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RWJ 09/2019: DJV-Projekt geht in die Praxis

Blühflächen statt Mais

Im Kooperationsprojekt Bunte Biomasse von Veolia Stiftung, DJV und Deutscher Wildtier Stiftung sollen Wildpflanzenmischungen deutschlandweit auf 500 ha Mais für die Biogasproduktion ersetzen.

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Richard Schulte (r., Landwirt, Biogasanlagenbetreiben und Jäger) erläuterte anschaulich positive Effekte des Anbausystems für Landwirte, Flora und Fauna. Foto: G. Klar

Der verbreitete Anbau von Mais zur Erzeugung von Methan in Biogasanlagen trägt zum Artenschwund bei. Wildpflanzenmischungen könnten den Mais ersetzen, allerdings bei 30 Prozent weniger Methan-Ertrag – umgerechnet rund 300 €/ha Verlust. Daher startet der DJV mit der „Veolia“-Stiftung und der Deutschen Wildtier-Stiftung ein Projekt, bei dem deutschlandweit 500 ha mit Wildpflanzen für die Biogasproduktion bestellt werden sollen. Um die Ertragslücke zu schließen, gewähren die Kooperationspartner 250 €/ha/Jahr. In Delbrück (PB) wurde das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt. Auf dem Landwirtschaftsbetrieb Schulte wird praktiziert, wie „Bunte Biomasse“ funktionieren kann – eine mehrjährige, ertragreiche Wildpflanzenmischung wird zukünftig Biomasse zur Methanproduktion liefern. Landwirt Richard Schulte, einer von bundesweit 25 Landwirten, die sich seit April bei den Initiatoren meldeten, möchte auf etwa 10 ha Mais durch Wildpflanzen ersetzen.

 

„Für mich als Landwirt und Biogasanlagenbetreiber ist „Bunte Biomasse“ wahrscheinlich die effizienteste Möglichkeit, um Lebensräume in der Feldflur zu verbessern“, betont Schulte, „meine Flächen sind ein Magnet für Hasen, Fasane und viele Brutvögel.“ Die positiven Wirkungen „Bunter Biomasse“ sind unstrittig – Kulturen aus bis zu 25 verschiedenen Wildpflanzenarten haben im Vergleich zu anderen Energiepflanzen eine bessere Struktur als Bruthabitat, weisen deutlich mehr Blütenvielfalt/- reichtum aus und bieten so auch eine größere und vielfältigere Insekten- Fauna. Zusätzlich sorgen mehrjährige Wildpflanzen nach der Ernte auch für Bewuchs im Winter und damit für Erosionsschutz und ein Nahrungs- und Deckungs habitat für Wintergäste und Niederwild. Hervorzuheben ist auch, dass die Intervalle der Bodenbearbeitung im Wildpflanzenanbau mit fünfjähriger Nutzung im Vergleich zu konventioneller Ackeroder zwei-Kultur-Nutzung wesentlich größer sind.

 

So erfolgen in den Jahren 2 bis 5 nur Düngung und Ernte, Pflanzenschutzmittel sind nicht erforderlich. Schließlich haben Wildpflanzen ein hohes Potenzial zur Stickstoffbindung, was den Stickstoffaustrag ins Grundwasser deutlich vermindert – alles in allem eine Investition, deren Kapital-Rendite sich angesichts der umfassenden positiven Wirkungen für Biodiversität, Bodenqualität und Wasserressourcen mehr als sehen lassen kann!

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