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RWJ 09/2018: Konsequenzen extremer Trockenheit für Wildtiere

Kein Grund zur Panik

Die ungewöhnliche Trockenheit in diesem Sommer machte einigen Tieren und Pflanzen mehr zu schaffen als anderen. Wildtiere kommen mit extremem Wetter aber in der Regel besser zurecht als Vögel und Insekten.

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Rotwild nimmt bei Dürre weite Strecken zu Suhlen oder Gewässern in Kauf – manchmal kann man es sogar beim Schwimmen beobachten. Foto: Harbig/DJV

Die meisten Wildtiere seien sehr gut an unser Klima in Mitteleuropa und auch seine Extreme angepasst, erklärt Detlef Zacharias, zuständig für Tierschutz im DJV-Präsidium. Wichtig sei es, die Tiere tagsüber an ihren kühlen und schattigen Plätzen im Wald in Ruhe zu lassen. Auch sollten letzte grüne Inseln auf den Feldern sowie verbliebene Wasserstellen in der Dämmerungszeit und nachts gemieden werden. „Das sind Schlaf- und Esszimmer der Tiere, die sind tabu.“

 

Strategien der Wildtiere

Tatsächlich kommen zum Beispiel Rehe erstaunlich gut mit der Trockenheit zurecht. Sie ernähren sich bekanntlich von Blättchen und Knospen, in denen auch in Dürreperioden genug Wasser enthalten ist. Auch der Morgentau beim Frühstück liefert ausreichend Flüssigkeit. „Wildschweine steigen temporär auf vegetarische Kost um“, sagt Detlef Zacharias. „Nur die Tiere, die unmittelbar an Gewässern leben, müssen auf Schnecken, Würmer und Larven nicht verzichten.“

 


Suhlen haben Konjunktur

Die von Jägern angelegten Feuchtbiotope sind besonders zur Trockenzeit Artenhotspots. Wildschweine und Hirsche wälzen sich gern darin. Weite Strecken zu Seen und anderen Gewässern legt das Rotwild zurück. Zuweilen kann man Hirsche baden sehen.

 


Insekten und Vögel leiden

Unter den Wildtieren haben Vögel und Insekten die größten Probleme mit der Trockenheit der vergangenen Monate, denn Pfützen und kleine Rinnsale sind nach vereinzelten Regenschauern in kürzester Zeit wieder ausgetrocknet. Dabei helfen kleine Tränken im Garten, wie etwa flache Schalen, in denen schwimmende Holzstücke den Tieren Halt geben. Wichtig ist, dass die Tiere darin nicht ertrinken. Am besten werden die Schalen an einem offenen Platz aufgestellt und nicht in Nähe von Hecken und Sträuchern, wo gegebenenfalls Katzen oder andere Fressfeinde lauern könnten. Die Tränke sollte jeden Tag ausgespült und mit Frischwasser aufgefüllt werden, um Bakterienbildung zu vermeiden.

 

Wer wirklich Wasser brauchte, waren junge Bäume – vor allem in Städten. „Es wäre eine große Hilfe für die städtischen Park-, Straßen- oder Hinterhofbäume, wenn sich Anwohner untereinander absprechen und besonders junge Bäume mit Wasser versorgen“, so Zacharias. Ihr Wurzelwerk ist noch nicht so ausgeprägt. Außerdem leiten die vielen versiegelten Flächen das Regenwasser sehr schnell in Entwässerungskanäle.

 


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