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RWJ 07/2019: Interview

„Mehr Frauen in die Führung“

RWJ: Herr Dr. Böhning, herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum DJV-Präsidenten. Hartwig Fischer hat starke Spuren hinterlassen – wo wollen Sie in den nächsten Jahren Schwerpunkte setzen?

interview

Dr. Volker Böhning will den DJV in den nächsten vier Jahren neu ausrichten. Foto: Kapuhs/DJV

Dr. Böhning: Zunächst müssen wir uns nach den personellen Veränderungen im Präsidium und dem Ausscheiden von Andreas Leppmann neu zusammenraufen. Wir können dabei auf eine bestehende schlagkräftige Truppe setzen. Wir haben den Wolf, die Afrikanische Schweinepest, wir müssen mehr Jungjäger für den Verband gewinnen und mehr Frauen in Führungspositionen bekommen. Ich möchte auch mit den Bayern ins Gespräch kommen, denn es ist für mich unerträglich, dass ein ganzer Landesjagdverband nicht dem DJV angehört. Ich möchte darauf hinarbeiten, dass wir in absehbarer Zeit wieder mit einer Stimme sprechen.

 

 

RWJ: Gibt es konkrete Ansätze, wie der Frauenanteil erhöht werden soll?

 

Dr. Böhning: Wir haben immer mehr Jägerinnen und auch in den Hegeringen sind immer mehr Frauen in Verantwortung. Die Männer vor Ort müssen Frauen ansprechen, um sie für Führungspositionen zu gewinnen.

 

 

RWJ: Rechnen Sie damit, dass der Wolf in ihrer Amtszeit ins Jagdrecht aufgenommen wird?

 

Dr. Böhning: Bei einer Vermehrungsrate von etwa 35 Prozent werden wir zunehmend mit Problemen fertig werden müssen. Ich gehe davon aus, dass es eine parteiübergreifende Mehrheit dafür geben wird, dass der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen wird. Sonst können wir die Weidewirtschaft nicht weiter betreiben. Wir können den Wolf nicht auszäunen – das wird allein aufgrund der Kosten nicht funktionieren.

 

 

RWJ: Können Sie sich vorstellen, dass es in naher Zukunft ein hauptamtliches Präsidium und einen ehrenamtlich besetzen Aufsichtsrat geben könnte?

 

Dr. Böhning: Wir müssen über neue Strukturen nachdenken. Dafür bin ich durchaus offen. In welcher Form wir das gestalten, müssen wir diskutieren. Momentan ist es so, dass man keine Berufstätigkeit ausüben kann, wenn man in der Position des DJV-Präsidenten ist.

 

 

RWJ: Was bereitet Ihnen bei der Jagd die größte Freude?

 

Dr. Böhning: Ich genieße die Ruhe, wenn ich draußen im Revier bin und gleichzeitig die Spannung, ob man etwas erlegen kann. Dabei erfreue ich mich vor allem an der Vielfalt der jagdlichen Möglichkeiten. In meinem Revier in Vorpommern bejage ich gern Sauen, aber auch Rotwild. Im August, September kann ich Enten bejagen und, wenn der Mais abgeerntet ist, Gänse. Außerdem esse ich gern Wild, ich freue mich über einen Rehrücken oder eine Wildschweinkeule, aber ich habe auch schon so viele Gänse gerupft, weil meine Frau die nur küchenfertig nimmt.

 

RWJ: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Felix Höltmann

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