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RWJ 03/2020: Editorial

Echte Fründe

Am 18. März 2015 wurde auf der Rheinknie-Brücke vor dem Düsseldorfer Landtag Geschichte geschrieben: Über 15 000 Menschen demonstrierten friedlich gegen die Benachteiligung des ländlichen Raums. Und zwar nicht nur Jäger – Landwirte, Waldbauern und viele andere protestierten mit uns.

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Genau fünf Jahre danach gibt es einen besonderen Grund, daran zu erinnern. Allein zwischen Eifel und Weserbergland sind durch Dürre und Borkenkäfer in den letzten Jahren rund 50 000 ha Wald zerstört worden – eine Fläche größer als die der Millionenstadt Köln ! Was in diesem Jahr noch hinzukommt, ist noch gar nicht absehbar. Für die Wiederbewaldung dieser unfassbar großen Kahlflächen stellen Bund und Land Hunderte Millionen Euro bereit. Damit diese Mammutaufgabe gelingen kann, wird es ohne die Hilfe der Jäger aber nicht gehen. In unserer unmittelbaren Nachbarschaft Rheinland-Pfalz wird diese „Hilfe“ mit brachialen Mitteln eingefordert: Mindestabschusspläne, körperlicher Nachweis – und wer nicht genug tote Rehe vorweist, wird mit saftigen Bußgeldern belegt. Auch in vielen anderen Regionen Deutschlands tobt rund um die Wald-Wild-Problematik ein Krieg der Worte und Auflagen – fragen Sie mal Jagdfreunde aus Brandenburg oder Bayern ...

 

Wohltuend anders gehen die Beteiligten bei uns mit den schwierigen Aufgaben um – private Waldbauern (in NRW für rund zwei Drittel aller Wälder verantwortlich) haben mit den Jägern auf freiwilliger Basis einen Pakt geschlossen. Der Gesetzgeber begleitet diesen Pakt, der u. a. die regionale Erweiterung der Jagdzeit für Rehe in den April empfiehlt, mit einem sehr ausgewogenen Rechts-Instrument: Die Jagdzeit wird nicht wie anderswo mit einer Verordnung rasenmäherartig aufs ganze Land erweitert, sondern die Unteren Jagdbehörden werden mit einem Erlass ermächtigt, ausschließlich an Wiederaufforstungen im April die Bejagung von Schmalrehen und Böcken zu erlauben. Befristet auf fünf Jahre. Nun ist es an uns, unsere Verbundenheit mit den Waldbauern zu zeigen. Solidarität ist eben keine Einbahnstraße – sie muss auch gelebt, sprich umgesetzt werden. Die Waldbauern erwarten von uns, dass wir an Wiederaufforstungen verstärkt und gezielt dafür sorgen, dass dort die nächste Waldgeneration weitgehend ohne massive Verbiss- und Fegeschäden groß werden kann. Wie wir das hinkriegen, liegt an uns selber – mancher schaffts locker im bisherigen Rahmen, der andere braucht den April.

 

Für den dafür nötigen, erheblichen Mehraufwand fordern Waldbauern und Jäger einen angemessenen staatlichen Zuschuss, wie es ihn anderswo auch schon gibt, etwa in Höhe von 100 € pro neu aufzustellender Ansitzeinrichtung !

 

Dazu haben die Waldbauern zugesagt, schon bei der Planung der Wiederaufforstungen gemeinsam mit den Jägern vor Ort die nötigen Schneisen freizuhalten, um eine effektive Bejagung in den nächsten Jahren auch zu gewährleisten. Bevor nun gleich wieder reflexartig der Untergang von Wild und Jagd beschworen wird, sollten wir Jäger v. a. ruhig bleiben und auch ein wenig verbal abrüsten. Dieser Konflikt geht eben nicht wieder mal „zulasten unseres Wildes“, Rehe werden eben nicht als „Sündenböcke“ verteufelt, es heißt eben nicht generell „Wald vor Wild“. Damit genau das auf Dauer vermieden wird, müssen wir in den nächsten Jahren aber dafür sorgen, dass die jungen Bäume gesichert aus dem Äser der Rehe kommen – und bei den vielerorts eingesetzten Douglasien (eine bevorzugt verfegte Baumart) auch aus dem Bereich der Böcke. Genau dabei kann der April helfen – ohne im Mai nachzulassen.

 

Und eins darf nicht vergessen werden – danach werden auf großer Fläche Wild-Paradiese entstehen, Einstände par excellence, die jedem Jäger Freude machen. Treffen Sie sich also in diesen Tagen mit „Ihren“ Waldbauern, begehen gemeinsam die Kahlflächen – und machen einen guten Plan. Vielleicht richten Sie gleich eine eigene WhatsApp-Gruppe ein, um sich darin über weitere Schritte und Erfolge auszutauschen. Auch wenn der Karneval vorüber ist: Echte Fründe ston zesamme – und zwar nicht nur auf der Brücke, sondern auch im gemeinsamen Einsatz draußen im Wald.

 

Matthias Kruse

Chefredakteur Rheinisch-Westfälischer Jäger

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