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RWJ 07/2022: Editorial

Würde, Werte, Waidgerechtigkeit

Ein Symposium vor Kurzem in der Eifel zu Jagd und Moral rüttelte bei mir wieder einmal wesentliche Grundpfeiler unseres jagdlichen Tuns wach. Zweifellos lässt sich die Uhr nicht zurückdrehen und gerade bei der Jagd müssen wir uns in einigen Punkten modernisieren, um nicht ganz im Abseits der Ewiggestrigen zu verschwinden und nicht mehr zeitgemäß zu sein.

Editorial

Lutz Schorn | Vizepräsident des Landesjagdverbandes Nordrhein-Westfalen

Aber die Entwicklung rast heute oft dermaßen schnell, dass es guttut, regelmäßig innezuhalten und mit kritischer Selbstreflexion eingeschlagene Wege zu bewerten. Das Sammeln der Jäger im Kloster Steinfeld (Kreis Euskirchen) mit namhaften Vertretern aus Jagdwissenschaft, Verbänden und Praxis, organisiert vom ehemaligen Berufsjäger Dieter Bertram, widmete sich genau dieser Intention.

Neben viel interessantem Lernstoff und einer bewundernswert zielführenden bayerischen Allianz aus Jagd und Tierschutz (Netzwerk Wald mit Wild) hat mich vor allem der Einsatz eines ehemaligen Schweißhundeführers für die Würde von Wildtieren berührt.

Er appellierte nachdrücklich und unter die Haut gehend dafür, dass wir als hochtechnisiert ausgestattete Jäger nicht nur die Sache Wildtier ins Visier nehmen dürfen, sondern dabei stets die Würde des einzelnen Tiers als Teil der wunderbaren Schöpfung empfinden und wertschätzen sollten. Diese Würde kann einem Wildtier nur der Jäger geben.

Dabei wurde mir beim Überdenken meines Tuns klar, wie oft wir im jagdlichen Alltag genau an diesem schmalen Grat entlangwandern – sei es getragen vom Wunsch, „unbedingt die ASP aufhalten zu wollen“ oder beim „Wiederaufbau klima stabiler Wälder“ an vorderster Front mithelfen zu müssen.

Sicher – beide Aufgaben sind derzeit von großer Bedeutung, daran möchte ich gerade als Waldbauer keinerlei Zweifel aufkommen lassen. Dennoch dürfen sie niemals als Rechtfertigung für allerlei Fehlabschüsse von tierschutzrelevanter Bedeutung herhalten, über die uns Schweißhundeführer immer wieder hinter vorgehaltener Hand ihr Herz ausschütten.

Dabei kann der Einsatz moderner Technik bei der Jagd natürlich auch segensreich sein:

 

  • wenn in diesen Wochen Hunderte engagierter Drohnen-Teams zwischen Rhein und Weser mit Hightech-Ausrüstung Tausende Kitze vor einem furchtbaren Tod retten, ist das nicht nur hochsinnvoll, sondern schenkt dem hilflosen, sonst dem Tode geweihten Jungwild Leben – und Würde,
  • wer schon einmal im Anschlag auf eine einzeln anwechselnde, schwache Sau in der Wärmebildkamera die eindeutig angezogenen Striche erkannte – und den Finger gerade ließ, wo er früher höchstwahrscheinlich geschossen hätte ... auch der gibt dem Wild seine Würde.


Lassen Sie uns draußen in unseren Revieren also wieder als Anwalt des Wildes (und nicht nur der Jagd), unterwegs sein – mit Bedacht anstatt unter Vollzugs-zwang. Geben wir unseren Wildtieren zurück, was ihnen zusteht – ihre Würde. Durch anständiges, waidgerechtes Handwerk.

 

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Titelbild: K.-H. Volkmar

Zum Titelbild: So sah es noch vor wenigen Wochen aus – mittlerweile sind die Jungfüchse schon größer und selbstständiger – und verlassen den Bau „auf eigene Kappe“.
 

Titelbild: K. - H. Volkmar


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