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RWJ 04/2021: Geschichte und Aufgaben der DEVA

133 Jahre im Dienst von Jägern und Sportschützen

Die Deutsche Versuchs- und Prüf-Anstalt für Jagd- und Sportwaffen (DEVA) wurde im sog. Drei-Kaiser-Jahr 1888 als Deutsche Versuchs-Anstalt für Handfeuerwaffen gegründet, da unter deutschen Jägern der Ruf nach einer unabhängigen Beratungs- und Prüfstelle für Waffen und Munition laut wurde.

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Seit 2009 Sitz der DEVA – die neuen Betriebsgebäude in Buke (Kreis Paderborn).

Mit Einführung des Nitropulvers als Treibmittel für Lang- und Kurzwaffen kam es immer wieder zu Waffensprengungen. Verantwortung dafür übernahmen weder Munitionsindustrie noch Waffenhersteller, so dass Jäger und Sportschützen mit Schäden alleingelassen wurden. So gründeten am 26.11.1888 deutsche Jäger und Anhänger des Schießsports die Deutsche Versuchs-Anstalt für Handfeuerwaffen mit Sitz in Berlin-Halensee. Im Januar 1889 wurde eine Erklärung verabschiedet, in der die unabhängige Stellung und der gemeinnützige Zweck der Versuchsanstalt hervorgehoben wurden. Diese Erklärung ist bis heute Handlungsgrundlage der DEVA als unabhängige und neutrale Gutachterstelle für alle Fragen rund um Waffentechnik, Ballistik sowie jagdliches und sportliches Schießwesen. Ausnahmslos jeder erhält nach entsprechender Beauftragung ein Gutachten, das neutral, unabhängig und fachlich auf neuesten Erkenntnissen basiert.

 

Die Versuchs-Anstalt wurde von Beginn an mit vielen unterschiedlichen Aufgaben betraut, so wurden ab 1892 regelmäßig Pulversorten untersucht. Gemeinsam mit Ursachenforschung zu Sprengungen an Handfeuerwaffen bildeten sie die Grundlage für eine Ausarbeitung zum Beschuss von Handfeuerwaffen. Diese fanden sich 1893 im ersten deutschen Beschussgesetz wieder. Dazu wurden Prüfnormen für Flinten und Büchsen erarbeitet.

 

Nach dem 1. Weltkrieg zählt zu den besonderen Leistungen der DEVA die Einführung des Kleinkaliberschießsports. Mit Blick auf bauliche Probleme auf Schießständen erschienen Mitte der 1920er erste Schießstandrichtlinien. Der Schrotschuss wurde intensiv untersucht und es entstand die Wannsee‘er Norm – bis heute Grundlage zur Beurteilung von Flinten.

 

Nachdem 1926 die Deutsche Reichsbahn das gepachtete Gelände für eigene Zwecke benötigte, wurde ein neues Gelände in der Nähe des Bahnhofs Wannsee gefunden, ab 1928 konnte das neue Institutsgebäude genutzt werden. Auf eigenem Grund befanden sich vier 60 m-, fünf 80 m-, zehn 100 m-, sechs 200 m-Stände, vier 300 m-Bahnen sowie zwei Wurfscheibenanlagen für internationale Wettkämpfe. Die DEVA besaß damals die modernsten Schießanlagen Europas. Die Werkstatt- und Laboreinrichtungen entsprachen dem Stand der Technik.

 

Auf dem Schießstand in Wannsee fanden die Schießwettkämpfe der Olympischen Spiele 1936 statt. In dieser Zeit war die DEVA auch Gutachterstelle für alle Jagdunfälle im gesamten Deutschen Reich – mit etwa 40 Mitarbeitern.

 

Schießstände und Anlagen am Wannsee wurden zum Kriegsende weitgehend zerstört, auch viele Unterlagen wurden dabei leider vernichtet. Der Geschäftsbetrieb musste eingestellt werden, die DEVA wurde von den Siegermächten verboten und enteignet. Einen Neuanfang gab es 1954 zur Internationalen Jagdausstellung in Düsseldorf mit der Gründung des Deutschen Instituts für jagdliches und sportliches Schießwesen.

 

Anfang 1970 erfolgte die Umbenennung in Deutsche Versuchs- und Prüf-Anstalt für Jagd- und Sportwaffen und der Umzug aufs Schießstandgelände des heutigen Landesjagdverbands NRW nach Altenbeken-Buke im Osten des Kreises Paderborn. Zum Übergang wurden Gebäude in Holzbauweise errichtet – doch wie so oft im Leben wurde auch diese Übergangslösung sehr lange genutzt.

