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RWJ 01/2021: Novelle zu neuem Bundesjagdgesetz

Jagdverbände kritisieren wildfeindliches Gesetz

Fremdländische Baumarten ohne Verbiss-Schutz anpflanzen zu wollen, ist praxisfern und wäre nur in wildfreien Wäldern möglich.

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Foto: K.-H. Volkmar

Der Anfang November vom Bundeskabinett gebilligte Entwurf eines neuen Bundesjagdgesetzes sieht u. a. vor, dass die „Verjüngung des Waldes im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen“ erfolgen können soll. Besonders im Fokus steht dabei das Rehwild, dessen Bestand drastisch reduziert werden soll. Doch sechs wildfreundliche Organisationen, darunter die Jagdverbände, kritisieren in einer gemeinsamen Stellungnahme die waldbaulichen Ziele der Gesetzesnovelle.

 

Praxisfern und wildfeindlich

Die Allianz fordert die Bundestagsabgeordneten auf, den vorgelegten Gesetzentwurf im parlamentarischen Verfahren zu überarbeiten.

 

V. a. der formulierte Anspruch, dass sich jede Waldverjüngung ohne Schutzmaßnahmen etablieren können muss, ist praxisfern und widerspricht einer Balance zwischen den forstwirtschaftlichen Zielen und den Ansprüchen des Wildes.

 

So wirken neu eingebrachte und womöglich fremdländische Baumarten in den Wäldern selbst bei stark reduzierten Wildbeständen wie ein Magnet. Die Vorstellung, Douglasie, Küstentanne oder amerikanische Roteichen ohne Zaun anpflanzen zu können, ist unrealistisch.

 

Selbst Staatsforstbetriebe, die der Maxime Wald vor Wild folgen und wiederkäuendes Schalenwild scharf bejagen, investieren jedes Jahr hohe Beträge in Zäune, um Neuanpflanzungen zu schützen, argumentieren der Deutsche Jagdverband, der Bayerische Jagdverband, der Bundesverband Deutscher Berufsjäger, die Deutsche Delegation im Internationalen Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC), der Deutsche Jagdrechtstag und die Deutsche Wildtier- Stiftung. Sie fordern gemeinsam, dass im vorliegenden Gesetzestext Bedürfnisse und Ansprüche des Wildes nicht hinter wirtschaftlichen Interessen der Waldbesitzer zurückbleiben dürften.

 

Mit den bisher im Gesetzesentwurf formulierten Zielen ließe sich das gesetzlich verankerte Hegeziel eines gesunden Wildbestandes nicht vereinbaren.


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