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RWJ 04/2021: Waldumbau

DJV: Verjüngung ohne Schutz ist praxisfern

Wildbiologen sehen in der geplanten Reform des Bundesjagdgesetzes die Alters- und Sozialstruktur von Wildtieren gefährdet – der DJV begrüßt die Forderung nach einer wildökologischen Raumplanung.

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Beim Waldumbau müssen Reh- und Rotwild in ihrem Lebensraum berücksichtigt werden. Foto: Rolfes/DJV

In der Anhörung zur Bundesjagdgesetz- Novelle nahmen Wildbiologen Stellung – eine generelle Waldverjüngung ohne Schutzmaßnahmen sei praxisfern und gehe zulasten heimischer Wildtiere. Der Tierschutz sei ebenso in Gefahr wie Alters- und Sozialstruktur pflanzenfressender Arten. Die Experten waren sich weitgehend einig, dass eine enge Zusammenarbeit der Akteure vor Ort ausschlaggebend ist und die Lebensraumqualität eine entscheidende Rolle spielt.

 

Der DJV begrüßt diese klare Position und fordert den Gesetzgeber zu Änderungen im Entwurf auf – lediglich die Naturverjüngung standortgerechter Hauptbaumarten sollte möglichst ohne Schutzmaßnahmen funktionieren.

 

Wo Forstpflanzen zum Waldumbau gepflanzt oder gesät werden müssen, sei Schutz notwendig, schon allein vor der Konkurrenz von Brombeere, Adlerfarn oder drohender Vergrasung. Der DJV lehnt eine Festlegung von Abschusszahlen allein auf Basis von Verbissgutachten entschieden ab und fordert eine umfassende Lebensraumbewertung.

 

Prof. Sven Herzog (TU Dresden) betonte, dass der Waldumbau keineswegs durch ein neues Jagdgesetz zu lösen sei. Bereits seit einem halben Jahrhundert versuche man erfolglos, durch immer mehr Jagddruck forstliche Probleme zu lösen.

 

Prof. Klaus Hackländer (Universität für Bodenkultur Wien) ergänzte, der Gesetzentwurf vereinfache komplexe Zusammenhänge und propagiere Pauschallösungen. Es sei ein Irrglaube, allein erhöhter Jagddruck ermögliche den Waldumbau. Hackländer plädierte für eine großflächige wildökologische Raumplanung, die auch Ruhezonen und Lebensraumverbesserung umfasst.

 

Der DJV begrüßt diese Positionen ausdrücklich und wehrte sich gegen Vorschläge von Dietrich Mehl (ObFö Reiersdorf/ Brb), die Abschussplanung noch kleinflächiger zu gestalten als bisher.

 

Besonders bei rudelbildenden Wildtieren steige damit das Risiko, Altersund Sozialstrukturen zu zerstören.

 

DJV-Vizepräsident Helmut Dammann- Tamke (MdL) warb für eine Mischung aus Wildruhezonen, Besucherlenkung und Aufwertung des Lebensraums. Dies sei wichtig vor dem Hintergrund der zunehmenden Störungen im Wald. Die Jagd in Deutschland sei bereit, ihren Beitrag für klimafitte Wälder zu leisten – aber nicht als einziger Lösungsansatz.

 

Die Problemzone der deutschen Wälder – nämlich Nadelholz-Monokulturen – umfasst über ein Viertel der Gesamtfläche. Über Naturverjüngung entstehen dort wieder monotone Nadelwälder. Solche waldbaulichen Fehler der Vergangenheit provozieren Verbissschäden, sind aber nicht von Reh- und Rotwild zu verantworten.

 

Damit widerstandsfähige Mischwälder entstehen, muss also gepflanzt werden – und zwar nach Expertenansicht rund sechs Milliarden Bäume!

 

Originäre Aufgabe der Forstwirtschaft – so der DJV – sei es, geeignete Baumarten auszuwählen und Waldschutzmaßnahmen gegen Insekten, konkurrierende Pflanzen oder Pflanzenfresser durchzuführen. In den vergangenen drei Jahrzehnten haben die Forstbetriebe allerdings über 60 Prozent der Stellen abgebaut, da wirtschaftliche Interessen in den Vordergrund gestellt wurden.

 

Hochtechnisierte Holzernte findet mittlerweile ganzjährig statt und führt neben Jagd- und Freizeitdruck zu weiteren Störungen der Wildtiere.

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