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RWJ 01/2021: Nutria

Jäger erzielen Rekordstrecke

Die deutschen Jäger haben im Jagdjahr 2019/20 über 88 000 Nutrias erlegt – 42 Prozent mehr als im Vorjahr.

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Nutrias verursachen Schäden und müssen bejagt werden, eignen sich aber auch zum Verzehr.

Knapp die Hälfte der Nager kam in Niedersachsen zur Strecke, wo die Tiere oft Deichanlagen unterhöhlen und ökologisch wertvolle Röhrichte zerstören.

 

Nutrias gelten in Europa als invasive gebietsfremde Art, stammen aus dem subtropischen Südamerika und sind an Gewässer gebunden.

 

Klimawandel begünstigt Ausbreitung

Dank Klimawandel hat sich die Art in Deutschland innerhalb weniger Jahre stark ausgebreitet. Von 2006 bis 2015 haben sich die Nachweise ihres Vorkommens in Jagdbezirken verdoppelt, auf 16 Prozent bundesweit.

 


Neue Monitoring-Daten liegen 2021 vor

Besonders verbreitet sind Nutrias im westlichen und östlichen Niedersachsen (Ems, Elbe), Nordrhein-Westfalen, Westen Baden-Württembergs (Rhein), Norden Sachsen-Anhalts (Elbe) sowie im Nordwesten und Süden Brandenburgs (Havel, Schwarze Elster, Spreewald, Neiße).

 

Nutrias legen meterlange, unterirdische Höhlensysteme im Uferbereich und in Deichanlagen an und gefährden damit deren Stabilität, was zu Überschwemmungen von Agrar- und Siedlungsflächen führen kann.

 

Das Abfressen von Wasserpflanzen und Röhrichtbeständen gefährdet Ökosysteme und darin lebende Arten, so verschwinden etwa Bruträume für Fische und Wasservögel. Das Bundesamt für Naturschutz empfiehlt deshalb den systematischen Einsatz von Lebendfangfallen und den Abschuss, der DJV begrüßt diese Position. Einschränkung der Jagd in Schutzgebieten oder ein Verbot der Fallenjagd sind dagegen schlecht für den Artenschutz.

 

Der DJV und drei Landesjagdverbände unterstützen ein EU-Life-Projekt zum Management von Nutria und Bisam. Beteiligt sind die Tierärztliche Hochschule Hannover sowie niederländische und belgische Institutionen.

 

Im Fokus dabei stehen der Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten, das Verhindern von Überschwemmungen und die Minimierung von landwirtschaftlichen Schäden.

 

Seit den 1930ern gibt es in Deutschland frei lebende Nutria-Populationen. Ihre Dichte kann je nach Habitat zwischen 0,5 und 21 Tieren/ha liegen, unter günstigen Voraussetzungen (z. B. nasse Sommer) können auch mehr als 100 Tiere/ha leben.

 

Nutrias bekommen zwei- bis dreimal jährlich Nachwuchs. Dieser kann bereits nach drei, spätestens jedoch nach sieben Monaten geschlechtsreif sein.

 

Nutrias gelten in Südamerika als Delikatesse, daher präsentiert der DJV moderne Gerichte wie Nutria-Kebap.


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