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RWJ 12/2022: Editorial

Menschen, Lieder, Emotionen

Begleiten Sie mich auf eine kleine Melodien-Reise durch das langsam austrudelnde Jahr? 25. Februar, Lüdinghausen: Beerdigung eines lieben Jagdfreundes, einen Tag nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine: 

Die Zukunft liegt in Finsternis und macht das Herz uns schwer (aus dem Volkslied „Nehmt Abschied Brüder“, Melodie nach einem schottischen Volkslied/18. Jhdt). Die Beklemmung und Ungewissheit der Trauernden ist mit den Händen zu greifen – wie soll Alles werden, wie wird es weitergeh‘n?

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Matthias Kruse, Chefredakteur Rheinisch-Westfälischer Jäger

28. April, Türkei: Ende einer RWJ-Leserreise, ungewisser Aufbruch nach unendlich erscheinender Corona-Lähmung, nach der Spurensuche im Leben

des hl. Nikolaus erlegte die Gruppe am Bosporus in fünf Nächten über 40 starke Keiler, unterstützt von einem Schweißhundführer aus der Heimat, fröhlich und reich beschenkt hallt unser Horrido durch das noble Hotel in Antalya.

2. September, Buschmannland/Namibia: an der Grenze zu Botswana, tausende km von der Heimat, harte Jagd bei 40 Grad in der Dornenhölle. Hinter den Trackern auf der Fährte des großen schwarzen Geistes will mir den ganzen Tag die letzte Strophe eines Liedes aus Kindertagen nicht aus dem Sinn: Tret ich die letzte Reise, die große Fahrt einst an (aus dem Wanderlied: „Wie oft sind wir geschritten“/R. Götz 1921), abends über Satelliten-Telefon ein Anruf, der mich schaudern lässt – genau an diesem Tag ist ein über alle Maßen geliebter Mensch, jahrelange Partnerin und Kollegin, nach langer Krankheit in die ewigen Jagdgründe gewechselt...

6. November, St. Anna/Krefeld: Nach zwei Jahren Zwangspause wieder eine Hubertusmesse. In die dunkle Stille der proppenvollen kleinen Kirche hallt die Begrüßung, meisterhaft intoniert von den besten Jagdhornbläsern Deutschlands unter Landesobmann Michael Müller. Gänsehaut pur, nicht nur die ergriffenen Besucher lechzen nach Normalität, auch die Bläser atmen an diesem denk-würdigen Abend nach jahrelanger Auftrittssperre spür- und hörbar auf...

27. November, frühestmöglicher 1. Advent: Ihr Wolken brecht und regnet aus (aus dem Adventlied „O Heiland, reiß‘die Himmel auf“/Friedrich Spee 1622): Genau 400 Jahre nach seiner Entstehung klingt das alte Lied aktueller denn je, soviel Wasser wie wir gerade in diesem Jahr bräuchten, fehlte noch nie, aber das gilt nicht nur für Wasser: „Das Lied ist kein Klingeling, es ist der bittere Ruf nach Gerechtigkeit, die Klage darüber, dass Weihnachten nicht kommt, obwohl es im Kalender steht, Spee hat es nicht bei Forderungen an den himmlischen Heiland belassen, er wurde zum Widerständler, zum Whistleblower des 17. Jahrhunderts, sein TrostschreiLied ist Weihnachten so erschütternd wahr wie 1622.“ (Heribert Prantl/SZ)

24. Dezember, Weihnachten: Welt ging verloren (aus: „O Du Fröhliche“, Johannes Daniel Falk verlor vier seiner zehn Kinder durch eine Typhusseuche, gründete in Weimar ein Rettungshaus für verwahrloste Kinder und widmete ihnen 1816 das berühmte Weihnachtslied)

Doch die Kerzen im Advent und das Licht über der Krippe bringen uns auch nach diesem Jahr mit seinen unendlich vielen Aufs und Abs Hoffnung. Hoffnung darauf, dass es besser wird. Damit es besser werden kann, braucht es vor allem UNS – Menschen, die diese Hoffnung leben und damit auch andere wieder hoffen lassen.

Ich wünsche Ihnen ein friedvolles Weihnachtsfest und ein gesundes, glückliches neues Jahr – Waidmannsheil auf all‘ Ihren Wegen!

Matthias Kruse

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Titelbild: K. - H. Volkmar

 


Im November-RWJ wurde das Autoren-Team des Rotwild-Gutachtens für NRW leider nur unvollständig veröffentlicht – hier alle Verfasser – wir bitten das Versehen zu entschuldigen:

Prof. Dr. Dr. Gerald Reiner, Julian Laumeier, Hermann Willems

Arbeitskreis Wildbiologie, Justus Liebig Universität Gießen


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