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RWJ 07/2019: Dr. Volker Böhnung zum DJV-Präsidenten gewählt

Zeitenwende in Berlin

Hartwig Fischer hat den DJV in den vergangenen acht Jahren gut für zukünftige Auseinandersetzungen aufgestellt. Andreas Leppmann stand ihm als Geschäftsführer zur Seite – der Abschied von diesen „Motoren“ war höchst emotional.

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Wolfgang Heins, Helmut Dammann-Tamke, Kurt Alexander Michael, Dr. Volker Böhning, Ralph Müller-Schallenberg und Dr. Dirk Wellershoff (v. l.) bilden das neue DJV-Präsidium.

Gänsehautmoment im Sitzungssaal – Hartwig Fischer geht mit einer gebrochenen Hahndoppelflinte im Kaliber 28 auf Andreas Leppmann zu, überreicht ihm das Familienerbstück und dankt ihm für die unermüdliche Arbeit der vergangenen Jahre – etwa 300 Delegierte des Bundesjägertages 2019 in Berlin erhoben sich und spendeten dem scheidenden Geschäftsführer minutenlang Applaus. Der Münsterländer Leppmann tritt ab und widmet sich fortan seinem Herzensprojekt – der „Fellwechsel“ GmbH. In der Berliner Geschäftsstelle folgt ihm Olaf Niestroy als DJV-Geschäftsführer nach. Der Niedersachse Fischer tritt ebenfalls aus eigenem Entschluss und schweren Herzens ab. Nach einem Hörsturz kann er seinen eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden, auch wenn er das Amt gerne weitergeführt hätte.

 

Fischer hat den DJV für künftige Auseinandersetzungen gerüstet und die Geschäftsstelle zu einer motivierten und professionellen Truppe ausgebaut. Früh erkannte er das Potenzial der neuen Medien und führte den DJV in diesem Bereich in die Gegenwart. Mit seiner menschlichen Art kam er gut an – hart in der Sache, aber immer faktenorientiert, sachlich, gemeinnützig – das war sein Anspruch. In seiner Rede ging er noch mal auf die wichtigsten Themen seiner Amtszeit ein. Als die ersten Wölfe in die Lausitz kamen, habe auch der DJV die Rückkehrer begrüßt. Doch sehr bald wiesen Verbände wie Sachsen und Niedersachsen auf Probleme bei starker Vermehrung hin. In den vergangenen Jahren habe er vonseiten der Politik vor allem Ignoranz und Rücksichtslosigkeit gegenüber der Landbevölkerung erfahren. Ängste und Sorgen von Dorfbewohnern und Weidetierhaltern werden entgegen allen Beteuerungen bis heute nicht ernst genommen.

 

 

Jäger müssen zuständig sein

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Die KJS Paderborn wurde für ihre Dauerausstellung zu Jagd und Natur in einem begehbaren Spektiv aus Holz auf der Landesgartenschau in Bad Lippspringe ausgezeichnet.

Fischer stellte klar, dass das erste Recht bei der Bejagung bestimmter Arten immer bei den Jägern liegen müsse. Man dürfe nicht zulassen, dass sich neben staatlich geprüften Jägern auch Nutria-, Waschbäroder Marderhund-Töter etablierten. Er warnte ausdrücklich vor radikalen Tierrechtsgruppen wie PETA oder ALF („Animal Liberation Front“), die die Jagd abschaffen wollen und dabei nicht zimperlich vorgehen. So sei eine Sparkasse, die „Fellwechsel“ unterstützen wollte, so stark unter Druck gesetzt worden, dass sie die Zusammenarbeit mit dem DJV wieder einstellte. Fischer forderte, solchen Gruppen die Gemeinnützigkeit zu entziehen. Ausdrücklich lobte Fischer den LJV Nordrhein-Westfalen als positives Beispiel für den Widerstand gegen Gängelungen durch grüne Minister.

