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RWJ 05/2018: Editorial

Der Wolf macht Sorgen

Pünktlich zum Landesjägertag am 9. Juni in Köln wird der Referentenentwurf für ein neues Landesjagdgesetz das Licht der Welt erblickt haben. Im Mai soll dazu schon die erste Verbändeanhörung laufen. Bei Ministerin Christina Schulze Föcking sind damit Wort und Tat im Einklang – sie hatte bereits im Februar zur Eröffnung der „Jagd & Hund“ für die erste Jahreshälfte einen Entwurf angekündigt und erste Punkte einer Gesetzesänderung öffentlich bekräftigt.

Das Foto zeigt Ralph Müller-Schallenberg - Präsident des Landesjagdverbandes Nordrhein-Westfalen.

Ralph Müller-Schallenberg, Präsident des Landesjagdverbandes NRW.

Dazu gehört die Ausweitung der Liste jagdbarer Arten entsprechend dem Bundesjagdgesetz, Änderungen bei den Jagd- und Schonzeiten, eine schon praktizierte Ausweitung der Fuchsbejagung, der Ersatz des Leistungs- durch einen „Schießübungsnachweis“ und die Erweiterung der zulässigen Kirrmenge auf einen Liter. Das Gesetzgebungsverfahren wird der LJV lebhaft begleiten, wir werden darüber natürlich auch im RWJ aktuell berichten.

 

Für immer mehr Beunruhigung sorgt das Thema Wolf, auch wenn Nordrhein- Westfalen nicht im Zentrum der Probleme steht. In etlichen Bundesländern sieht das aber ganz anders aus – mit immer dramatischeren Schäden beim Weidevieh, wovon 2017 in Deutschland bereits Hunderte von Wölfen gerissen wurden. Die Weideviehhaltung ist in einigen Regionen akut gefährdet, was ökologisch höchst bedenklich ist. In den Gebieten besteht zudem durch Einzäunungen die Gefahr einer Verdrahtung der Landschaft, die jeder Biotopvernetzung widerspricht.

 

Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung heißt es wörtlich: „Wir werden die EU-Kommission auffordern, den Schutzstatus des Wolfs abhängig von seinem Erhaltungszustand zu überprüfen, um die notwendige Bestandsreduktion herbeiführen zu können. Unabhängig davon wird der Bund mit den Ländern einen geeigneten Kriterien- und Maßnahmenkatalog zur Entnahme von Wölfen entwickeln. Dazu erarbeiten wir mit der Wissenschaft geeignete Kriterien für die letale Entnahme.“

 

Das dringende Erfordernis, den Wolfsbestand zu reduzieren, ist bei allen seriösen und relevanten Beteiligten längst nicht mehr umstritten. Der Deutsche Jagdverband fordert deshalb in einem aktuellen Positionspapier die baldige Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz, um bundeseinheitliche Regelungen zum künftigen Umgang mit dem großen Prädatoren zu gestalten. Eine generelle Bejagung ist damit nicht möglich, da Wölfe über die FFH-Richtlinie weiter streng geschützt sind. Allerdings wird so eine Grundlage geschaffen, um bundesweit gültige Managementmaßnahmen auf Basis des Koalitionsvertrages der Bundesregierung zu erarbeiten. Der DJV lehnt mit unserer Unterstützung Vorstöße aus Brandenburg oder Südwestdeutschland ab, über Behörden „bewaffnete Eingreiftrupps“ einzuberufen.

 

Wenn es um die Entnahme von Wölfen geht, muss erster Ansprechpartner immer der ortskundige Jäger sein – alles andere wäre ein inakzeptabler Eingriff ins Eigentumsrecht. Nur wenn der Jagdausübungsberechtigte notwendige Managementmaßnahmen nicht umsetzen kann oder möchte, sollten Behörden eingreifen können. Derzeit gibt es laut DJV in Deutschland etwa 800 Wölfe. Mit ihrer Zahl wachsen die Sorgen und Ängste der ländlichen Bevölkerung. Diese müssen endlich ernst genommen werden. Die Zeit drängt.

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