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Kommentar:

Unbekanntes wagen

Wildtiere zu erlegen, bleibt eine mentale Herausforderung, immerhin löscht man damit ganz bewusst Leben aus. Unwiederbringlich. Auch wenn es viele gute Gründe dafür gibt, muss sich manch Jäger in bestimmten Situationen überwinden, den Finger krumm zu machen. Und das ist auch gut so. Ein kluger Geist hat mal gesagt, dass man mit dem Jagen aufhören soll, wenn dieses Gefühl nicht mehr vorhanden sein sollte. Da ist viel dran – denn die Achtung vor der Kreatur beginnt schon vor dem Schuss und nicht beim letzten Bissen.

 

 

Wenn die Bedenken aber Überhand nehmen und man gar nicht mehr abdrücken kann, sollte man über sachkundige Hilfe nachdenken. Denn schließlich wollen Jäger ja grundsätzlich Beute machen. Wenn die Umsetzung aus verschiedenen Gründen auf einmal nicht mehr gelingt, können spezielle Psychologen helfen. Ich bin mir sicher, dass auch viele von Ihnen nicht wussten, dass es solche Fachleute gibt. Ich wäre nicht auf die Idee gekommen, bei einer Blockade nach einem solchen Experten zu suchen. Doch nach der Recherche für diesen RWJ-Beitrag würde ich heute mit einem jagenden Psychologen sprechen – eben weil ich glaube, dass er mich verstehen könnte. Schließlich kann man dort sein Problem schildern, ohne vorab aufwendig erklären zu müssen, warum man überhaupt loszieht, um auf Füchse, Rehe und Sauen zu schießen.

 

Dass ich überhaupt auf dieses Thema kam, lag an einem Freund, der sich coachen ließ. Ich habe Respekt vor seinem Mut, darüber zu sprechen. Auch heute würde man in manchen Jägerkreisen hierzulande vermutlich ein wenig schief angesehen, wenn man sich zu einem solchen Schritt bekennen würde. Solche Blockaden betreffen sicher nicht Viele, doch auch in anderen jagd lichen Bereichen kann man darüber nachdenken, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wer jedes Wochenende am Wurftaubenstand in Zeit, Munition und Schultermuskulatur investiert, ohne damit reproduzierbar auch ausreichend Tontauben vom Himmel zu holen – oder im Training hervorragend trifft, diese Leistung aber im Wettbewerb nicht abrufen kann – denkt vielleicht über professionelle Unterstützung nach. Im ersten Fall wäre sicher Einzelunterricht mit einem Schießtrainer sinnvoll – im zweiten Fall müsste möglicherweise ein MentalCoach ran. Wenn es nicht an der Technik, sondern der inneren Einstellung liegt, kann ebenso geholfen werden. Warum also sollte man bei einer „Kopfsache“ nicht auch mit einem Experten sprechen?

 

Felix Höltmann

 

Mentales Training

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