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RWJ 07/2018: Bundesjägertag in Bremen

Artenschutz klappt nur mit Jagd

In Bremen setzen Jäger und Naturschützer gemeinsam ein Projekt zum Schutz von Bodenbrütern um. Der Erfolg zeigt, dass es ohne Prädatorenjagd nicht geht.

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Marcus Henke von der Landesjägerschaft Bremen erläutert anhand der Statistik, dass der Brut­erfolg erst mit der flan­kierenden Jagd auf Fress­feinde einsetzte.

Der Bundesjägertag begann nicht im Saal eines Kongresszentrums, sondern dort, wo sich Jäger am wohlsten fühlen – in der Natur. Vor den offiziellen Tagungen hatte das Team der DJV-Geschäftsstelle mit Bremer Jägern und Ehrenamtlichen des BUND eine beeindrucken de Exkursion in das Landschaftsschutzgebiet „Bremer Blockland“ organisiert. Die 3 000 ha umfassenden Polderflächen werden als Grünland bewirtschaftet. Im Winter wird das Wasser angestaut, im Sommer werden alle Flächen als Grünland genutzt. In diesem bedeutenden Wiesenvogelschutzgebiet Norddeutschlands arbeiten Jäger, Landwirte, Behörden und der BUND in einer einzigartigen Kooperation gemeinsam für den Artenschutz, besonders den Schutz seltener Bodenbrüter. Maßgeblicher Schlüssel des Erfolgs – intensive Bejagung der Prädatoren seltener und geschützter Arten. Die Kombination von lebensraumverbessernden Maßnahmen und Fuchsbejagung – vor allem mit der Kastenfalle – ist erfolgreich.

 

Das Projekt läuft seit 2004, aber erst, seit die Landesjägerschaft (LJS) Bremen 10 Jahre danach ehrenamtlich mit dem Prädatorenmanagement begann, kommt das Potenzial der Lebensraummaßnahmen zum Tragen. LJS-Vize Marcus Henke: „Wenn der BUND in den Flächen Kükenverluste bemerkt, ist der Draht zu den Jägern sehr kurz. Diese handeln schnell und das Management greift.“ Mehr Jungvögel von Brachvogel, Kiebitz, oder Uferschnepfe überleben. Der Bruterfolg steigt nachweislich an, die Zahl der Brutvögel hat sich seit 2013 verdoppelt. Fangjagd ist ein elementarer Schlüssel zur effektiven Reduktion von Fressfeinden. Die Besenderung ermöglicht Rückschlüsse auf den genutzten Lebensraum der Füchse. Auf dieser Grundlage konnten mehr als 40 Fallen zielgerichtet aufgestellt werden. In den Folgejahren verfeinerten die Jäger mit wissenschaftlichen Methoden unter Beteiligung der Tierärztlichen Hochschule Hannover ihre Maßnahmen. So liefern Wildkameras und Sendehalsbänder wichtige Informationen zum Verhalten der Füchse im Blockland.

 

Hand in Hand

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Das Blockland ist ein bedeutendes Schutz­gebiet für Wiesenvögel in Norddeutsch­land, die Kooperation von Landesjäger­schaft und BUND ist vorbildlich.

Der Bruterfolg des großen Brachvogels stieg so von 2013 (10 Brutpaare) bis 2017 (50 Brutpaare) um 500 Prozent (!) an. Die Aufgaben sind klar verteilt: - Der BUND Bremen gestaltet den Lebensraum durch Absprache der Mahdtermine mit den Landwirten und führt regelmäßig Zählungen durch. - Die Bremer Jäger sind für das Prädatorenmanagement zuständig. 2018 konnten die Naturschützer beim Kiebitz 350 Brutpaare bestätigen. Aber auch Niederwild profitiert von den Maßnahmen: Die Landwirte beobachten Szenen „wie vor 20 Jahren“, Fasan und Hase sind flächendeckend zurück. Marcus Henke: „Der BUND Bremen macht im Wiesenvogelschutz hervorragende Arbeit. In unserem Projekt ist er für ‚schöner Wohnen‘ zuständig. Wir machen ‚nicht gefressen werden‘. Zusammen sorgen wir für Artenvielfalt. Haubenlerche und Flussseeschwalbe sind zurück im Bremer Blockland.“ Arno Schoppenhorst vom BUND Bremen stellt klar, dass man unvorbelastet an die Jäger herangetreten sei. Natürlich gebe es unterschiedliche Positionen, aber eben auch eine nicht zu vernachlässigende Schnittmenge.


Kommentar

GInge auch hier

Während in NRW NABU-Chef Josef Tumbrinck den Zusammenhang zwischen der Erholung von Bodenbrütern und effektiver Prädatorenkontrolle konsequent leugnet, arbeiten Naturschützer und Jäger an der Küste seit Jahren erfolgreich Hand in Hand. Auch in unserem Land wünsche ich mir in der Führungsebene von Naturschutzverbänden mehr Pragmatismus und weniger Kalkül. Denn auf lokaler Ebene klappt die Zusammenarbeit zwischen Jägern und Naturschützern häufig schon sehr gut. So überrascht etwa die Position des NABU im Kreis Olpe zu streunenden Katzen. Statt diese einzufangen, kastrieren und freizulassen, fordert der örtliche NABUChef Franz-Josef Göddecke: „Das ist keine Lösung. Entweder sollte man sie kastriert vermitteln. Wenn das nicht möglich ist, muss man sie der Natur entnehmen. Sprich einschläfern.“ Nehmen wir uns also ein Beispiel an unseren hanseatischen Freunden und lassen die ideologischen Kämpfe hinter uns – zum Wohle „aller“ wildlebenden Tiere.

 

Felix Höltmann


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