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RWJ 07/2019: Editorial

Von E-Scootern und anderen Trittbrettfahrern

Der Hype um elektrisch betriebene Tretroller nimmt in diesen Wochen Züge an, die an die Motorisierung nach dem Zweiten Weltkrieg erinnern – damals weckte der Käfer die Sehnsucht der Deutschen nach dem ersten eigenen Auto ... heute will jeder seinen E-Scooter. Spätestens wenn‘s die Dinger demnächst auch bei Aldi und Lidl gibt, wird die Quote der Trittbrettfahrer signifikant ansteigen – wetten?

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Matthias Kruse
Chefredakteur
Rheinisch-Westfälischer Jäger

Ganz andere Vertreter dieser Gattung geraten in den nächsten Monaten und Jahren in den Fokus der Jagd zwischen Rhein und Weser – nämlich solche Zeitgenossen, die zwar in NRW einen Jagdschein lösen (in der Summe rund 89 000), aber aus welchen Gründen auch immer nicht Mitglied im Landesjagdverband (derzeit etwa 64 000) sind. Diese Gruppe mag man nennen, wie man will – Fakt ist, dass jeder dieser rund 25 000 Jagdscheininhaber ganz unbestritten in den Genuss von Vorteilen kommt, für die „einzig und allein“ der Landesjagdverband gesorgt hat:

 

  •  Erinnert sei an die vollständige Abschaffung der ungerechten Jagdsteuer 2013 – eine Regelung, von der man in vielen westdeutschen Bundesländern bis heute träumt und ein jagdpolitischer Erfolg, der die „Revierinhaber“ bei uns um Millionen von Euro entlastet.
  • „Jeder“, der seit dem 1. April 2019 in NRW einen Jagdschein löst, spart ab sofort 45 €/Jahr, weil der LJV dafür gesorgt hat, dass Jägergeld nun ausschließlich in Jägerhände gelangt – und Mittel der Jagdabgabe nicht weiter für sachfremde Aufwendungen (wie die Anschaffung von Ferngläsern für Naturschutz-Zwecke u. ä.) missbraucht oder rechtswidrig zur Finanzierung staatlicher Behörden verwendet werden.

Völlig unstrittig bleiben allerdings Kernaufgaben bestehen, die bislang aus Mitteln der Jagdabgabe finanziert wurden – wie die Unterstützung der Schweißhundstationen. Und vor allem die Sicherung, Ertüchtigung und der Betrieb jagdlich genutzter Schießanlagen. Wie schnell in diesem Zusammenhang scheinbar Undenkbares passieren kann, zeigte sich vor wenigen Tagen bei unseren norddeutschen Nachbarn: Wenn bei uns eine Schießanlage der Größenordnung Vluynbusch, Coesfeld oder Buke dichtgemacht würde, könnte man sich ansatzweise vorstellen, was es bedeutet, wenn ein Stand wie „Waakhausen“ (zwischen Bremen und Niedersachsen) wegen eines unsicheren Finanz-Konzeptes und permanentem Behörden-Ärger vor dem Aus steht – eine Anlage, auf der regelmäßig Bundesmeisterschaften stattfanden!

 

Um solche und andere Katastrophen in Zukunft in NRW weiter sicher zu verhindern, brauchen wir „jeden“ Jagdscheininhaber im LJV.

 

Da nutzt es wenig, potenzielle Neumitglieder als „Trittbrettfahrer“ zu verunglimpfen. Wir müssen stattdessen um sie werben, auch mit unkonventionellen Mitteln. Wie wäre es, wenn Sie persönlich damit anfangen – und schon in der Einladung zur nächsten Gesellschaftsjagd an die dringend nötige Solidarität zwischen „allen“ Jägern appellieren – und zum Jagdtag Aufnahmeanträge (gibts bei Ihrer Kreisjägerschaft) vorbereiten ? Dieses Brett ist dick – keine Frage. Umso wichtiger, dass wir anfangen, daran zu bohren. Jeder an seinem Platz.

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