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RWJ 02/2019: DJV fordert verstärkt Nilgans-Bejagung

Immer mehr Wildgänse

In Deutschland breiten sich sowohl heimische als auch eingewanderte Gänse weiter aus. Dazu gehört auch die ursprünglich aus Afrika stammende Nilgans.

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Nilgänse breiten sich aus und machen heimischen Arten in deren Lebensräumen Konkurrenz. Der DJV fordert die bundes- weite Bejagung der Neozoen. Foto: pixabay.com

Im Jahr 2017 meldeten deutlich mehr als ein Drittel der Reviere ein Vorkommen – das sind 71 Prozent mehr als acht Jahre zuvor. Mehr als verdoppelt hat sich im selben Zeitraum der Anteil der Reviere mit Brutpaaren auf 23 Prozent. Die Nilgans hat ihren Verbreitungsschwerpunkt in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen, dort kommt sie mittlerweile in 60 Prozent der Reviere vor. Die aktuellen Monitoring-Daten zeigen, dass sich die afrikanische Gänseart nach Osten und Süden ausbreitet.

 

EU stuft Nilgans als invasiv ein

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Seit 2017 wird sie von der EU als invasiv eingestuft – für Deutschland besteht damit die Verpflichtung, die Ausbreitung zu unterbinden. Der DJV fordert die bundesweite Bejagung nach einheitlichen Standards, um weitere ökologische und ökonomische Schäden durch die Nilgans nachhaltig zu verhindern. Derzeit ist sie lediglich in neun Bundesländern jagdbar. Im Jagdjahr 2016/17 wurden mehr als 20 700 Nilgänse erlegt.


Kanadagans im Nordwesten

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Die aus Nordamerika stammende Kanadagans – die größte in Mitteleuropa lebende Gänseart – breitet sich sogar noch schneller aus. 2017 meldeten Jäger ihr Vorkommen in knapp einem Viertel der Reviere – ein Plus von 91 Prozent gegenüber 2009. Die Zahl der Reviere mit Brutpaaren hat sich um das 1,3-Fache erhöht und lag 2017 bei 8 Prozent. Das Hauptvorkommen der Kanadagans liegt im Nordwestdeutschen Tiefland. Dort meldeten bis zu drei Viertel der Reviere die Anwesenheit der Gans. Das größte Vorkommen an Brutvögeln liegt in Nordrhein-Westfalen: In jedem vierten Revier haben Jäger Nachwuchs gesichtet. In Niedersachsen ist dies in jedem zehnten Revier der Fall.


Heimische Graugans im Norden

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Auch die Besätze der bei uns heimischen Graugans entwickeln sich gut. 2017 meldeten Jäger aus knapp 40 Prozent der Reviere ein Vorkommen der Graugans – das sind 58 Prozent mehr als 2009. Das Hauptvorkommen liegt in Norddeutschland mit vielen Gewässern, Küstenlandschaften und geringem Waldanteil. Dort meldeten die Hälfte der Reviere die Anwesenheit der Graugans. Nahezu verdoppelt hat sich der Anteil von Revieren mit Brutvögeln. In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen meldeten sogar ein Drittel und mehr Brutvorkommen. Auch die Jagdstrecke hat sich knapp verdoppelt von rund 30 000 (2008/09) auf 57 500 (2016/17). Drei Viertel der bundesweiten Jagdstrecke haben die Jäger in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen erzielt.

 

Das gute Nahrungsangebot, besonders durch die Landwirtschaft, ist ein wichtiger Grund für das Anwachsen der Graugansbestände in Deutschland. Dies gilt für Brut- und Zugvögel aus Nordeuropa gleichermaßen. Um übermäßige Wildschäden zu verhindern, ist eine nachhaltige Jagd zwingend notwendig.

 


Niederländer vergasen Gänse

Nach einem Jagdverbot sind die Brutvogel-Bestände in den Niederlanden explodiert, rund 70 000 Graugans-Paare brüteten 2014 dort. Von 1985 bis 2011 verzeichneten Wissenschaftler eine Steigerung von 2 000 Prozent. Die jährlichen Entschädigungszahlungen für Landwirte liegen bei rund 15 Millionen €. Die niederländische Regierung hat deshalb vor einigen Jahren beschlossen, Graugänse mit Gas zu töten: Flugunfähige Jungvögel sowie Altvögel in der Mauser werden dafür zusammengetrieben und nach und nach getötet. Diese Zustände gilt es in Deutschland zu verhindern. Es haben sich Reviere mit einer Gesamtfläche von 12,5 Mio. Hektar (40 Prozent der Jagdfläche) am Monitoring beteiligt.


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