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RWJ 08/2019: Kleines Ausrüstungs-ABC, Teil 1

Wenn einer eine Reise tut ...

Erfahrene Jagdreise-Profis wissen ziemlich genau, was man mitnehmen oder getrost daheim lassen kann. Doch auch wer schon ein paar Mal in Polen oder Ungarn gewaidwerkt hat, kommt damit nicht zwangsläufig in Afrika oder dem Hochgebirge zurecht. Wir haben ein paar Tipps zusammengestellt – nicht nur für Anfänger.

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Koffer und Waffenkoffer

 

Wegen der meist einfachen Transportverhältnisse (kleine Fahrzeuge) gerade bei Afrika- und Wildnisjagden ist man gut beraten, als Hauptgepäck keinen Hartschalenkoffer, sondern eine stabile 80 - 100 l-Reisetasche zu verwenden. Die Hauptreißverschlüsse sichert man mit einem kleinen Zahlenschloss. Hat man sich entschieden, eine eigene Waffe mitzuführen, ist der Koffer dafür wirklich wichtig, Billigplastik mit einfachsten Schnapp-Riegeln scheidet da aus. Besondere Aufmerksamkeit sollte man dem Griff des Waffenkoffers widmen – angenietete Varianten sind leider die Regel. Und genauso regelmäßig oft schon nach dem ersten Einsatz ... ab. Besser sind da integrierte Griffe (s. Foto). Ob man stabile Alu- oder angerundete Kunststoffmodelle bevorzugt, ist eine Geschmacks- und Preisfrage. Hoch sinnvoll ist ein sog. Gepäckaufkleber-Steg, der kleine Stift passt von der Breite nämlich genau für die weltweit gleichen Gepäck-Banderolen an Flughäfen. Diese werden beim Einchecken nämlich ansonsten regelmäßig am Griff befestigt – und müssen bei nachträglichen Kontrollen oft zerstört werden. Wer so‘n Ding hat, muss dann nur noch dafür sorgen, dass die Banderole auch daran befestigt wird, denn das Service-Personal beim Einchecken kennt diesen „Gimmick“ meist nicht. Um das ewige Rumfummeln an den Schlössern zu reduzieren, sind Waffenkoffer mit Zahlenschlössern praktisch.

 

 

Optik

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Stabiler Hartschalenkoffer mit abgerundeten Ecken, integriertem Griff sowie Zahlenschlössern und dem praktischen Steg für Flughafen-Gepäckstreifen.

Nur selten ist man auf Jagdreisen nachts unterwegs (Ausnahme: Keiler/Türkei und anderswo), daher können Sternwarten mit 56 mm-Objektiv getrost daheim bleiben. 42 - 50 mm reichen meist völlig, selbst bei der Bergjagd auf große Distanzen kommt es mehr auf ausreichende Vergrößerung an, heute übliche 6fach-Zooms von Zielfernrohren eröffnen dazu ein weites Einsatzspektrum. Gerade in Afrika und am Berg sind kleine, leistungsfähige Ferngläser (8/10 x32) von Vorteil, dazu gehört in jedem Fall ein bequemer Neopren-Trageriemen. Gerade bei preiswerten Mittelklasse-Fern gläsern ist der Zukauf eines hochwertigen, bequemen Trageriemens (etwa von Niggeloh) als Zubehör eine sinnvolle Investition. Zur Saujagd sind Nachtsichtgeräte hilf reich – allein für eine Reise würde ich sie aber nicht anschaffen, zumal örtliche Führer meist darüber verfügen. Bei der Bergjagd sind Schüsse auf über 200 m eher Regel als Ausnahme. Darauf sollte man sich auf einer der leider immer noch seltenen 300 m-Bahnen vorbereiten (etwa beim Weitschuss-Seminar der RWJAkademie/ s. S. 18). Wichtigster Faktor aller Absehen- Schnellverstellungen ist die Kenntnis der Schuss-Distanz, dazu ist ein kompakter Laser-Entfernungsmesser unabdingbar.


Ein guter Zielstock ist die halbe Miete

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Zielstock-Dreibeine mit Eingriff-Verstellung (l.) sind praktisch, aber im Gegensatz zu normalen Teleskop-Modellen (hier Knobloch) länger, schwerer und auch nicht zerlegbar.

Bis auf Aufenthalte in Zentraleuropa kann man nicht vom Jagen von bequemen Kanzeln wie bei uns ausgehen, meist sind schon vertrauenswürdige Leitern Fehlanzeige. Während man bei der Pirsch früher noch regelmäßig von der Schulter des Jagdführers schoss (!), ist man heute gottseidank erheblich weiter – und zwar nicht nur wegen der Ohren der bedauernswerten Führer). A &O sicherer Schüsse beim Pirschen ist eine stabile Auflage in Form eines brauchbaren Zielstocks. Bei der schier unübersichtlichen Auswahl scheiden Ein- und Zweibeine eher aus, stabile Dreibeine, noch besser klappbare 4 Punkt-Auflagen, sind das Mittel der Wahl. Diese praktischen Helfer sind auf nahezu jeder Reise und auch daheim im Revier gut zu gebrauchen. Dafür sind auch 200 € gut angelegt – übrigens ein klasse Geschenk-Tipp für Jäger, die schon alles haben. Wichtig dabei ist eine gute Verstellbarkeit in der Höhe – so verrenkten sich nämlich schon unzählige Jäger der 1,90 m-Klasse angesichts selbstgebastelter, viel zu kurzer Haselstecken-oder Bambus- Dreibeine mit Einmach-Gummi bei der Brunft ... Matthias Kruse

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