Seite 1

RWJ 12/2017: Jagdhaftpflicht 2018/19

Sparen mit Verstand

Statistisch gesehen wollen knapp 30 000 Jäger in NRW zum 1. April ihren Jagdschein verlängern. Ohne den Nachweis einer gelösten Jagdhaftpflichtversicherung (JHV) läuft dabei nichts. Doch es gibt viel mehr als einen Grund, warum jeder Jäger zwischen Rhein und Weser einmal genauer auf seine eigene JHV schauen sollte – und zwar nicht nur auf die Kosten dafür.

jhv m. breuer id60959

Ohne brauchbare Hunde geht bei vielen Jagdarten gar nichts – in den Statistiken der Versicherer liegen Hundeschäden weit vorn …

In den 19. Bundestag zogen allein aus NRW mehrere bekannte Jäger ein. Mit ihrem Sachverstand verbindet sich die Hoffnung, dass eine unsägliche „Neverending- Story“ im Bereich der Jagdhaftpflichtversicherung (JHV) doch noch zu einem guten Ende kommt: Bis heute hat es der Gesetzgeber nicht für nötig erachtet, uralte und längst überfällige Deckungssummen der JHV (500 000€ für Personen- und 50 000€ für Sachschäden) an heutige Gegebenheiten anzupassen, wie es bei der viel wichtigeren KFZ-Haftpflicht bereits vor Jahrzehnten passierte. Damit können Jagdleiter bis heute nicht wissen, ob Gäste an Gesellschaftsjagden trotz gültigen Jagdscheins sträflich unterversichert sind und so für den Rest der Corona zum unkalkulierbaren Risiko werden.

 

Somit bleibt es auch 2018 ein Skandal, dass die Mindestdeckungssummen der JHV nicht endlich auf ein vernünftiges Maß angehoben wurden. Der RWJ wird diesen Missstand so lange beim Namen nennen, bis das Jagdgesetz an dieser Stelle endlich geändert wird !

 

Von der Pflichtversicherung zum Chaos des Kleingedruckten

Ein kurzer Vergleich mit der auch im Jägeralltag ungleich bedeutenderen KFZ-Haftpflicht wäre auch in anderer Hinsicht hilfreich. Wie der Name „Haftpflicht“ eigentlich schon sagt, handelt es sich bei so einer Versicherung nicht um irgendetwas frei Wählbares. Genauso wie man kein Auto anmelden kann, ohne den Abschluss einer solchen Police nachzuweisen, wird hierzulande auch kein Jagdschein ausgestellt, wenn dieses Papier fehlt. Dabei hat sich der Gesetzgeber auch etwas gedacht – so wird sichergestellt, dass bei grundsätzlich „schadensgeneigten Tätigkeiten“ wie der Teilnahme am Straßenverkehr oder eben auch der Jagdausübung Geschädigte nicht auf erheblichen Forderungen (Schmerzensgeld, Schadenersatz, Verdienstausfall, Berufsunfähigkeit u. v. m.) sitzenbleiben, wenn der Verursacher des Schadens dafür nicht aufkommen kann. Deshalb hat der Gesetzgeber Konditionen festgelegt, damit genau das nicht passiert. Elementarer Bestandteil davon sind Mindestdeckungssummen, die im Schadensfall zur Regulation zur Verfügung stehen müssen. Laut Pflichtversicherungsgesetz gilt in der Kfz-Haftpflicht eine Mindestversicherungssumme für Personenschäden in Höhe von 7,5 Mio. Euro, üblich ist eine Haftung durch die Versicherer bis zu 50 oder sogar 100 Mio. Euro. Spätestens an dieser Stelle wird die Dimension der lächerlichen 500 000 € bei der JHV überdeutlich. Bis auf diese Überwachung, die schon lange keine mehr ist, lässt das Gesetz den Versicherungen völligen Freiraum. Kein Wunder, dass diese Freiheit exzessiv genutzt wird – durch die unzähligen Verästelungen des berüchtigt Kleingedruckten steigt man kaum noch durch. Deshalb erinnern wir hier noch einmal an Bestandteile, die eine vernünftige JHV 2018 enthalten sollte:

- Deckungssumme mindestens 5, besser 10 oder 15 Mio. €  
 

- Forderungs-Ausfalldeckung (am besten ohne Selbstbeteiligung/SB):

Dieses Kunstwort kann die Rettung für Opfer schwerer Jagdunfälle sein, natürlich nicht aus medizinischer Sicht – keine noch so gute Versicherung kann das unendliche Leid aufwiegen, das schwer verletzte, gar ihr Leben lang erwerbsunfähige Opfer von Jagdunfällen überkommt. Zu diesem Drama kann aber wegen der skandalösen Untätigkeit des Gesetzgebers noch ein weiteres kommen – unverschuldete Opfer von Jagdunfällen bleiben nämlich auf den Kosten für Behandlung, Reha und erst recht Verdienstausfall sitzen, wenn der Verursacher nur zur gesetzlichen Mindestdeckung versichert war. Angesichts heutiger Krankenhaus- und Reha-Kosten, erst recht jahrzehntelanger Rentenzahlungen sind 500 000 € für Personenschäden im Nu weg. Wenn der Schädiger dann mit seinem Privatvermögen haftet, gucken Opfer ganz schnell in die Röhre!

