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RWJ 09/2018: DJV-Koordinator für Auslandsjagd und internationalen Artenschutz

„Jagd und Artenschutz enden nicht an Ländergrenzen“

Seit Juni 2018 unterstützt Forstwirt Stephan Wunderlich CIC und DJV in der Außenkommunikation zur Auslandsjagd. Der Jäger, Hundeführer und Falkner ist Vater von vier Kindern. Im DJV-Interview erläutert er seine Aufgaben.

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Der Förster, Falkner und Naturschützer Stephan Wunderlich koordiniert seit wenigen Monaten alle Aktivitäten rund um die Auslandsjagd für DJV und CIC. Foto: Wunderlich/DJV

DJV: Stephan, seit der Ausschreibung deiner Stelle erreichen uns teils bitterböse Briefe: Ob wir mit der Jagd bei uns nicht genug Baustellen haben, fragen Mitglieder – und warum jetzt Auslandsjagd?

 

Wunderlich: Nun ja, Jagd im Ausland bleibt eben nicht im Ausland. Ein Löwe, der 2015 von einem amerikanischen Zahnarzt in Simbabwe erlegt wurde, wird von internationalen Tierrechtlern zum Märtyrer gemacht. Diese verfügen über Millionen Kampagnen-Dollars und zielen bewusst auf die uninformierte Öffentlichkeit, um Spenden zu sammeln – teilweise sogar unterstützt durch Politik und Nichtregierungsorganisationen mit fragwürdigem Tier- oder Naturschutzhintergrund. Dabei wird der Tod eines Löwen kampagnemäßig als Werkzeug gegen die Jagd eingesetzt. Das strahlt auch auf Europa und Deutschland aus. Ein Effekt – Importembargos, auch eine deutsche Fluggesellschaft weigerte sich daraufhin, Trophäen aus legaler, nachhaltiger Jagd zu importieren.

 

DJV: Das ist für den deutschen Jäger erstmal sehr weit weg ...

 

Wunderlich: ... falsch, das ist der Anfang einer Entwicklung, die heute schon jeden Jäger betrifft. Nicht nur die Auslandsjagd, sondern die Jagd per se wird massiv angegriffen und in Frage gestellt! Wir müssen gemeinsam gegenhalten: Jagd ist streng reglementiert und folgt dem Nachhaltigkeitsprinzip. Welche Arten wo und wie bejagt werden dürfen, entscheiden Regierungen und Wissenschaftler. Viele erfolgreiche Artenschutzprojekte finanzieren sich durch Geld, das Jäger investieren – weltweit. Hier in Deutschland müssen wir das noch viel stärker kommunizieren!

 

DJV: Deine Stelle teilen wir uns mit dem Internationalen Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd, der Deutschen Delegation des CIC – in erster Linie Lieferant für ein System zur Bewertung von Trophäen?

 

Wunderlich: Der CIC hat ein international gültiges System entwickelt, um Qualität und Zielalter von Trophäen zu bewerten. Vor allem ist er ein weltweiter Zusammenschluss von Staaten, staatlichen Institutionen, Universitäten, Forschungseinrichtungen, Firmen, Persönlichkeiten und Jagdverbänden aus 82 Ländern. Bei internationalen Verträgen wie dem Übereinkommen über die Biologische Vielfalt und CITES, dem Übereinkommen zum internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen, gilt der CIC als zwischenstaatliche Organisation, hat also eine beratende Funktion. Er bringt sich auf internationaler Ebene ein, wenn es darum geht, ob und wann Wildarten bejagt werden dürfen. Der CIC ist ein starkes Netzwerk von Experten, in dem Wissenschaft auf gelebte Praxis trifft. Das zeigt sich in zahlreichen Projekten, die den Beitrag aktiver Jagd zum Artenschutz belegen. Dass DJV und CIC sich meine Position teilen, ist innerhalb der Verbandsarbeit sicher neu, in der Konsequenz aber nur logisch: Jagd und Artenschutz enden nicht an Ländergrenzen, die Angriffe gegen unsere Passion auch nicht.

 

DJV: Was zeichnet gerade Dich für diese Position aus?

 

Wunderlich: Ich mache Öffentlichkeitsarbeit, seit ich den Jagdschein habe. Bisher habe ich den DJV immer ehrenamtlich bei Messen, Symposien und Vorträgen unterstützt und war freier Redakteur der Jagdpresse. Zuletzt habe ich den Facebook- Account des LJV Baden-Württemberg maßgeblich mitgestaltet und Teile der Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Falkenordens (DFO) übernommen. Der DFO ist in meinen Augen ein Paradebeispiel für gelebten Artenschutz durch Jäger: Die bestandsstützende Auswilderung von weit über 1 000 Wanderfalken über Jahrzehnte hinweg zur Wiederansiedlung in Deutschland ist eine echte Erfolgsstory – übrigens maßgeblich auch durch den CIC unterstützt. Ursprünglich komme ich aus der Forstwirtschaft und habe viele Jahre in der Holzwirtschaft gearbeitet – u. a. in Asien, Lateinamerika und Osteuropa. Ich denke, dass ich ein gutes Gespür für Menschen habe und wie man sie trotz unterschiedlichster Kulturen und Ansichten an einen Tisch bekommt.Das ist etwas, was ich auch in meiner künftigen Aufgabe leisten können muss – Leute an einen Tisch zu bringen, die lieber übereinander statt miteinander reden.

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