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RWJ 07/2018: Landesjägertag 2018 in Köln

„Rechnen Sie weiter mit uns!“

Im geschichtsträchtigen Gürzenich hielt der LJV seine wichtigste Versammlung ab. Auch wenn die politischen Rahmenbedingungen besser sind als noch vor Monaten, gab LJV-Präsident Ralph Müller-Schallenberg die Devise aus, weiter wachsam zu bleiben und für die Interessen der Jäger einzustehen.

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Fotos (3): RWJ/F. Höltmann

Bekanntermaßen einen gemeinsame Gegner Organisationen weit stärker als alle sonstigen Gemeinsamkeiten. Diesen Gedanken griff auch Max v. Elverfeldt, Vorsitzender der Familienbetriebe Land und Forst, in seinem Grußwort auf. Ex-Minister Remmel habe Jäger und Landnutzer durch seine Politik erst so richtig verschweißt. Diese Mobilisierung des ländlichen Raums habe ihren Teil zum Politikwechsel in NRW beigetragen. Die jetzige politische Großwetterlage zwischen Rhein und Weser sei deutlich günstiger als noch vor Monaten. Beim Entwurf für ein neues Jagdrecht stimme die grobe Richtung. Das sah auch LJVPräsident Ralph Müller-Schallenberg so. „Jäger erwarten keine Geschenke, sondern Entscheidungen, die sich an der Praxis orientieren.“ Für das neue Landesjagdgesetz wünscht er sich auch die Unterstützung der SPD, denn es wäre ein Armutszeugnis, wenn als einzige Oppositionspartei die AfD einem Entwurf von CDU und FDP zustimmen würde.

 

Als größte Herausforderung nannte Müller-Schallenberg die Afrikanische Schweinepest – wenn die Seuche komme, seien Tausende Existenzen in der Landwirtschaft bedroht. Er machte deutlich, dass Jäger ihrer Verantwortung gerecht würden und Sauen intensiver bejagten als je zuvor. Dabei stünde der Eingriff in die Jugendklasse im Vordergrund. Er machte aber auch unmissverständlich klar, dass scharfe Bejagung keinen Abschied von jagdethischen Grundsätzen bedeute. Unter kräftigem Applaus der Mitglieder unterstrich der LJV-Präsident, dass etwa der Muttertierschutz weiter gelte. Pauschalforderungen aus der Landwirtschaft, wonach 70 Prozent der Sauenbestände zu eleminieren seien, erteilte er eine Absage. Gleichzeitig dankte er dem Rheinischen Bauernpräsidenten Bernhard Conzen für dessen Ankündigung, Landwirte würden zukünftig vermehrt Jagdschneisen anlegen.

 

Wölfte töten – nicht ohne Jäger

Angesichts der Rückkehr des Wolfes betonte Müller-Schallenberg, dass der große Räuber für bundeseinheitliche Managementpläne ins Bundesjagdrecht gehöre. Wenn zukünftig tatsächlich Wölfe getötet werden müssten, sollten Jäger diese Aufgabe übernehmen, nur sie hätten das dazu nötige Wissen, die Fähigkeiten und entsprechende Ausrüstung. „Nur wir kennen uns aus und können handeln, bewaffnete Eingreiftrupps der Behörden lehnen wir ab“, rief Müller- Schallenberg unter lautem Beifall der Versammlung.

 


Verantwortung statt Verbote

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Staatssekretär Dr. Heinrich Bottermann versprach zum neuen Jagdgesetz mehr Verantwortung statt Verbote.