 

An dieser Stelle kann ausnahmsweise die eigene Jagdhaftpflicht einspringen – bei einer „Forderungsausfall“-Deckung kommt meine eigene Versicherung für Ansprüche auf, die mir als Geschädigtem zustehen, wenn weder der Verursacher noch dessen Versicherung aufkommen. Diese werden mir dann bis zur Höhe meiner eigenen Deckung von meiner Versicherung erstattet.

Auf diese „Krücke“ sollte man so lange nicht verzichten, wie man nicht wissen kann, wie viele unterversicherte Mitjäger als „tickende Zeitbomben“ noch in den Revieren unterwegs sind – Insider gehen davon aus, dass durch gedankenlos fortgeschriebene Altverträge noch bis zu 20 Prozent aller Jäger zu dieser Risikogruppe gehören könnten, genaue Zahlen dazu gibts leider nirgendwo. Was allein schon ein Skandal ist …

 

- glasklare Aussagen zum Deckungsumfang von Schäden durch Jagdhunde

Nach wie vor verursachen Hunde vier Fünftel aller gemeldeten Schadensfälle (!) in der JHV – meist Bagatellschäden außerhalb des Jagdbetriebs, für die „normale“ Halter sonst Hundehaftpflichtversicherungen abschließen müssen (die ein Mehrfaches der Jagdhaftpflicht kosten). Hundeführer sollten auf jeden Fall klären, wie viele Hunde maximal mitversichert sind (meistens zwei, bis zu fünf). Ebenso wichtig ist die Frage, bis zu welchem Alter Welpen als per se mitversichert gelten (mind. 12, besser 24 Mon.). Dauerstreit-Thema ist die Frage, welche Hunde überhaupt mitversichert sind, in schöner Regelmäßigkeit kommt es dabei zu Streit um den Begriff „brauchbar“:

 

Als brauchbar gelten unzweifelhaft Jagdhunde mit entsprechenden Prüfungen (Brauchbarkeitsprüfungen und gleichbzw. höherwertigere Prüfungen der Zuchtvereine). Solange nichts passiert, will der Versicherer dafür auch keinen Nachweis, Ärger droht in der Regel erst im Schadensfall. Daher sollte man schon vor Abschluss einer Versicherung wissen, wie die Brauchbarkeit von Hunden nachzuweisen ist. Ob die formlose Bescheinigung eines „Fachmanns“, wonach Ihr Hasso zweifelsohne brauchbar sei, vom Versicherer genauso formlos anerkannt wird, wenn Hasso vor den Porsche lief, darf im Einzelfall bezweifelt werden …

Dennoch kennen etliche Versicherer solche „Nachweise“ – wenn der Schaden erst mal da ist, kann es zu spät sein, darüber zu philosophieren, ob die kynologische Kompetenz von Hegeringleitern wirklich höher ist als die des örtlichen Pastors … Wer mit ungeprüften Hunden (versicherungsrechtlich) auf Nummer sicher gehen will, sollte daher nach einer Gesellschaft suchen, die gegen geringen Aufpreis diese von vornherein mitversichert. Die HDI verzichtet von vornherein auf Prüfungsnachweise und sieht jeden Hund als mitversichert an, der einer „anerkannten Jagdhunderasse“ angehört – noch besser.

- Ausschluss vom Einwand des Verschuldens- Prinzips bei Waffengebrauch

Im Versicherungsrecht gilt generell das Verschuldens-Prinzip, was im Einzelfall fatale Folgen haben kann: Stellt ein Gutachter fest, dass bei Schusswaffengebrauch den Unglücksschützen keine Schuld trifft – etwa weil infolge des Schusswinkels nicht zu erwarten war, dass jemand gefährdet werden konnte … zahlt die Versicherung keinen Euro !

