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RWJ 10/2021: Editorial

Miteinander – aber richtig

Dass wir uns in diesem Monat gemeinsam zu Wort melden, hat einen traurigen Anlass – das katastrophale Sterben der Wälder zwischen Rhein und Weser.

Editorial

Nicole Heitzig Präsidentin des Landesjagdverbandes NRW, Bild: K.-H. Volkmar

Editorial

Dr. Philipp Frhr. Heereman Vorsitzender des Waldbauernverbandes NRW

Bereits im Frühjahr des vergangenen Jahres verabredeten der Landesjagd-verband und die Waldbauern in NRW eine gemeinsame Strategie, damit die Wiederbewaldung der riesigen Kahlflächen gelingen kann. Seitdem ist viel passiert – nur das Absterben besonders fichten-dominierter Bestände geht ungebremst weiter. Die Wiederbewaldung wird zwar in den nächsten Jahren mit Milliarden-Zuschüssen von Bund und Land unterstützt, aber die Zeiten, in denen Aufforstungen oder Naturverjüngungen großflächig durch Zäune geschützt wurden, sind lange vorbei. Vor diesem Hintergrund kommt einer angepassten Bejagung der wiederkäuenden Schalenwildarten eine Schlüsselrolle zu – jedenfalls solange, bis die Kulturen und Naturverjüngungen dem Äser entwachsen sind. Auf der weit überwiegenden Fläche von NRW reden wir dabei hauptsächlich von Rehen. In den nächsten fünf Jahren muss der Abschuss an und um die Kahlflächen erkennbar erhöht werden (Schwerpunkt-Bejagung). Um dies sowohl unter handwerk lichen wie waidgerechten Bedingungen zu erreichen, bedarf es eines intelligenten Jagdmanagements auf und um diese Flächen herum. Dazu zählen praktikable Schneisen-Systeme ebenso wie die Anlage ausreichender Äsungs- und Ruhezonen. Anders formu liert – die Rehe müssen lernen, dass es auf diesen Flächen für sie dauerhaft hoch gefähr lich ist ... und anderswo ruhiger und attraktiver, bei gutem Nahrungsangebot.

Damit so etwas funktionieren kann, bedarf es eines intensiven Miteinanders

von Waldbesitzern und Jägern – von Anfang an. Wenn Verantwortliche von Verbänden gemeinsame Strategie-Papiere ausarbeiten, ist damit noch nichts gewonnen. Die vereinbarte Zusammenarbeit muss auch gelebt werden. Draußen in den Jagdrevieren, draußen im Wald. Wir rufen Jäger und Waldbesitzer ausdrücklich dazu auf, sich in diesen Wochen an den Kahlflächen zu verabreden. Dabei können Jäger viel von den Sorgen der Waldbauern lernen und teilhaben an ihren Plänen und forstlichen Zielen der Zukunft. Mancherorts sind Pflanzungen geplant (bei entsprechender Liquidität), vielerorts wird die Naturverjüngung dominieren. In beiden Fällen wünschen sich Waldbauern, dass junge Bäume möglichst unbeschadet groß werden können. Damit Wünsche Wirklichkeit werden können, braucht es bei Grundeigentümern Verständnis für jagdliches Handwerkszeug wie Hochsitze (NEU: die Sie gefördert bekommen), Schneisen, Ruhezonen, Äsungsflächen.


Wo weitere Arten hinzukommen (Rot-, Sika- u. Muffelwild), wird es nicht einfacher. Auch wir Jäger müssen in diesen besonderen Zeiten dazu lernen,

so könnte man etwa wildbiologisch und jagdpraktisch erprobte Methoden zu einer befristeten Absenkung (sinnvollerweise revierübergreifend !) von Rotwildbeständen in Regionalveranstaltungen an Brennpunkten im Land diskutieren, dazu gibt es u. a. gute Ausarbeitungen der Deutschen Wildtierstiftung.

Ohne Alternative bleibt allerdings das unbedingte Miteinander – jenseits von Absichtserklärungen braucht es den regelmäßigen Austausch, damit Vertrauen entstehen kann. Treffen Sie sich also regelmäßig draußen im Wald, um miteinander abzu gleichen, ob gemeinsame Pläne auf einem guten Weg sind oder wo man vielleicht noch etwas nachschärfen muss. Helfen können dabei auch Soziale Netzwerke wie Whatsapp-Gruppen, wo sich Eigen tümer bei Waidmannsheil per Foto gleich mit uns Jägern freuen können.

Was dabei herauskommt, wenn Betroffene nur übereinander anstatt miteinander reden, erlebt man derzeit im Rest der Republik, auch das bisherige Scheitern

der Novelle zu einem neuen Bundesjagdgesetz hat wohl etwas damit zu tun.

Wir Jäger und Waldbesitzer zwischen Rhein und Weser können stolz sein auf unseren nordrhein-westfälischen Weg – lassen Sie uns dieses echte Miteinander in den nächsten Jahren auch leben !

 

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