 

Die Aufgabe des Schießstands in Berlin durch die US-Streitkräfte und die damit verbundene Rückübereignung ermöglichten es der DEVA gut 30 Jahre später, auf dem Schießstandgelände des LJV NRW eigenes Land zu erwerben und darauf 2009 das jetzige Betriebsgebäude zu errichten.

 

Zur Ausstattung in Buke gehören eine 100 m-Bahn und eine 50 m-Raumschießanlage, in der wetterunabhängig unterschiedlichste Versuche und Messungen durchgeführt werden können.

 

Die technische Ausstattung besteht aus Gasdruck- und Geschwindigkeitsmesseinrichtungen, Hochgeschwindigkeitskamera, Schockprüfgerät, Radargerät für ballistische Messungen, Mikroskop zur Untersuchung von Bruchstellen, Messprojektor zur Vermessung von Patronenlagerabgüssen, zwei Schallpegelmesser zur Ermittlung des Schussknalls, Endoskop, Messung von Abzugswiderständen u. v. m., sodass auch anspruchsvolle Projekte bearbeitet werden können.

 

Die DEVA beschäftigt in Buke derzeit vier Mitarbeiter, dazu betreibt sie mit fünf Mitarbeitern den eigenen Schießstand in Berlin für Jäger, Sportschützen, Sicherheitsunternehmen sowie in großem Umfang Behörden (Polizei, SEK, Zoll, BND).

 

 

Bildergalerie 133 Jahre im Dienst von Jägern und Sportschützen

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Breites Seminarangebot

Ein breites Feld der Tätigkeit wird ausgefüllt durch die fachliche Beratung zu Wiederladen, Waffen und Munition, täglich gehen über Telefon, E-Mail und Post Fragen ein, die von den technischen Mitarbeitern beantwortet werden. Diese sind als Gutachter für Gerichte, Staatsanwaltschaften, Behörden, Verbände, Versicherungen und Privatpersonen zivilwie strafrechtlich tätig. Das Spektrum reicht von waffentechnischen Problemen über Gasdruckmessungen für Wiederlader, Produkttests für Firmen, außen- und zielballistische Untersuchungen bis zu Gutachten bei Jagd-/Sportunfällen mit Waffen. Dazu bietet die DEVA Lehrgänge an:

 

  • Erlangung der Fachkunde nach § 27 SprengG zum (Wieder)Laden von Patronenhülsen
  • Vorbereitungslehrgänge zur Büchsenmacher-Meisterprüfung
  • Belehrung für verantwortliche Aufsichtspersonen auf Schießstätten nach dem DJV-Merkblatt
  • Vorbereitungskurse für Schießstandsachverständige
  • Vermittlung der Sachkunde nach § 7 WaffG

 

Das Lehrgangsangebot wird regelmäßig aktuellen Bedürfnissen angepasst und ausgeweitet.

 

Mitarbeiter der DEVA arbeiten in verschiedenen Ausschüssen mit wie dem DIN (Deutsches Institut für Normung), Ringversuchen der C.I.P. oder der Abstimmung mit der Obersten Jagdbehörde zu Jägerprüfungsfragen im Land NRW.

 

Im Rahmen von Veröffentlichungen, vornehmlich in der eigenen Mitgliederzeitschrift Kugel und Schrot, werden Ergebnisse vorgestellt sowie aktuelle Fragen der Mitglieder behandelt.

 

Bereits in sechster Auflage dient das Standardwerk Wiederladen – Vorbereitung und Praxis zur Vorbereitung auf die Fachkundeprüfung und wird gerne als Nachschlagewerk genutzt, da darin für viele Kaliber geprüfte aktuelle Ladeangaben für Wiederlader zu finden sind. Die Erweiterung des Ladedatenbestands wird ständig vorangetrieben und durch die Neubeschaffung von Messläufen in interessanten Kalibern ergänzt.

 

Als eingetragener Verein finanziert sich die DEVA auch über Mitgliedsbeiträge. Jeder Interessierte kann für jährlich 38 € Mitglied werden. Damit hat man die Möglichkeit zur umfänglicheren Beratung und genießt zusätzlich 33 % Rabatt auf Leistungen.

 

Info: www.deva-institut.de, Tel. 05255-7343, E-Mail: info@deva-institut.de


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