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RWJ 11/2019: Editorial

Rechtsfreie Räume

Anfang Mai 2019: In den vergangenen Monaten sind rund um den Hambacher Forst mehrere Hundert Reviereinrichtungen zerstört worden, manchmal in einer einzigen Nacht über 80 – vermutlich durch militante Aktivisten aus dem berüchtigten Camp.

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Matthias Kruse
Chefredakteur Rheinisch-Westfälischer Jäger

Die Jäger sind entsetzt und hilflos angesichts der Untätigkeit der Polizei, bislang kam es nicht in einem einzigen Fall zur Verurteilung. Die dringend nötige Bejagung der Sauen (die ASP wütet keine 100 km entfernt davon !) ist längst unmöglich, etliche Beständer haben aufgegeben, um die Reviere kümmert sich jetzt RWE. Bei einer nächtlichen Streife erwischen Jäger vermummte Hochsitz-Zerstörer auf frischer Tat, diese flüchten in ein nahe gelegenes Gehölz, mit Nachtsichtgeräten gut zu beobachten. Die herbei gerufene Polizei weigert sich allerdings, die Straftäter festzunehmen – „aus Gründen der Eigensicherung“. Seit den Ereignissen der Silvesternacht 2015 in Köln und dem Hamburger G 7-Gipfel 2017 bemüht man sich in NRW, den Eindruck zu erwecken, Herr der Lage zu sein und führt gegen kriminelle Clans Razzien in früheren „No-go-Areas“ im Ruhrgebiet durch. Die Politik verkündet großmundig, „rechtsfreie Räume“ würden bei uns nicht geduldet.

 

Nur merken die Jäger rund um den Hambacher Forst davon leider gar nichts. Die Verzweiflung der Alleingelassenen gipfelte beim Besuch des RWJ im traurigen Hilferuf: „Irgendwann ist die Stimmung so aufgeheizt, dann liegt einer tot im Wald ...“ Dazu darf es natürlich nicht kommen, jedem vernünftigen Jäger muss völlig klar sein, dass Selbstjustiz nie eine Lösung sein darf. Aber der Glaube an den Rechtsstaat, einen der wichtigsten Grundpfeiler unseres sozialen Zusammenlebens, gerät in Gefahr, denn genau dieses Gefühl der Hilflosigkeit und Schutzlosigkeit treibt Menschen in die Arme von Rattenfängern – und zwar nicht nur im Osten Deutschlands. Rechtsfreie Räume darf es weder in Duisburg-Marxloh, auf der Kölner Domplatte, vor der Synagoge von Halle oder rund um den Hambacher Forst geben!

 

17. Oktober 2019: Umwelt-Aktivisten blockieren im morgendlichen Berufsverkehr an der Station „Canning Town“ im Osten Londons eine U-Bahn, indem sie aufs Dach klettern und dort Banner entfalten. Aufgebrachte Pendler bewerfen sie mit Abfall, ziehen sie herunter und machen ihnen unmissverständlich klar, was sie von solchen Aktionen halten. Die Polizei kann Schlimmeres verhindern und leitet nach der Festnahme Verfahren wegen verschiedener Straftaten ein. Gegen die Aktivisten natürlich. Geht doch. Irgendwie schade, wenn die Briten uns nun verlassen, ganz unerwartet kann man in diesen Tagen von der ältesten Demokratie der Welt doch noch was lernen.

 

Matthias Kruse

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