 

Dabei würdigte er den Zusammenschluss mit anderen Landnutzerverbänden und stellte einen nicht unerheblichen Anteil am Regierungswechsel fest. Junge Menschen beziehen Informationen heute vor allem über das Internet – klar, dass der Jagdverband auch dort präsent sein müsse: „Als der Youtuber Rezo sein Video mit dem Titel „Zerstörung der CDU“ ins Netz stellte, war die Union vier Tage lang nicht in der Lage, zu antworten – das darf uns nicht passieren“, betonte der scheidende Präsident. Die Gefahr bestehe aber nicht. Der DJV sei online gut aufgestellt und interagiere schnell und professionell in der digitalen Welt.

 

 


Böhning einstimmig gewählt

Bei den turnusgemäß anstehenden Wahlen wurde Dr. Volker Böhning (Mecklenburg-Vorpommern) einstimmig zum neuen DJV-Präsidenten gewählt. Als erste Amtshandlung schlug er Hartwig Fischer zum Ehrenpräsidenten vor, was einstimmig angenommen wurde. Dr. Böhning ist bereits seit 2011 DJVVizepräsident und seit 2002 Präsident des LJV Mecklenburg-Vorpommern. Er studierte an der Humboldt-Universität Berlin Veterinärmedizin, promovierte an der Uni Rostock und war lange Zeit Landrat des Landkreises Uecker-Randow. „Ich bin vom Vertrauen, das mir entgegen gebracht wird, überwältigt und nehme die Wahl natürlich sehr gerne an“, sagte Böhning im Anschluss an seine Wahl. Ralph Müller-Schallenberg (NRW), Helmut Dammann-Tamke (Nds.) und Wolfgang Heins (S-H) wurden einstimmig zu seinen Stellvertretern gewählt, Dr. Dirk Wellershoff (Brandenburg) mit 11 Gegenstimmen.

 

 


Jäger aus NRW ausgezeichnet

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Kathrin Depka und Berthold Antpöhler inmitten anderer ausgezeichneter Jäger.

Für ihre außergewöhnlich gute Öffentlichkeitsarbeit wurden mehrere Jägerorganisationen mit dem „DJV-Sonderpreis Kommunikation“ ausgezeichnet. Den ersten Platz erhielt die KJS Paderborn für ihre Dauerausstellung zu Wild, Jagd und Natur auf der Landesgartenschau in Bad Lippspringe in einem begehbaren Fernrohr aus Holz. Während der Gartenschau 2017 gab es mehr als 1 300 Führungen und einen eigenen „Tag der Jagd“ mit mehr als 3 000 Besuchern. Kathrin Depka von der Kölner Jägerschaft entwarf die Ausstellung „Wildes Köln – jagendes Köln“, in der Themen wie Tierschutz, Jägerausbildung, Tier- und Pflanzenwelt, Umweltbildung oder Wildbret modern in Szene gesetzt wurden. Der Hegering Emsdetten (ST) wurde für sein Engagement gegen die Naturentfremdung bei Kindern ausgezeichnet.

 

Diplom-Designer Johannes Judith entwarf gemeinsam mit dem Hegering und dem bekannten Tier- und Landschaftsmaler Bernd Pöppelmann Malbücher mit Motiven der heimischen Tierwelt. Gerhard Thomas (KJS Kleve) war 20 Jahre KJS-Vorsitzender und im LJV-Präsidium aktiv. Bei Wildschutztagen, im Niederwildschutz oder der Wildunfallprävention war er im Einsatz. Dafür wurde er mit der DJV-Verdienstnadel in Gold ausgezeichnet. Dr. Hermann Hallermann erhielt die gleiche Auszeichnung für jahrzehntelanges Engagement als Hegeringleiter in Rinkerode und KJS-Vorsitzender (WAF), Vorsitzender des Davert-Hochwildrings und LJV-Präsidiumsmitglied. Von 2011 bis 19 war er zudem Vizepräsident des DJV und gestaltete die Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes maßgeblich mit.

 

 


Klöckner bringt wenig Greifbares

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Julia Klöckner brachte wenige Neuigkeiten mit, regte aber eine Debatte zur Zusammensetzung des DJV-Präsidiums an.

