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RWJ 08/2015: Editorial

Jung geblieben - für Jagd und Jäger

Zwischen diesen beiden Porträts liegen 300 Ausgaben des RWJ, drei LJV-Präsidenten, vier Umweltminister, zwei Dackel, zwei Kleine Münsterländer, eine Polnische Bracke, ungezählte Umzüge unseres Büros und etliche Kilos zu viel. In diesem Sommer versuche ich genau 25 Jahre lang, Sie jeden Monat über alles Wichtige rund um die Jagd (nicht nur zwischen Rhein und Weser) zu informieren.

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Matthias Kruse, Chefredaktuer Rheinisch-Westfälischer Jäger - damals und heute.

Nun denkt man ja nicht dauernd darüber nach, wie lange man seiner Aufgabe schon nachgeht – auf jeden Fall war ich doch bestürzt, als mich unlängst ein Kollege darauf hinwies, dass es im gesamten deutschsprachigen Raum niemanden gibt, der schon länger für die Redaktion einer Jagdzeitung verantwortlich ist. „So ein alter Sack bist du also schon“, schoss es mir in den Sinn.

 

Und doch – langweilig war nicht einer dieser 9.131 Tage (inkl. der Schaltjahre) in der RWJ-Redaktion. Dabei denke ich weniger in jagdpolitischen Dimensionen, auch wenn es gerade heute durchaus Sinn machen würde, sich an Zeiten zu erinnern, in denen unser Jagdverband mit einem Umweltminister Klaus Matthiessen auf freiwilliger Basis (!) so etwas wie die „Düsseldorfer Vereinbarung“ abschloss und lebte – zum Wohle von Naturschutz und Jagd, im völligen gesellschaftlichen Konsens.

 

Ich denke eher an stille, kleine Sternstunden eines Jagd-Redakteurs:
Wie die verzweifelte Bitte einiger Jäger, einen Aufruf zu starten, um einen geeigneten Knochenmarkspender für ihren todkranken Jagdfreund zu finden. Wohl wissend, nach der berüchtigten Nadel im Heuhafen zu suchen (was sollte schon dabei herauskommen, wenn selbst der Abgleich mit millionenfachen Datenbanken weltweit keinen Erfolg hatte?), haben wir diesen Aufruf natürlich veröffentlicht. Mir läuft es noch heute kalt über den Rücken, wenn ich daran denke, wie mir einige Wochen darauf ein völlig aufgelöster Jäger fast weinend am Telefon berichtete, durch die Bitte im RWJ sei tatsächlich der richtige Spender gefunden – und seinem Kollegen das Leben gerettet worden …

 

Dann war da der Freund, den ich auf ein Wochenende mit der RWJ-Akademie einlud, weil ganz kurzfristig jemand abgesagt hatte. Obwohl der selbstständige Unternehmer gerade von der Jagd wiederkam, nahm er sich die Zeit. Diese „Investition“ sollte sich auszahlen, denn er lernte bei dieser Gelegenheit seine zukünftige Frau kennen. Trauzeuge war der „verantwortliche“ RWJ-Chef – in der Hochzeitsgesellschaft von manchem auch der „Schuldige“ genannt … Dass über dieser Verbindung ein glücklicher Stern stehen muss, sollte sich Jahre danach bestätigen, als ausgerechnet dieser Freund bei einer Leserreise nach Südafrika Auge in Auge nahezu unbeschadet die Attacke eines wütenden Spitzmaul-Nashorns überstand …

 

Ob man auf irgendetwas stolz sein kann, nur weil man es 25 Jahre macht, weiß ich nicht. Aber dankbar bin ich für vieles, v. a. über die vielen tollen Menschen, die ich im Dienst für Jagd und Jäger auf der ganzen Welt kennenlernen durfte: meine Freunde in Pakistan, mit denen ich lange vor nine-eleven im Angesicht von 8 000er-Himalaya-Riesen am Indus hinter wilden Schweinen her war (darunter der unvergessene Rudi Humme), meine Bergführer im Dschungarischen Alatau an der kasachisch-chinesischen Grenze, die mit ihren unglaublichen Ponys aus dem Abenteuer für die RWJ-Gruppe (kein Teilnehmer unter 70 Jahre alt!) eine überaus erfolgreiche Steinbockjagd machten.

 

Nicht zu vergessen meine Kumpels in Deutsch-Südwest (Namibia), bei denen ich so unendlich viel lernen durfte und weiter lernen darf – und nicht zuletzt meine Partnerin, die ich bei einer Reportage über jagende Frauen ins Herz schloss …

 

Zumindest im Kopf bin ich jung geblieben dabei. Und immer noch wissbegierig, mehr zu erfahren über die Sache mit der Jagd. Wäre schön, wenn Sie mich als Leser des RWJ dabei auch weiter fordern und kritisch begleiten.

 

Waidmannsheil auf allen Wegen!

 

Matthias Kruse

 

Jagdrechtsnovelle und Landesjägertag 2015

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