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RWJ 09/2022: Editorial

Tierschutz ist unteilbar

In diesen Wochen schwappt die unsägliche Klagewelle von PETA und Konsorten auch wieder einmal nach NRW. Obwohl solche Tierrechtler vor deutschen Gerichten ein ums andere Mal scheitern, sind ihre Aktionen effektiv und ärgerlich, frei nach dem Motto „Egal, wer am Ende Recht bekommt – Hauptsache wir sind in den Schlagzeilen ...“

Heitzig Nicole

Richtig gefährlich allerdings würde es für uns, wenn höchstrichterlich immer wieder bestätigte, bewährte Ausbildungsmethoden wie Schliefenanlagen (natürlich mit „trennendem Schieber“) und die Arbeit hinter der „lebenden Ente“ (natürlich mit wasserlöslichen Papier-Manschetten) infrage gestellt würden.

Dass wir zur Erfüllung unseres gesetzlichen Auftrags (der fachlich sauberen Regulierung von Wildtierbeständen in unserer Kulturlandschaft) auf die Hilfe geeigneter Jagdhunde angewiesen sind, daran kann es keinen Zweifel geben. Doch solche Hunde wachsen nicht auf den Bäumen. Wir müssen sie mit großer Sorgfalt züchten – und mit Geduld und Sachkenntnis ausbilden. Dafür braucht man neben viel Zeit, Geld und Enthusiasmus auch eine Menge entsprechende Reviere, in denen Jagdhunde in ausreichender Zahl ausgebildet und geprüft werden können.

Ich appelliere v. a. an Jagdausübungsberechtigte, dafür Reviere zur Verfügung zu stellen.

Ohne brauchbare Jagdhunde ist keine Nachsuche, keine Wasserjagd und keine Bewegungsjagd denkbar ! Auch ohne eigenen Hund ist die gelebte Solidarität mit Hunde führern, Zucht- und Ausbildungsvereinen gefragt.

Mein zweiter Appell richtet sich ebenfalls an Beständer, bei denen ja die Vorbereitung für die herbstlichen Treib- und Bewegungsjagden schon auf Hochtouren läuft.

 

Bitte denken Sie bei der Erstellung Ihrer „Listen“ nicht nur an Schützen,
Treiber und Bläser, sondern auch und gerade an ausreichend brauchbare Jagdhunde.


Bei Bewegungsjagden auf Schalenwild dürfen Hunde weder stumm jagen,

noch lebendes Wild in Zäune hetzen! Sie müssen stattdessen das Wild ruhig,

also ansprechbar und waidgerecht erlegbar, vor die Schützenstände bringen.

Stumm jagende Hunde versetzen Wild in Panik, können es unbeschossen „ins Dicke“ hetzen und töten ... und bringen es bestenfalls tief-fliegend vor die zur Taten losigkeit verdammten Schützen. Auf solche Verhaltensmuster trifft man nicht zufällig – wer dies als verantwortlicher Jagdleiter billigend in Kauf nimmt („Man kriegt halt keine gescheiten Hunde mehr ...“) hat unsere gemeinsame Verantwortung nicht begriffen: WIR sind die Fachleute, was Tierschutz angeht – bei Zucht und Ausbildung unserer Hunde ... und erst recht bei der Jagd selber.

Wir sollten uns bewusst werden, dass man mit dem Einsatz ungeeigneter

Hunde seinen Jagdteilnehmern keinen Gefallen tut und dazu fahrlässig mit

dem Tierschutz spielt. Bewegungsjagden auf Schalenwild sind keine Ersatz-Spielwiese für ansonsten arbeitslose Jagdhunde ! Ich nenne in diesem Zusam-menhang ganz bewusst keine Rassen, aber sehr wohl Anforderungen: Laut (auf der Fährte !) arbeitende, brauchbare Stöberhunde sind gefragt. Nachweisen kann man solche Fähigkeiten mit entsprechenden Stöber- und Spurlaut-Prüfungen. Unsere Kompetenz in Sachen Waidgerechtigkeit (mit der Tierschutz untrennbar verbunden ist) lassen wir uns von niemandem streitig machen. Doch mit dieser Kompetenz verbunden ist ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Wir haben engagierte Züchter, versierte Ausbilder und ein Heer von Hunde-Obleuten in Kreis jägerschaften und Hegeringen, nutzen wir all diese Ressourcen – zum Wohl unserer Hunde UND des Wildes !

Titel

Zum Titelbild: Die hohe Zeit im Rotwild-Revier erfordert besondere Methoden und Talente – denn schließlich braucht’s versierte Hirschrufer nicht nur auf Jagdmessen.
 

Titelbild: K. - H. Volkmar


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