Als die dunkle Limousine von Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) gegen 11.30 Uhr herannahte, blies DJVJustiziar Friedrich v. Massow „Sammeln der Jäger“, um die Delegierten wieder auf ihre Plätze zu bitten. Die Rede der Ministerin war mit Spannung erwartet worden, schließlich wollten alle endlich hören, wie es rund um Wolfsmanagement, Nachtzieltechnik, Waffenrechtverschärfung oder Bundesjagdgesetz weitergeht. Als Klöckner auf die Bühne kam, setzte sie den ersten Akzent. Mit Blick auf das Präsidium (reine ältere Männerrunde) kommentiert sie trocken: „Ein bisschen viel junge Frauen in ihrem Präsidium ...“ Als sich das Gelächter gelegt hatte, erklärte die Ministerin: „Personen vermitteln Inhalte, wer als Verband in der Mitte der Gesellschaft ernstgenommen werden will, braucht auch jüngere Frauen und Männer im Präsidium.“ Zu aktuellen Themen konnte sie wenig Neues sagen – zu viele würden noch in der Koalition verhandelt.

 

So sieht das Bundesinnenministerium in einem Entwurf die Legalisierung von Schalldämpfern und Nachtzieltechnik vor. Klöckner erklärte, dass auch im Jagdrecht die Nutzung dieser Technik gelockert werden müsse. Sie stehe dem Einsatz positiv gegenüber, erklärte aber, dass Nachtzieltechnik ohne Bejagungsschneisen keinen Sinn mache, dazu müssten Bauern und Jäger an einen Tisch geholt werden. Den mit Umweltministerin Schulze (SPD) ausgehandelten Kompromiss zur Entnahme auffälliger Wölfe verteidigte sie, was aber nur ein erster Schritt sein könne. In der Vergangenheit habe sie als erste Regierungspolitikerin die Begrenzung der Wolfsbestände gefordert. Viel Applaus erhielt die Ministerin für ihre Kritik an Umweltschutzverbänden, die Themen emotionalisieren, um anschließend üppige Spendengelder zu generieren.

 

 


Probleme und Potenzial

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Naturmaler Bernd Pöppelmann und Johannes Judith (r.) nahmen ihren Preis ebenfalls in Berlin entgegen.

Der baden-württembergische Landesjägermeister Dr. Jörg Friedmann berichtete über „Fellwechsel“. Er zeigte sich von der Resonanz bei den Jägern beeindruckt. Es seien 2018 deutlich mehr Tiere angeliefert worden als gedacht – 22 000. Außerdem sei die Hilfsbereitschaft der Aktiven in Hegeringen gegenüber „Fellwechsel“-Mitarbeitern außergewöhnlich hoch. Die Berichterstattung der lokalen Medien sei hervorragend – sogar die grüne Umweltministerin in Sachsen-Anhalt unterstützte das Projekt. Allerdings hat „Fellwechsel“ im ersten Jahr Verluste in Höhe von gut 108 000 € geschrieben. Kosten für den Bau der Abbalgstation, Logistik, Streifen und Gerben stünden bislang nur geringe Einnahmen durch den Balg-Verkauf gegenüber. Man sei aber guten Mutes, dass sich die Situation bessere, da die Vertriebswege gerade erst neu aufgebaut würden.

 

Erstmals würden auch größere Pelzmengen von Kürschnern nachgefragt, dabei sei man mittlerweile größter Inlandslieferant. Da Farmhaltung in Westeuropa ab 2025 verboten sei, entstünde auch dadurch Potenzial, zumal man bei den Stückkosten auf dem Niveau osteuropäischer Pelzfarmen liege. Alle Beteiligten stellten klar, dass die Logistik verbessert würde. Zuvor hatte es vereinzelt Unmut gegeben, weil volle Gefriertruhen in Hegeringen nicht abgeholt werden konnten. Abschließend bat Dr. Friedmann die Raubwildjäger in Deutschland, ihre Bälge auch in Zukunft zu spenden, um dem mutigen Projekt eine weitere Anschubfinanzierung zu geben.

 

 


Solide Finanzen

Kurt Alexander Michael, der als Schatzmeister bestätigt wurde, stellte den Jahresabschluss vor. Der Verband steht finanziell ordentlich da. Es fällt auf, dass die Mittel für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit um rund 25 Prozent gesteigert wurden. Die Ausgaben für Bildungsprojekte, Natur- und Artenschutz sowie Forschung wurden sogar nahezu verdoppelt. Das sind Investitionen in die Zukunft!

 

Felix Höltmann


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