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RWJ 12/2019: Editorial

Solidarität mit Waldbauern

Am 11. November hatte ich ein Erlebnis der besonderen Art – im Publikum der Waldkonferenz Nordrhein-Westfalen hörte ich viele schlaue Sätze. Wälder erbringen vielfältige Leistungen für die Gesellschaft und den Klimaschutz.

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Ralph Müller-Schallenberg
Präsident des Landesjagdverbandes NRW

Aktuelle Waldschäden sind eine große Herausforderung. Der Wald muss für künftige Generationen erhalten bleiben. Derlei war zu Recht auf jener Konferenz in Düsseldorf zu hören. Dumm nur, dass der Veranstalter – das nordrhein-westfälische Umweltministerium – einen wesentlichen Akteur bei Fachvorträgen und Expertengesprächen vergessen hatte. Wie nicht anders zu erwarten ging es bei der Diskussion der „Handlungsansätze in einem breiten Kreis von Waldbesitzern, Fachleuten, gesellschaftlichen Akteuren und Stakeholdern“, wie es etwas großspurig in der Einladung geheißen hatte, auch um Schalenwild-Bejagung. Da wäre es sicher sehr hilfreich gewesen, den Landesjagdverband ebenfalls auf dem Podium als gesetzt zu sehen, zumal aus dem Publikum keine Wortmeldungen vorgesehen waren. Deshalb blieb nichts anderes übrig, als mir im persönlichen Gespräch mit Vertretern des Ministeriums Luft und dem Landesjagdverband künftig Platz für seine Mitwirkung zu verschaffen.

 

Zum Glück hatten wir schon vor der Konferenz mit anderen Verbänden und Diskutanten auf dem Podium der regierungsamtlichen Waldkonferenz gute Gespräche geführt und konnten dabei nochmals deutlich machen, dass es vernünftigerweise nur eine Position Wald und Wild und nicht Wald vor Wild geben kann. Diese Sicht der Dinge ist nicht nur das Leitmotiv des Landesjagdverbandes, sondern wird auch von anderen geteilt. Waldbauern und Jäger in Nordrhein-Westfalen sind nach Katastrophen-Stürmen, Trockenjahren und Borkenkäfer-Kalamitäten gemeinsam in Sorge um die Zukunft des Waldes.

 

Es besteht kein Zweifel, dass angesichts der anstehenden großflächigen Wiederaufforstungen der Wildbestand in diesen Bereichen reduziert und dazu auch finanzielle Hilfe durch das Land – etwa in Form von Zuschüssen zu jagdlichen Einrichtungen – geleistet werden muss. Wir erkennen auch an, dass die Landesregierung die großen Herausforderungen im Blick und tatkräftige Unterstützung zugesagt hat. Wir erklären den Waldbauern nicht nur unsere Solidarität, sondern wir wollen sie auch leben. Im Hinblick auf die besondere potenzielle Gefährdung von Baumpflanzen durch Verbiss können wir die RehBejagung intensivieren und ähnlich wirkungsvoll steigern wie nach dem Sturm Kyrill oder beim Schwarzwild zur Eindämmung des Verbreitungsrisikos der Afrikanischen Schweinepest. Die gesetzlichen Jagdzeiten bieten Gestaltungsspielraum, eine auf fünf Jahre befristete Vorverlegung der BockJagdzeit auf Mitte April scheint einigen erwägenswert, dürfte aber weniger effizient sein als die konsequente Ausschöpfung der heute schon vorhandenen Jagdmöglichkeiten.

 

Richtig rund werden solche Überlegungen außerdem auch erst, wenn man direkt bei Wiederaufforstung oder Sukzession ausreichende Schneisen einplant, damit auch in den besonders kritischen Folgejahren die allseits geforderte intensive Bejagung erfolgen kann. In Nordrhein-Westfalen sind bewährte Bejagungsstrategien zur Unterstützung landesweiter Wiederaufforstungsmaßnahmen spätestens seit Kyrill bekannt. Auch eine sachgerechte Besucherlenkung nach entsprechender Aufklärung der Bevölkerung darf kein Tabu sein, um die Ziele der Waldsicherung und Wiederaufforstung zu erreichen.

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