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RWJ 08/2020: Editorial

Mit gutem Gewissen und der Flinte in der Hand

Im Frühjahr haben wir schwache Böcke und Schmalrehe erlegt, im Juli an milchreifem Weizen auf Sauen angesessen und in der Blattzeit nach reifen, alten Böcken Ausschau gehalten. Nun stehen die ersten Erntejagden am Raps, später im Jahr am Mais an. Und dann beginnen auch schon bald wieder die Drückjagden.

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Felix Höltmann
Redakteur

Der Schwerpunkt vieler Jäger in Nordrhein-Westfalen liegt mittlerweile beim Schalen wild – auch weil es die Gesellschaft im Kampf gegen die Afrikanische Schweine pest und aufgrund von Wildschäden in der Landwirtschaft und im Forst von uns so verlangt.

 

Dabei ist unsere Heimat zwischen Rhein und Weser eigentlich ein klassisches Niederwildland. Was dem Mecklenburger der Hirsch oder dem Tiroler seine Gams, ist für uns der rollierende Hase auf herbstlichem Acker und der aus dem Senf steigende Fasan, der mit einer Garbe Schrot vom Himmel geholt wird. Der Ansitz auf den Fuchs am Luderplatz bei klirrender Kälte gehört ebenso zu den schönsten Jagderlebnissen wie das Klüngeln mit guten Freunden entlang an Hecken und Böschungen.

 

Leider geriet diese Jagd mit der Flinte in den vergangenen Jahren mehr und mehr in den Hintergrund. Dabei können Niederwild-Reviere Jagdfreude im besten Sinne bieten. Wir hegen dort Wild und andere bedrohte Arten über das ganze Jahr, verbessern Lebensräume, legen Hecken und Blühflächen an, beschicken Fütterungen und stellen Prädatoren wie Fuchs, Waschbär und Krähe mit Falle, Flinte und Büchse nach. All das, um im Herbst mit alten Freunden auf geselligen Treibjagden guten Gewissens Beute machen zu können.

 

Beim Niederwild geht es in erster Linie um die Freude an der Jagd. Und eben nicht primär um die Verhinderung von Wildschäden. Deshalb legen wir in dieser Ausgabe einen Schwerpunkt auf die Niederwildhege. In fast jedem Revier kann man die Lebensbedingungen von Hase, Fasan und Co. verbessern. Das macht Arbeit, aber auch große Freude. Denn was gibt es Schöneres als eine herbstliche Treibjagd mit firmen Hunden, deftiger Erbsensuppe am Mittag, Klönen auf dem Jagdwagen und abends im Hörnerklang vor einer bunten Strecke zu stehen ? In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen Waidmannsheil.

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