Lokalisierung und Identifizierung von Wild, aber nicht für die Schussabgabe im dicht besiedelten Raum. Zur Eindämmung möglicher Gefahren werden Geräte mit Bildumwandler für die Schussabgabe daher nicht zugelassen.

 

Zur Erhaltung der Sicherheit wird die Schussabgabe begrenzt und ist nur von erhöhten Ansitzen aus und auf eine max. Distanz von 100 m zulässig.

 

Die Verwendung künstlicher Lichtquellen und Infrarotstrahler ist aufgrund der waffenrechtlichen Beschränkung derzeit nur zulässig, wenn sie nicht mit der Schusswaffe verbunden werden.“

 

 

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Was darf man – und was nicht?

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Die Montage von IR-Aufhellern direkt an Optik oder Waffe ist leider nicht erlaubt.

Taschenlampen oder Infrarotstrahler dürfen wegen der waffenrechtlichen Regelungen nicht mit Waffe oder Zielfernrohr verbunden werden.

 

Sauen darf man nur damit anleuchten, wenn sie etwa auf einem separaten, von der Waffe getrennten Stativ oder am Ansitz befestigt werden.

 

Geräte, die auf Wärmebildtechnik basieren sowie digitale, restlichtverstärkende Nachtsichtgeräte mit Bildwandlern, sind für die Schussabgabe verboten.

 

Nachtsichtvor- und -aufsätze, die das Bild mit einer elektronischen Verstärkung aufhellen, dürfen auch zur Schussabgabe eingesetzt werden. Auch diese dürfen keine an- oder eingebauten Infrarotstrahler haben – selbst, wenn diese nicht eingeschaltet werden.

 

Nachtsichtvor-/-aufsätze dürfen nur mit Adaptern am Zielfernrohr montiert werden. Geräte mit eigener Montageeinrichtung oder integriertem Absehen sind unzulässig.

 

Der Einsatz dieser Technik ist allein zur Bejagung von Sauen, also nicht auf Raubwild zulässig. Auch das Nachtjagdverbot auf die übrigen Wildarten gilt weiter.

 

Die Schussabgabe mit der zulässigen Technik ist nur von erhöhten Ansitzeinrichtungen auf eine maximale Distanz von 100 m zulässig.

 

Die Schussabgabe mit dieser Technik beim Pirschen ist unzulässig.

 

 


Wie es weitergeht

Die bald erwartete Änderung des Bundesjagdgesetzes wird auch in Sachen Nachtsichttechnik Regelungen treffen. Darin sollen auch weitere, bis jetzt in NRW nicht zulässige Nachtsichtvor-/-aufsätze sowie der Einsatz von Infrarotstrahlern und anderen künstlichen Lichtquellen in Verbindung mit der Waffe zugelassen werden. Auch die Erlegung invasiver Arten wie Waschbär und Marderhund mit zulässiger Nachtsichttechnik sollen dann ermöglicht werden. Diese Änderung im Bundesjagdgesetz wird dann auch in NRW für eine weitere Änderung der Rechtslage sorgen können.

 

 


Was ist eigentlich ...

Kleines Nachtsicht-ABC

Infrarotstrahler geben für das Auge unsichtbares Infrarotlicht ab. Dieses wird von angestrahlten Objekten reflektiert, von bestimmten restlichtverstärkenden Nachtsichtgeräten erkannt und in ein sichtbares Bild umgewandelt. Sie ermöglichen so die Aufhellung des Bildes.

 

Restlichtverstärker ermöglichen die Nachtsicht, indem sie das wenige nachts sichtbare Licht zur Aufhellung des Bildes verstärken oder Infrarotlicht in sichtbares Licht umwandeln.

 

Wärmebildgeräte erfassen die etwa von Wildkörpern ausgehende Wärmestrahlung und wandeln diese in ein Bild um.

 

Nachtsichtaufsatz-/-vorsatzgeräte befestigt man mit Adaptern hinter dem Okular bzw. vor dem Objektiv eines Zielfernrohrs.

 

Dual-Use-Geräte sind Restlichtverstärker oder Wärmebildgeräte, die man sowohl zur reinen Beobachtung sowie in Verbindung mit einem Zielfernrohr auch zur Schussabgabe benutzen kann.


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