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RWJ 09/2020: Editorial

In Eigenverantwortung und Solidarität

Im Kalender hat der Herbst schon begonnen. Die Hochsaison der Jagd bringt uns auch verbandspolitisch wichtige Aufgaben.

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Ralph Müller-Schallenberg
Präsident des Landesjagdverbandes NRW

Trotz anhaltender Corona-Pandemie können wir am 30.Oktober in Bielefeld die Jahresmitgliederversammlung unter Einhaltung der Hygieneregeln zum Gesundheitsschutz abhalten. Dabei stehen die Neuwahl des Präsidiums und der künftige Jagdbeitrag auf der Tagesordnung.

 

Seit Abschaffung der staatlichen Jagdabgabe kommt mehr Eigenverantwortung auf uns zu, der sich jeder Jäger in Nordrhein-Westfalen durch Mitgliedschaft im Landesjagdverband stellen sollte. Dieses Mindestmaß an Solidarität müssen wir alle miteinander aufbringen, wenn wir die Jagd in Zukunft sichern wollen.

 

Die Materie Jagdbeitrag, die wir in dieser Ausgabe nochmals ausführlich erläutern, ist eigentlich ganz einfach – es geht darum, die entfallene staatliche Jagdabgabe (45 Euro pro Jahresjagdschein) umzuwandeln in einen Jagdbeitrag über den Landesjagdverband. Die wichtigen jagdlichen Gemeinschaftsaufgaben, die bisher aus der staatlichen Jagdabgabe finanziert wurden, könnten ohne die finanziellen Mittel aus dem künftigen Jagdbeitrag nicht mehr realisiert werden. Entscheidend für das Vertrauen in den Jagdbeitrag ist es, dass wir ein Regelwerk entwickelt haben, das die unabhängige Mittelvergabe nach klaren Kriterien und in vollständiger Transparenz sicherstellt. Dies ist gelungen und wird durch die einstimmige Verabschiedung durch Präsidium und Landesvorstand eindrucksvoll untermauert.

 

Da coronabedingt viele Jahresversammlungen der Kreisjägerschaften verschoben werden mussten, vermitteln wir dieses Konzept auf neue Weise – dazu wurde ein „Erklär-Video“ ins Netz gestellt, das zunächst in den Kreis jägerschaften gezeigt werden sollte. An vielen dieser Versammlungen hätte ich persönlich gern teilgenommen ... aber in diesen Zeiten muss man manchen Umweg nehmen.

 

Das gilt nicht für die Rehwildbejagung, die uns ab September mehr Möglichkeiten als zu jeder anderen Jahreszeit bietet. Wir sollten sie entschlossen nutzen und unseren NRW-Weg zu Wald mit Wild nicht nur weisen, sondern auch entschlossen gehen. Unterdessen hat das Bundeslandwirtschaftsministerium einen Entwurf zur Änderung des Bundesjagdgesetzes vorgelegt. Die Themen Jagdmunition, Schießübungsnachweis und Jägerprüfung sind bereits abgestimmt und finden die Unterstützung der Jäger. Weitere Änderungen sollen laut Ministerium „einen angemessenen Ausgleich zwischen Wald und Wild herstellen“. Mit Jagd allein kann man die Ziele des Waldumbaus aber nicht erreichen. Der LJV wird dem NRW-Umweltministerium seine Haltung darlegen und auf unserem Weg Wald mit Wild bestehen.

 

Waldbauern und Jäger in NRW sind nach außergewöhnlichen Stürmen, Trockenjahren und Borkenkäfer-Massenvermehrungen in gemeinsamer Sorge um die Zukunft des Waldes. Zum Erfolg der Wiederaufforstungen muss der Wildbestand an und um solche Flächen in den nächsten Jahren reduziert werden. Darauf haben sich Landesjagdverband, die Familienbetriebe Land und Forst, die Verbände der Waldbauern sowie Eigenjagdbesitzer und Jagdgenossenschaften in NRW Anfang des Jahres verständigt – jetzt können und müssen wir diese Verein barung auch leben. Ab dem 1. September hat die beste Zeit dafür begonnen – in praktischer Eigenverantwortung und Solidarität.

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