Staatssekretär Dr. Heinrich Bottermann vertrat Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser. Sie war auf dem parallel stattfindenden CDU-Landesparteitag in Bielefeld und hatte sich mit einer Grußbotschaft an die Jäger gewandt. Bottermann erinnerte daran, dass 120 000 Unterschriften gegen das sog. „ökologische“ Jagdgesetz ein Weckruf aus der Mitte der Gesellschaft gewesen seien. Im neuen Landesjagdgesetz solle die Zahl der jagdbaren Arten deutlich erhöht werden, auch wenn darunter viele ganzjährig geschützt blieben. Möglichst viele Arten sollten aber von der Verantwortung der Jäger profitieren. Darüber hinaus würden Schonzeiten unter Berücksichtigung von Jagdpraxis und Wildbiologie angepasst. Generell sei es besser, auf Eigenverantwortung statt auf Regelungen zu setzen. So solle etwa die Waldschnepfe wieder eine Jagdzeit bekommen. Dann können die Jäger entscheiden, ob sie zur Flinte greifen oder nicht. Um Bodenbrüter besser zu schützen, werde das generelle Baujagdverbot abgeschafft.

 


Schießnachweis – Übung statt Leistung

Vor der Drückjagd soll jeder Jäger mindestens einmal auf dem Schießstand gewesen sein. Eine Prüfung mit festgelegten Kriterien sei aber übertrieben, weswegen stattdessen ein Übungsnachweis kommen werde. Auch diese Idee quittierten die Zuhörer mit Applaus. Weitere geplante Änderungen seien die Erhöhung der Kirrmenge auf einen Liter, die Möglichkeit, Rebhühner oder Fasane eigenverantwortlich auszusetzen und die Ausweitung des Betretungsverbots für alle jagdlichen Einrichtungen. Bei der Wiedereinführung von Hunde- Prüfungen an vorübergehend flugunfähigen Enten (sog. „Müller-Ente“) suche man mit anderen Ländern nach einer möglichst bundeseinheitlichen Regelung, um den derzeitigen „Prüfungstourismus“ zu beenden. Angesichts der Afrikanischen Schweinepest erklärte der Staatssekretär, dass man im Ministerium dankbar dafür sei, dass sich die Sauenstrecke noch einmal erhöht habe. Man könne sich auf die Jäger verlassen, denn „da wird nicht nur geredet, sondern auch gehandelt.“ LJV-Präsident Müller-Schallenberg will die neue Umweltministerin sobald wie möglich treffen, um sicherzustellen, dass auch die Nachfolgerin von Christina Schulze Föcking hinter den nötigen Änderungen am Landesjagdgesetz steht.

 


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Landeshegeschau

Dr. Michael Petrak (Forschungsstelle) erläuterte die Ergebnisse der Landeshegeschau. Trophäen seien immer Ergebnis des Zusammenspiels von Habitat, Hege und Bejagung. Da die meisten Menschen wenig Wissen über Wild und Natur hätten, sei es wichtig, solche Zusammenhänge immer wieder zu erläutern. Ansonsten hätten Naturschutz-Vertreter mit ihrer These leichtes Spiel, wonach sich Sauen am besten von alleine regulieren.


Geheime Wahl?

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Mit solch professionellen Geräten wird der Zeitaufwand für Abstimmungen auf der LJV-Hauptversammlung drastisch reduziert – sehr zur Freude der Mitglieder.

In der Mitgliederversammlung ging es um Fragen zur Satzung. Dem Präsidium lag ein Antrag zur grundsätzlichen Beantragung der geheimen Wahl vor. Karl- Heinz Dietz (DU) hatte beantragt, dass schon eine einzelne Stimme für geheime Abstimmungen reichen solle (bisher ein Fünftel der Stimmen nötig). Allerdings war sein Antrag nicht fristgerecht eingereicht worden, sodass nicht darüber entschieden werden konnte. Die Mehrheit der LJV-Mitglieder sprach sich dafür aus, dies 2019 zu diskutieren. Ein weiterer Antrag sah vor, dass Satzungen von Kreisjägerschaften (KJS) nicht mehr vom LJV-Präsidium abgesegnet werden müssen. Schließlich sei jede KJS ein eingetragener Verein. Dem widersprach LJV-Justiziarin Hugenberg: Kreisjägerschaften seien Zweige des Hauptvereins und daher in der Gestaltung der Satzung nicht völlig frei. Es könne nicht sein, dass die Satzung einer KJS der Satzung des LJV widerspreche. Das brächte den ganzen Verband zu Fall. Das Thema soll allgemein verständlich im RWJ dargestellt werden. Die geplante redaktionelle Satzungsänderung wurde nahezu einstimmig angenommen, ebenso wie die Festsetzung des LJV-Beitrags für 2019 (keine Beitragserhöhung).

