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RWJ 03/2018: Kommentar

Sind die Sauen schuld?

Die Äußerungen der Wissenschaftler des FLI haben die erhitzten Gemüter vieler Landwirte hoffentlich ein wenig beruhigt. Man kann relativ guten Gewissens davon ausgehen, dass keine ASP-infizierten Fleischprodukte aus Polen nach Deutschland gelangen.

Aus den ASP-Gebieten im Osten und Norden Polens dürfen keine Fleischprodukte ausgeführt werden. Das wird wie in jedem anderen EU-Land streng überwacht. Es ist auch nicht fair, alle Schweinefleischprodukte aus Polen zu verbannen. Falls die ASP in Brandenburg ausbrechen würde, wollten wir schließlich auch weiter Schweinefleisch aus Nordrhein- Westfalen exportieren können. Doch die aufgeheizte Debatte zeigt, wie nervös Landwirtschaft und Fleischindustrie sind. Wenn man bedenkt, dass beim Ausbruch der ASP die Existenz vieler Bauernfamilien auf dem Spiel steht, kann man sie nur zu gut verstehen. Wenn man nicht betroffen ist, kann man leicht auf die strengen EU-Richtlinien hinweisen. Wenn der Familienbetrieb, die Arbeit von Generationen bedroht ist, kann man mitunter nicht einfach gelassen bleiben.

 

Angesichts dieser angespannten Situation war es von den Lidl-Einkäufern ausgesprochen unsensibel, gerade jetzt polnische Rohwurst-Produkte in einer Aktion zum Sonderpreis auf den Markt zu werfen. Dass diese Strategie zumindest kritische Fragen aufwerfen würde, war absehbar. Dass jede LKW-Tour von Polen nach Deutschland das Risiko der ASP-Einschleppung steigert, sollte mittlerweile allen Beteiligten klar sein. Doch stattdessen wird vor allem über Methoden zum Abschuss von Sauen diskutiert …

 

Seien wir ehrlich – wenn die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland kommt, dann eher nicht im Körper eines Wildschweins, sondern sehr wahrscheinlich im Radkasten eines Lastwagens – oder im Schinkenbrot eines Fahrers. Die Reduktion der Sauenbestände ist richtig und wir Jäger sind bereit, unseren Beitrag dafür zu leisten. Das Hauptproblem bleibt aber der tägliche Warenverkehr zwischen West und Ost. Felix Höltmann

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