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RWJ 04/2019: Am 21. Februar verabschiedet, seit 13. März in Kraft

Was bringt das neue Landesjagdgesetz?

Seit dem 13. März gelten mit dem neuen Landesjagdgesetz für Jäger zwischen Rhein und Weser erfreuliche Korrekturen – für eine praxisgerechtere Jagd.

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Zur effektiven Bejagung von Tauben und Krähen sind ab sofort auch wieder sog. Karusselle erlaubt.

Zum Tierartenkatalog gehören Rot-, Dam-, Sika-, Reh-, Muffel- sowie Schwarzwild, Feldhase, Wildkaninchen, Wildkatze, Baummarder, Steinmarder, Iltis, Hermelin, Mauswiesel, Dachs, Fischotter, Fuchs, Mink, Waschbär und Marderhund (Haarwild). Unter Federwild fallen derzeit Reb- und Haselhuhn, Fasan, Wachtel, Wildtruthahn, Ringel-, Hohl-, Türken-, Turteltaube, Grau-, Schnee-, Kanada-, Weißwangen-, Nil-, Brand- u. Rostgans, Stock-, Braut-, Mandarin-, Schnatter-, Krick-, Knäck-, Löffel-, Kolben-, Tafel- u. Reiherente, Gänsesäger, Blässhuhn, Höckerschwan, Waldschnepfe, Lach-, Schwarzkopf-, Sturm-, Silber-, Mittelmeer- u. Heringsmöwe, Haubentaucher, Graureiher, Wespen- u. Mäusebussard, Wiesen- u. Rohrweihe, Habicht, Sperber, Rot-, Schwarzmilan, Baum-, Wander- u. Turmfalke, Rabenkrähe, Elster und Kolkrabe.

Jagd- und Schonzeiten: Da die Jagdzeitenverordnung zum Redaktionsschluss leider noch nicht veröffentlicht wurde, folgt eine Jahresübersicht der gültigen Jagdzeiten in NRW im Mai-RWJ. Neue Jagdpachtverträge müssen grundsätzlich wieder auf mind. 9 Jahre abgeschlossen werden, eine Absenkung bis auf 5 Jahre ist nur zulässig, wenn sonst keine Pacht zustande kommt oder eine kürzere Laufzeit wegen besonderer Gefährdung durch Wildschäden nötig ist.

 

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Einen Schießnachweis für Bewegungsjagden wird es weiter geben – allerdings als reinen Übungsnachweis. Jedenfalls solange, bis es keine bundeseinheitliche Regelung gibt.

Möchte ein Jagdgenosse selbst pachten, ist er berechtigt, in der Genossenschaftsversammlung an Abstimmungen über die Vergabe und Verlängerung der Jagdpacht teilzunehmen. Sollte er auch im Vorstand der Jagdgenossenschaft sein, kann er an Verträgen mit sich selbst aber nicht mitwirken. Zur Teilnahme an Bewegungsjagden ist statt eines Leistungsnachweises nun ein Schießübungsnachweis erforderlich. Dazu sind wie bisher laufender und stehender Keiler stehend freihändig sowie der stehende Keiler sitzend aufgelegt zu schießen. Simulationen (Laser-Kinos) erfüllen nicht die Bedingungen für den Schießübungsnachweis.

 

Bleihaltige Büchsenmunition bis 5,6 mm/.22 zur Jagd bleibt zulässig. Die Jagdausübung in Naturschutz-, FFH- u. Vogelschutzgebieten ist im Einvernehmen mit der Unteren Jagdbehörde zu regeln. Entschädigungen für jagdl. Beschränkungen des Eigentums bleiben erhalten. Baujagd ist uneingeschränkt zulässig (verboten nur auf Dachse im Naturbau). Fallen zum Lebendfang müssen mit einem elektronischen Meldesystem mit Statusmeldung ausgestattet sein (Ausnahme Funkloch). Wird die Statusmeldung jeden Morgen und Abend übermittelt, brauchen Lebendfangfallen nicht täglich kontrolliert zu werden.

 


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Die Bejagung von Füchsen am Naturbau ist ab sofort wieder zulässig.

