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RWJ 07/2020: Kritik an Eckpunkten zum Waldumbau

Eindimensionaler Lösungsversuch für Wildschäden

Wissenschaftlicher Beirat Waldpolitik verfehlt mit Eckpunkten zur Waldstrategie 2050 das Ziel, Artenvielfalt zu fördern – der DJV fordert von Ministerin Klöckner stattdessen ein Wildtiermanagement-Konzept.

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Anfang Mai legte der Wissenschaftliche Beirat Waldpolitik der Bundesregierung Eckpunkte zur Waldstrategie 2050 vor – nach Auffassung des DJV ein eindimensionaler Lösungsversuch zum Forst-Jagd-Konflikt mit dem schlichten Motto Schalenwild durch Jagd reduzieren. Es fehlt eine umfassende Ursachenanalyse von Wildschäden. In einer Stellungnahme hat der DJV jetzt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner gebeten, ein großräumiges Wildtiermanagement anzustreben, um die Nutzungsansprüche von Tieren und Menschen in Einklang zu bringen. Alle Akteure in der Kulturlandschaft, darunter Jagd, Forst, Landwirtschaft und Tourismus, müssen beteiligt werden. Wildtiermanagement wird in den Eckpunkten fälschlicherweise gleichgesetzt mit Jagd. Diese ist jedoch nur ein Teil davon. Notwendig sind steuernde Instrumente wie die wildökologische Raumplanung. Die Expertise von Wildbiologen ist dringend erforderlich für eine gelungene Waldstrategie und die fachliche Bewertung des Einflusses von Wildtieren, im Beirat Waldpolitik ist der Forschungsbereich Wildtiermanagement aber überhaupt nicht vertreten ...

 

Als Hemmschuh für eine Mischwaldvermehrung und Gefährdung von Ökosystemleistungen in ganzer Breite werden Rehe und Rotwild hochstilisiert, doch Dürre, Sturm und Schädlinge haben 2018/19 bundesweit Wald von der Fläche des Saarlandes vernichtet. Anfällige Nadelholzreinbestände machen 27 Prozent des Waldes aus, noch immer gibt es etwa 2,8 Mio. ha nicht standortgerechter Monokulturen. Die waldbauliche Ausgangssituation für eine natürliche Mischwaldvermehrung ist also vielerorts überhaupt nicht gegeben. Der Mensch muss durch Kunstverjüngung eingreifen – pflanzen. Dafür braucht es etwa sechs Milliarden junge Bäume aus Forstbaumschulen. Entstehende Aufforstungsflächen müssen verstärkt bejagt werden, dabei sind Jäger wichtige Partner der Waldbauern.

 

Allerdings sind zusätzliche mechanische Schutzmaßnahmen unbedingt nötig. Der Wissenschaftliche Beirat fordert, Schalenwildbestände effektiv abzusenken, und eine Anpassung der Jagdzeiten an die Biologie der jagdbaren Arten – im Ergebnis aber schlicht eine Verlängerung der Jagdzeiten. Großflächig erhöhter Jagddruck führt jedoch zum Gegenteil: Die Physiologie von Wiederkäuern wie Reh- und Rotwild widerspricht etwa Bewegungsjagden im Spätwinter. Stress führt in dieser Phase zu mehr Schäden an Bäumen. Waldbauliche Ziele müssen mit einem Jagdkonzept einhergehen – wird etwa in Aufforstungsflächen der Jagddruck erhöht, sollten gleichzeitig Wildruhezonen an anderen Stellen entstehen, betonen Experten. Wissenschaftliche Erkenntnisse aus Wildbiologie und Wildtiermanagement sollten in der Waldstrategie 2050 unbedingt berücksichtigt werden.

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