 

Dass es durch diese völlig legale Rechtsauslegung zu höchst ungerechten Folgen für alle Beteiligten kommen kann, braucht man nicht näher zu erläutern. Um sich davor zu schützen, sollte man eine Versicherung abschließen, die auf den „Einwand der Verschuldenshaftung bei Schusswaffengebrauch“ verzichtet. Die nämlich reguliert im Schadensfall für mich auch Schäden, die ich streng formal nicht verschuldet habe. Zum Wohle aller. Wobei das mit dem Schusswinkel so eine Sache ist. Bis heute gehen Sachverständige und Gerichte dabei von 30 Grad aus – ein Wert, der aus Zeiten stammt, in denen hauptsächlich Blei verschossen wurde und etwa in NRW mit seiner Bleifrei- Verpflichtung damit gar nicht mehr angewendet werden darf … Während die Deckungserweiterung für das Inverkehrbringen von Wildbret (Produkthaftung) oder beim Schuss auf nicht dem Jagdrecht unterliegende Arten (z. B. Bisam und Nutria) heute erfreulicherweise von nahezu allen Versicherern vollzogen wurde, lauern anderswo noch Fußangeln, die demjenigen, den sie betreffen, keinesfalls egal sein sollten:

- Mitversicherung von Drohnen

- Deckungserweiterung für mitjagende Verwandte (sog. Verwandten-Klausel)

- Deckung für Auslandsjagden


Seite 2

Worauf man sonst noch achten muss

titel-k-h-volkmar id60583

Experten befürchten, dass nach wie vor jeder fünfte Jagdscheininhaber völlig unzureichend versichert ist – genaue Zahlen dazu kennt niemand …

Gott sei Dank bieten seriöse Versicherer die Uralt-Deckung meist gar nicht mehr an. Ein Blick auf die Prämien zeigt außerdem, dass man schon für unter 50 € einen Schutz erhält, der seinen Namen auch verdient. Sie sollten keine Tarife mit Selbstbeteiligungen abschließen. Weil in Schießkinos nicht mit Laserwaffen geübt wird, sondern echte Geschosse durch die Gegend fliegen, kommt es v. a. durch viel zu harte Abzüge in unschöner Regelmäßigkeit zu Wand-, Boden- und Decken treffern. Dafür ist man mit 50 bis 100 Euro dabei, vor Ort zu zahlen. Solche Schäden erstattet Ihre Jagdhaftpflicht anstandslos. Außer Sie haben einen Vertrag mit Selbstbeteiligung abgeschlossen – wie etwa bei Marktführer Gothaer mit 300 € Selbstbehalt.

 

Die Rechenaufgabe, was wohl besser ist – 20 € mehr Jahresprämie oder allein 100 € für jeden Allerweltschaden im Schießkino, von Kleidungsschäden durch Hunde ganz zu schweigen, wird sicher jeder selbst lösen können … – auch als Nicht-Hundehalter keinen Tarif ohne Hundehaltung wählen. Zum einen schaffen Sie sich ja vielleicht doch in der Laufzeit einen an, andererseits sprengen solche Tarife die Solidargemeinschaft aller Jäger, also auch der, die dringend auf die Hilfe von Hunden anderer Jäger angewiesen sind.

Wer seinen Hund anderswo betreuen lässt oder auch schon mal geliehene Autos bewegt (alles Fälle, in denen es zu Schäden kommen kann, die nicht jede JHV ohne Weiteres abdeckt !), sollte sich ausführlich mit dem Kleingedruckten seines Vertrages auseinandersetzen – oder besser gleich die Hilfe eines freundlichen Agenten in Anspruch nehmen. Dafür sind diese Leute schließlich da.


Wie man sparen kann

Bei Gruppenverträgen ziehen Hegeringe und Kreisjäger schaften die Prämien in eigener Regie ein, Versicherer sind da zu Abschlägen bereit. Makler bieten meist interessante Rahmenverträge (s. Tabelle Makler u.). Aber auch die Unterschiede normaler Verträge sind enorm – bei der 5 Mio. €-Deckung zahlt man für die teuerste Gesellschaft fast 100 € mehr!

 

Hier die jeweils günstigsten und teuersten Anbieter 2018/19:

3 Mio. € pauschal:

Inter (sogar 6 Mio. !!) 34,75 €

Concordia 54,74 €

 

5 Mio. € pauschal:

Gegenseitigkeit/GVO 29,77 €

Barmenia 121,92 €

 

10 Mio. € pauschal:

ArGe Baden-Württemberg 41,00 €

Ergo 97,06 €

 

Viele Gesellschaften bieten Nachlässe für Berufsjäger, Förster, Jagdaufseher, Polizisten und den öffentlichen Dienst und ab fünf Jahren Laufzeit sollten mind. drei Prozent Rabatt drin sein.

 

Fazit: Bezogen auf die jährlichen Gesamtausgaben bei der Jagd sind Versicherungskosten verschwindend gering. Dennoch können Sie mit unseren Übersichten und Tipps sparen – aber tun Sie dies an der richtigen Stelle !

 

Matthias Kruse

Letzte Meldung: Mit der nach Redaktionsschluss gescheiterten Sondierung könnte der 19. Bundestag seine Zukunft schon hinter sich haben. Wir werden dafür kämpfen, dass die dringend überfälligen Änderungen bei der JHV auf der Tagesordnung bleiben – und sei es im 20. Bundestag …


Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 12/2017 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

RWJ 12/17: Jagdhaftpflicht 12/17


Aktiv nur für Mitglieder!

Bitte melden Sie sich an, oder werden Sie Mitglied.