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RWJ 01/2019: Editorial

Wer Jäger sein will …

Die seit Jahren immer intensiver geführte Debatte um konventionelle Tierhaltung in Deutschland kann uns Jägern ungemein nutzen. Denn die meisten Menschen sind keine Vegetarier oder gar Veganer. Sie schätzen ein gutes Stück Fleisch auf dem Teller.

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Felix Höltmann
Redakteur Rheinisch-Westfälischer Jäger

Aber sie hinterfragen zunehmend, woher ihr Essen kommt und sind bereit, Geld für Qualität zu investieren. Genau an „dieser“ Stelle können wir Jäger erheblich punkten und Akzeptanz für das Waidwerk schaffen. Auch Menschen, die Jagd und Jägern eher skeptisch gegenüberstehen, lassen sich mit dem Hinweis auf Wildbret als einem qualitativ hochwertigen und dazu ethisch vertretbaren Lebensmittel überzeugen. Wir werden andere aber nur für unser Tun gewinnen, wenn wir ehrlich sind. Deshalb muss sich jeder von uns wieder viel mehr als Wildbret- und auch als Pelzjäger verstehen. Keine Sorge – wir können uns weiter an Rehgehörn, Hirschgeweih, Keilergewaff oder Gamskrucken erfreuen.

 

Doch parallel dazu muss die Gewinnung von Wildbret im Mittelpunkt stehen. Das bedeutet, es muss auch regelmäßig auf dem Esstisch stehen. Ich wünsche mir, dass wir den roten Bock nicht nur wegen seiner Trophäe erlegen, sondern auch, um den Rücken an einem lauen Sommerabend auf den Grill zu legen. Ich wünsche mir, dass wir nicht nur an Drückjagden teilnehmen, um die ein oder andere Wutz mit sauberem Schuss aus einer Rotte zu erwischen, sondern dem Beständer nach erfolgreichem Treiben öfter mal eine Sau abnehmen und mit nach Hause bringen. Gäste sollten wir bei uns daheim ganz selbstverständlich mit Wildbret bewirten. Für den Alltag kann man aus weniger „edlen“ Partien Wurst herstellen (lassen), die im Sommer auf den Grill oder bei Ausflügen als Mettwurst in den Rucksack kommt. Auch mit einer Bolognese-Sauce aus Schwarzwild-Hack werden Sie unter Freunden sicher punkten.

 

Wir sollten dazu auch wieder regelmäßig Bälge verwerten und im besten Fall in der Öffentlichkeit selber tragen – gerade jetzt, wo wir mit der DJV-Aktion „Fellwechsel“ dazu endlich ein schlüssiges Verwertungsprojekt aufzubieten haben. Wir werden in Zukunft in einer immer städtischer geprägten Gesellschaft nur dann weiter jagen können, wenn wir glaubhaft vermitteln, dass wir das sauber tun. Das heißt, indem wir jede Kreatur ehren, sie tierschutzgerecht und schmerzlos erlegen – und danach möglichst vollständig verwerten. Wenn wir also im besten Sinne „waidgerecht“ jagen.

 

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein gesundes, glückliches neues Jahr 2019 – Waidmannsheil auf allen Wegen!

 

Felix Höltmann

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