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RWJ 11/2021: Zum Editorial „Miteinander, aber richtig“, RWJ 10-21

„Nur Abschießen ist der falsche Weg“

So sehr ich Frau Heitzig schätze, doch im gemeinsamen Statement zur Wiederbewaldung mit dem Vorsitzenden des Waldbauernverbandes werden meines Erachtens zu einseitig nur die forstlichen Interessen beleuchtet.

 

Die stetige Behauptung, es gäbe zu viel Wild im Wald und die daraus resultierende Forderung nach einer Erhöhung des Abschusses ist nicht neu. Sie gab es schon bevor der Borkenkäfer allein in NRW eine Schadfläche von rund 100 000 ha hinterließ.

Es wird ausgeblendet, dass hier ein kleines Insekt – und nicht Reh oder Hirsch – diesen Schaden verursacht hat.

Bei allem gebotenen Miteinander von Forst und Jagd – jede Tendenz, im Schalen wild nur einen Schädling und nicht einen Teil des Ökosystems zu sehen, sollte von einer Interessenvertretung der Jäger zurückgewiesen werden.

 

Kurzsichtige Ideologie

Dass die Wiederbewaldung „hin zu klima stabilen Wäldern“ ohne jede Schutzmaßnahme erfolgen soll, ist verglichen mit den Forderungen an die Weidetierhalter zum Schutz vor Wölfen eine nicht zu verstehende Ungleichheit, geradezu ein Hohn.

Weißtanne, Douglasie und Co. kann man ohne Schutz nur in einem sterilen, wildfreien Umfeld aufziehen.

Auch die Forderung der PEFC-Arbeitsgruppe nach „waldorientierter Jagd“ offenbart die kurzsichtige Ideologie von Forst-Fanatikern, welche im Wild ihren einzig wahren Feind und im Jäger wohl die geduldige Melkkuh sehen. Nachhaltigkeit und Artenvielfalt im Ökosystem Wald sind aus Sicht der Holzproduzenten offenbar zu vernachlässigen, obwohl die Bundesregierung die Mittel zur Erhaltung unserer Biodiversität erheblich aufgestockt hat.

„Artenvielfalt ist kein natürliches Zufallsprodukt sondern die Folge einer nachhaltigen und weitsichtigen Bewirtschaftung“, so der Tiroler Landesjägermeister Anton Larcher. Um Wildeinflüsse zu reduzieren und die Tagaktivität des Wildes zu erhöhen, wurde dort gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer, der Landesforstdirektion und dem Jägerverband das Projekt Wildwiesen ins Leben gerufen. Durch diese unkomplizierte Steuerungsmaßnahme ergeben sich zahlreiche Vorteile. Neben Rückzugsflächen für das Wild – die gleichzeitig den Druck von Schadflächen nehmen – leisten Wildwiesen auch einen erheblichen Beitrag zur Biodiversität, indem sie als Rückzugsort für zahlreiche gefährdete Tier- und Pflanzenarten dienen.

Wenn die Politik Unsummen ausgibt, um Raubtiere wie den Wolf wieder anzusiedeln, sollte auch von jagdlicher Seite mehr Vehemenz gegenüber der Politik gezeigt werden, um durch effektive Förderung von Waldschutzmaßnahmen ein Miteinander von Wald mit Wild zu ermöglichen, statt stetig den Abschuss zu erhöhen. Verglichen mit afrikanischen Staaten sollte sich ein reiches Land wie Deutschland so etwas leisten können.

H. J. Bökamp,
Vorsitzender AG Natur, Umwelt, Kultur,
33154 Salzkotten


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