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RWJ 05/2020: Nicole Heitzig kann die erste Frau an der Spitze eines Landesjagdverbandes werden

„Manchmal ein bisschen selbstkritischer“

Nordrhein-Westfalen ist 1946 von der britischen Besatzungsmacht als künstliches Bundesland aus zwei preußischen Provinzen zusammengefügt worden. Noch heute behauptet so gut wie niemand, ein Nordrhein-Westfale zu sein – Nicole Heitzig, Präsidentschaftskandidatin auf der LJV-Mitgliederversammlung, aber könnte es.

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Nicole Heitzig soll nach dem einstimmigen Votum des Präsidiums neue Präsidentin des LJV Nordrhein-Westfalen werden und wäre damit die erste Frau an der Spitze eines Landesjagdverbandes in Deutschland.

Geboren 1972 in Westfalens Metropole Münster, in der rheinischen Großstadt Köln zur Schule gegangen, Abitur am Albertus-Magnus-Gymnasium in Bensberg, in Münster Rechtswissenschaft studiert, beide juristische Staatsexamen und das Referendariat dort absolviert und die mündliche Assessorprüfung in Düsseldorf abgelegt. Das ist viel rheinisch-westfälische Lebensbalance. Seit 1999 ist sie Richterin am Amtsgericht Paderborn. Auch ihre jagdliche Laufbahn verlief entschlossen und zielorientiert. Noch vor ihrer Jägerprüfung trat Nicole Heitzig über den Hegering und die Kreisjägerschaft Paderborn 2007 dem Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen bei. Bei der KJS in der ostwestfälischen Bischofsstadt hat sie auch den Jungjägerkurs belegt, im Jahr darauf die Jägerprüfung bestanden und den ersten Jagdschein gelöst. Auch im Jagdverband wurde sie sofort aktiv – von 2008 – 12 wachte sie als Schatzmeisterin über Einnahmen und Ausgaben des Hegerings Paderborn.

 

Trauzeuge Jagd

Von 2013 – 17 war sie stellvertretende Vorsitzende der Kreisjägerschaft Hochsauerland, die sie seit April 2017 als Vorsitzende führt. Zuvor hatte ihre Heirat mit Ulrich Heitzig, der 52 seiner bisher 67 Lebensjahre dem Landesjagdverband angehört, sie ins Sauerland geführt. Die Jagd war quasi Trauzeuge. In diesen wirren Corona-Wochen spricht sie schon gar nicht gern über sich. „Ist ja peinlich“, sagt sie, „wenn alle Sorgen um die Gesundheit, ihren Arbeitsplatz oder Betrieb haben.“ Aber sie versteht auch, dass viele Mitglieder wissen wollen, wer denn die Frau ist, die an die Spitze des Landesjagdverbands rücken soll. Jagdlich unterwegs ist Nicole Heitzig vor allem in ihrer neuen sauerländischen Heimat und in Ungarn. Sie und ihr Ehemann führen zwei Rauhaarteckel. Als Jagdhornbläserin hat sie 2009 das Bläser-Hutabzeichen erworben, auch außerhalb des Landesjagdverbandes ist sie gesellschaftlich und politisch präsent als Mitglied im Deutschen Teckelclub, im Bund der Richter und Staatsanwälte und in der Freien Demokratischen Partei.

 


Teamspielerin

Nicole Heitzig soll nach dem einstimmig gefassten Vorschlag des LJV-Präsidiums Nachfolgerin des nicht erneut kandidierenden Präsidenten Ralph Müller-Schallenberg werden und wäre damit die erste Frau an der Spitze eines Landesjagdverbandes, was unverkennbar Begeisterung ausgelöst hat. Als Vizepräsidenten werden der bisherige Amtsinhaber Hans-Jürgen Thies MdB aus Westfalen und Lutz Schorn (Vorsitzender Jägerschaft Bonn) als Nachfolger des altersbedingt ausscheidenden Georg Kurella aus dem Rheinland vorgeschlagen. Für das vierköpfige Führungsteam ist auch der bisherige Schatzmeister Dr. Peter Bottermann erneut nominiert. Gewählt wird das neue Präsidium von der LJV-Mitgliederversammlung. Nicole Heitzig sieht sich als Teamspielerin: „Meine Bereitschaft, mich um die Nachfolge von Ralph Müller-Schallenberg zu bewerben, habe ich unter der Voraussetzung erklärt, mit einem Team für die ehrenamtliche Spitze des Präsidiums anzutreten.

 

Dem entspricht der einstimmig gefasste Vorschlag des amtierenden Präsidiums für ein ausgewogenes Team aus erfahrenen und neuen Kräften.“ Dazu gehört für sie nach der Gegenkandidatur von Rita Stockhofe aus Haltern (Kreis Recklinghausen) „auch unser Vizepräsident Hans-Jürgen Thies. Er ist nicht nur unverzichtbar in seinem politischen und rechtlichen Einsatz für Jagd und Jäger, sondern auch ein seit Jahrzehnten erfahrener und passionierter Jagdpraktiker.“ Auf Interviewwünsche von Medien reagiert Nicole Heitzig vor der Wahl zurückhaltend. Selbstverständlich bewegt sie die Zukunft der Jagd. „Ich halte es für wichtig, dass Jäger eine starke Vertretung haben und Einigkeit untereinander schaffen. Die Gegner der Jagd formieren sich an vielen Fronten, nur ein starker Verband auf allen Ebenen kann dagegenhalten und die Interessen der Jäger nach vorne bringen“, sagt sie.

 

Zusammenarbeit hält Nicole Heitzig im gesamten ländlichen Raum für wichtig: „Das Bündnis wird auch in Zukunft immer stärkere Bedeutung haben, egal ob es um Kitzrettung, Wildschadensverhütung oder Biotopverbesserung geht.“ Frauen jagen für sie nicht anders als Männer: „Jagen ist ein Handwerk, das alle, die es ausüben, beherrschen sollten. Vielleicht sind Jägerinnen manchmal ein bisschen selbstkritischer, etwa bei der Einschätzung ihrer Schießfertigkeit und deshalb gelegentlich auch zurückhaltender in bestimmten jagdlichen Situationen.“ Im RWJ zur Mitgliederversammlung wird der Landesjagdverband alle Bewerbungen für das gesamte Präsidium vorstellen.

 

Ludger Baumeister


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