Zur Ausbildung/Prüfung von Jagdhunden sind flugfähige und -unfähige (max. 15 Min.) Stockenten erlaubt. Die Ausbildung im Schwarzwildgatter dient der Auswahl und Einarbeitung brauchbarer Jagdhunde zur Stöberarbeit auf Sauen (gilt nicht als Abrichtung an lebenden Tieren/§ 3 Nr. 7 Tierschutzgesetz).

 

Zur Jagd auf Waldschnepfen sind wieder brauchbare Jagdhunde zu verwenden. Zur Lösung eines Jagdscheins ist keine Jagdabgabe (jährlich 45 €) mehr zu zahlen. Aussetzen von heimischem Feder- oder Haarwild (außer Schalenwild): Der Unteren Jagdbehörde ist bis eine Woche nach dem Aussetzen Art, Geschlecht und Anzahl des ausgesetzten Wildes anzuzeigen. Es ist verboten, Fasanen und Stockenten später als 8 Wochen vor Beginn der Jagdausübung auszusetzen. Kirrungen müssen der Unteren Jagdbehörde angezeigt werden – durch Lagepläne (1 : 5 000/10 000) oder im WGS 84 Koordinatensystem (max. Kirrmenge: 1 l). Die notzeit-unabhängige Fütterung von Schalenwild ist vom 15. Dezember bis 30. April zulässig. Es bleibt verboten, Rehe außerhalb von Notzeiten zu füttern (außer zur Gewöhnung mit kräuterreichem Grasheu). Schalenwild darf 300 m um Fütterungen nicht erlegt werden.

 


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Zur effektiven Bejagung von Tauben und Krähen sind ab sofort auch wieder sog. Karusselle erlaubt.

Es bleibt verboten, tierisches Protein (auch in Mischfuttermitteln) an Wild zu verfüttern oder zum Kirren einzusetzen. Davon ausgenommen sind für Nicht- Wiederkäuer: Insekten, Hühnereier, Fallwild/ Aufbrüche aus dem Jagdbezirk (keine Sauen, nur ohne Krankheitszeichen) sowie Körper von Nutria und Bisam. Die Lockjagd auf Rabenkrähen mit mehr als vier Personen ist zulässig. Zum Anlocken sind Tauben- o. Krähen-Karussells mit Attrappen erlaubt. Auf Verlangen ist der Unteren Jagdbehörde bei erlegtem Rot-, Dam-, Muffelund Sikawild ein körperlicher Nachweis zu erbringen. Dazu kann eine allgemeine Hegeschau (inkl. körperlicher Nachweis) angeordnet werden.

 

 


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Wenn Lebendfangfallen mit elektronischen Fangmeldern ausgestattet sind, entfällt die Vorgabe der zweimal täglichen Kontrolle.

In Rotwildgebieten bestellt die Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung ehrenamtliche Rotwildsachverständige, Abschusspläne sind u. a. zu bestätigen, wenn diese dort ins Benehmen gesetzt wurden. Als Vereinigung der Jäger kann anerkannt werden, wem mind. fünf Prozent der Jagdscheininhaber in NRW angehören (Revierjäger auch ohne Mindestquote). Jägerprüfungsausschussmitglieder sucht die Untere Jagdbehörde nach pflichtgemäßem Ermessen selbst aus, die fachliche Qualifikation dazu wird durch Teilnahme an Fortbildungen nachgewiesen. Bestellte Ausschussmitglieder, die aufgrund der bisherigen Gesetzeslage entsandt sind, bleiben bis zum Ende der vorgesehenen Bestellung Mitglied des Prüfungsausschusses.

 

Der Katalog der Prüfungsfragen wird nicht mehr auf 500 beschränkt. Abweichend von § 21 II S. 1 BJG darf Schalenwild in NRW im Freigebiet ohne Abschussplan erlegt werden. Der Arnsberger Wald gilt für Sikawild als anerkanntes Verbreitungsgebiet. Nach Landesforstgesetz ist das Betreten aller jagdlichen Einrichtungen durch Unbefugte verboten. Landesnaturschutzgesetz: Zur Sicherung europäischer Vogelschutzgebiete ist es verboten, während der Brutzeit (1. März bis 31. Juli) Hunde unangeleint zu lassen (außer Gebrauchshunde in Verwendung).

 

Klaudia Hugenberg

Rechtsanwältin/Notarin, Justiziarin LJV NRW


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