 


Ehrungen

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Sichtlich gerührt nahm LJV-Chef Ralph Müller-Schallenberg (r.) die Ehrung von Hans-Jürgen Thies und Georg Kurella (m.) entgegen. Foto: LJV

In Köln zeichnete der LJV zudem langjährige, verdiente Mitglieder für ihr Engagement um Wild und Natur aus. Jenseits des offiziellen Protokolls dankten die Vize-Präsidenten Georg Kurella und Hans-Jürgen Thies Ralph Müller-Schallenberg für seinen langjährigen, außergewöhnlichen Einsatz für die Jagd in NRW – und hefteten dem sichtlich überraschten Präsidenten die goldene LJV-Verdienstnadel ans Revers. Der Jäger-Chef dankte den Mitgliedern, die sich zu Standing Ovations erhoben hatten, und versprach, noch so lange zu bleiben, bis „seine Arbeit getan sei“. Anschließend überreichte er dem Schwarzwildexperten und Buchautor Norbert Happ die LJV-Ehrennadel. Der Lernort Natur-Preis blieb am Rhein – die Kölner Jägerschaft wurde für die langjährige Ausrichtung von Waldjugendspielen mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald ausgezeichnet. Dazu werde Gut Leidenhausen, Standort der Jäger, zum Kölner Umweltbildungszentrum ausgebaut. Stellvertretend für alle Lernort-Natur-Aktiven wurden Michael Hund (Vors. Kölner Jäger, LN-Obmann Peter Hess, Gaby Gularek, Eckehard Aden und Peter Schmitz ausgezeichnet. Dazu wurde der Hegering Nordwalde (ST) für das Projekt „Naturpfad für jedermann“ geehrt, LN-Obmann Dieter Lüke nahm die Auszeichnung entgegen. Für die KJS Paderborn freute sich ihr Vorsitzender Berthold Antpöhler über eine Auszeichnung für den Auftritt der Jäger aus OWL auf der Landesgartenschau in Bad Lippspringe. Dort hatte man mit einem aufsehenerregenden Pavillon in Spektiv-Form eine gute Außenwirkung erzielt („der RWJ berichtete“). Für ihr Mitwirken im LJV-Imagefilm „Natur leben, lieben und schützen“ dankte der Verband Anna, Jonne, Olivia und Christian Syrowatka, Uwe Gödde, Nicole Heitzig, Ansgar Wulf, Anna Fischer, Max Schulte, Alina Hanses, David Köster und Matthias Heite. Für einen tollen Film der Jungen Jäger Köln, der im Gürzenich erstmals einer größeren Öffentlichkeit gezeigt wurde, dankte Müller-Schallenberg der Produzentin Kathrin Depka und den Jägern Hanna Pfirrmann, Thiemo Eisner und Marlon Santoro, die vor der Kamera sehr persönlich ihre Leidenschaft zur Jagd vermittelt hatten.

Felix Höltmann

 

 


Ehrungen

LJV-Verdienstnadel in Gold

Ralph Müller-Schallenberg       LEV

Anton Oellers                            DN

Gundolf Graf v. Plettenberg      OE

Ludger Mester                          OE

Heinz-Albert Schürholz            OE

Jürgen Schulte-Derne              SO

 

LJV-Ehrennadel

Norbert Happ                            BN


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