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RWJ 09/2018: Editorial

Zwischen Hitze und Adrenalin

Die schier unerträgliche Hitze ist erst mal vorbei. Wie das Wild und unsere Reviere diese Ausnahmesituation überstanden haben, wird sich noch zeigen. Viele jahreszeit- typische Zusammenhänge fallen in diesen Wochen schlicht aus:

kruse editorial

Matthias Kruse Chefredakteur Rheinisch-Westfälischer Jäger

  • treibende Rehe zur Blattzeit in den Fahrspuren von Weizenfeldern ... gab‘s nicht, weil der Weizen Ende Juli schon ab war,
  • für viele Rotwildjäger lassen Anfang September leicht verfärbte Maisschläge normalerweise den Beginn der Brunft erahnen – wenn’s so weitergeht, sind beim Erscheinen dieses RWJ auch die meisten „Gülle-Palmen“ längst unterm Häcksler verschwunden ...

Was ist in diesen Wochen schon noch „normal”?

Weil nahezu alle Felder viel früher abgeerntet wurden, sinkt zumindest rein statistisch die Anfälligkeit für Wildschäden – wenigstens ein kleiner Vorteil für leidgeplagte Bauern und auch uns Jäger.

Was all‘ dies für die Gesamtstrecken (besonders bei den Sauen) bedeuten wird, lässt sich derzeit noch schwer abschätzen. Entweder gibt‘s – warum auch immer – dieses Jahr wirklich weniger, oder die außergewöhnliche Hitze hat sie einfach „erheblich unsichtbarer“ gemacht. Auf jeden Fall kündet eine genauso ungewöhnliche Waldmast aus Eicheln und Bucheckern bereits davon, dass die Bejagung der Wutze auch in den kommenden Monaten eher schwerer werden wird als im Normalfall. Umso wichtiger sind die anstehenden Bewegungsjagden, dort gilt es erst recht nach diesem Horror-Sommer, die Sauen zu dezimieren. Einschneidend. Doch natürlich dabei immer auch waidgerecht.

 

Dazu zählt eine sorgfältige Vorbereitung – nicht nur für die Beständer, deren ersehnte Einladungen in diesen Tagen in unseren Briefkästen und E-Mail-Accounts eintrudeln. Jeder einzelne Jäger ist jetzt aufgerufen, sich auf diese hohe Zeit vorzubereiten: Regelmäßiges Training unter Echt-Bedingungen (Schüsse mit der eigenen hochwild- tauglichen Waffe auf sich bewegendes Wild) im Schießkino oder den laufen den Keiler sollte für jeden Jäger vor Beginn der Saison Ehrensache sein. Also bitte nicht nach dem Motto „Schießen ist wie Fahrrad fahren – das verlernt man nie ...“

 

Auch auf spontane Einladungen (in diesen Tagen v. a. bei den besonders gefährlichen Ernte-Jagden) kann man sich vorbereiten: Neben einer drückjagd-tauglichen Waffe (also kein Standard-Drilling mit 3 - 12 x 56-Sternwarte ...) und ausreichender Munition (bleifrei-Vorgaben beachten !) zählt dazu auf jeden Fall ein griffbereit liegender Satz Sicherheitsbekleidung – bestehend aus Kappe und Jacke/Weste in Tarn-Orange.

Wenn Ihnen dann mit unverkennbarem Knacken eine anwechselnde Rotte das Adrenalin durch die Adern pumpt, wünsche ich Ihnen einen kühlen Kopf, sicheres Ansprechen, sauberes Abkommen – und Waidmannsheil!

 

Matthias Kruse

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