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RWJ 03/2018: Afrikanische Schweinepest

Keine Produkte aus Seuchengebieten im Handel

Mitte Februar bot der Discounter „Lidl“ in seinen Läden im Rahmen einer Aktionswoche polnische Rohwurst an. Das verunsicherte zahlreiche schweinehaltende Landwirte und führte zu einem Sturm der Empörung. Das Friedrich-Loeffler- Institut (FLI) gibt zwar Entwarnung, doch ein fader Beigeschmack bleibt.

screenshot lidl prospekt djv id69599

Stein des Anstoßes – Lidl vermarktet Rohwurst-Produkte aus Polen. Zahlreiche Landwirte befürchten die Gefahr einer Einschleppung der ASP.

Die Fachzeitschrift „top agrar“ griff das Thema als erstes Medium auf. Offenbar hatten sich viele verärgerte, empörte und verunsicherte Landwirte bei der Redaktion in Münster gemeldet oder auf der Internet-Seite des Magazins ihrem Ärger Luft gemacht. Ein Nutzer schlug online vor, eine Ladung Gülle vor der nächsten Lidl-Filiale auszubringen. Die Reaktionen zeigen, wie verunsichert die Branche verständlicherweise ist. Auch beim DJV liefen Anfragen von Bauern und Jägern auf. Sie fragten, ob durch die Lidl-Rohwurst aus Polen tatsächlich ein Risiko der Einschleppung des ASP-Virus besteht.

 

Keine Gefahr für Deutschland

 

Der DJV hat daraufhin das Friedrich- Loeffler-Institut (FLI), das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, um Stellungnahme gebeten. Die Antwort der in Deutschland wichtigsten Forscher für Tiersuchen liegt jetzt vor: „Es gibt, wie bei allen anzeigepflichtigen Tierseuchen, strenge Auflagen bzw. Beschränkungen für die Restriktionszonen, die im Falle eines Ausbruchs eingerichtet werden. Aus diesen Gebieten kommen keine Produkte in den internationalen Handel, auch nicht zu einem Discounter. Das, was in den Handel geht, stammt von gesunden Tieren und ist nach bestem Wissen und Gewissen frei von Tierseuchen. Denn in Polen greifen im Seuchenfall die gleichen EU-Richtlinien wie auch in Deutschland. Wenn in Baden-Württemberg die ASP ausbricht, können weiterhin Schweinefleischprodukte aus Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen exportiert werden – warum auch nicht. Erst kürzlich hat der DJV ein Frage- Antwort-Papier mit den am häufigsten gestellten Fragen zur ASP veröffentlicht. Sie finden sich auf der Internetseite www.jagdverband.de

 

Ausbreitung per LKW

 

Festzuhalten bleibt: Die natürliche Ausbreitung der ASP über Wildschweine geht langsam voran, nach Angaben der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA mit höchstens 25 Kilometern pro Jahr. Besorgniserregend ist die Ausbreitungsgeschwindigkeit über den Menschen – auf Transitstrecken kann sich das Virus mit 90 km pro Stunde fortbewegen – beispielsweise über kontaminierte Lebensmittel aus (Wild-) Schweinefleisch (z.B. Salami, Räucherschinken).

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