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RWJ 12/2015: Jagdhaftpflichtversicherung 2016/17

Nicht am falschen Ende sparen

Auch im März 2016 muss wieder ein Drittel der deutschen Jäger seinen Jagdschein verlängern. Dazu muss man den Abschluss einer gültigen Jagdhaftpflichtversicherung nachweisen. Seit über zwei Jahrzehnten checkt der RWJ für Sie rechtzeitig die Versicherer – und zwar wirklich unabhängig.

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Unter 6 Jägern ist rein statistisch mindestens einer dramatisch unterversichert. Auch (selbstverständlich unabsichtliches) Fehlverhalten bzw. Unfälle würden damit für seine Jagdfreunde zum unkalkulierbaren Risiko!

Obwohl wir die Mindestdeckung der Jagdhaftpflichtversicherung (JHV) seit Jahrzehnten fast schon gebetsmühlenartig kritisieren, ist wieder ein weiteres Jahr verstrichen, ohne dass der Gesetzgeber die Uraltzahlen (500 000 € für Personen- und 50 000 € für Sachschäden) angepasst hätte. Fatal ist der Trugschluss, mit dieser gesetzlich vorgeschriebenen Pflichtversicherung sei per se alles in Ordnung. Woher soll ein Jagdleiter wissen, dass ein Gast seiner Gesellschaftsjagd zwar einen gültigen Jagdschein hat (das kann und muss er kontrollieren), aber de facto sträflich unterversichert ist und damit für den Rest seiner Jagdfreunde ein unkalkulierbares Risiko darstellt?

 

Es bleibt damit auch 2016 ein Skandal, dass die Mindestdeckungssummen nicht endlich auf ein vernünftiges Maß angehoben wurden. Der RWJ wird diesen Skandal so lange thematisieren, bis das Bundesjagdgesetz an dieser Stelle endlich geändert wird!

 

Wie „unabhängig“ sind Online- Vergleichsportale wirklich ?

Heutzutage bietet das Internet Hilfe für fast jedes Problem, v. a. der Boom sog. Vergleichsportale ist ungebremst. Nimmt man unsäglich herumhüpfende Kreisch-Hupen in nahezu jeder Werbeunterbrechung im Fernsehen ernst, ist das v. a. beim Abschluss von Versicherungen ein Bombengeschäft. Die Frage ist nur, ob auch für den Versicherten.

 

Seit einiger Zeit gibt es auch Online-Vergleichsportale für Jagdhaftpflichtversicherungen wie etwa www.jagdhaftpflicht24.com oder www.jägerpool.de. Dort werden diverse Anbieter gelistet und „Testsieger“ gekürt.

 

Als scheinbar besonderen Service kann man die entsprechende Versicherung sofort auf dem „unabhängigen“ Online-Portal abschließen.

 

An der Definition von „unabhängig“ dürfen Verbraucher allerdings zweifeln. Fest steht, dass für die Vermittlung eines solchen Geschäftes das Portal selbst eine satte Provision (branchenüblich schlichte 30 Prozent einer Jahresprämie …) einstreicht – allerdings nur auf den ersten Blick von der Versicherungsgesellschaft. Von welchem Geld sie das wohl tun wird – Sie kommen sicher selber drauf …

 

Einige Portale verlangen zusätzliche Zahlungen, um überhaupt ins Ranking zu kommen. Manchmal werden solche „Sachzwänge“ geschickt verbrämt, indem man der Versicherung eine Banner- oder Link-Werbung auf dem Online-Portal aufnötigt. In der Konsequenz für den Kunden bedeutet dies zweierlei:

 

1. finanziert man über seinen Beitrag Provisionen der Online-Portale mit (ohne darüber informiert zu werden)

 

2. verhindern die Auflagen der Portale („Wenn Du nix zahlst, erwähn’ ich Dich nicht.“) eine Marktübersicht, die diesen Namen zurecht tragen würde.

 

Außerdem wird bei den Positionen des Rankings oft mit gewichteten Parametern gearbeitet – um gegenüber Werbepartnern auch wirklich „sicherstellen“ zu können, wer am Ende Testsieger wird …

 

Der RWJ hält sich seit über 20 Jahren aus solchen Mätzchen raus, unsere Unabhängigkeit wird v. a. daran deutlich, dass wir keine Versicherungen vermitteln oder an Abschlüssen irgendwie mitverdienen. Wir empfehlen auch keine einzelnen Gesellschaften. Wir stellen lediglich Fakten und Jahresprämien zusammen und erstellen daraus Listen.

 

Weil die Versicherungsbedingungen im Einzelfall so unterschiedlich sind (wobei sich die Frage aufdrängt, ob dies bei einer Pflichtversicherung, über die immerhin das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen wacht, überhaupt statthaft ist), weisen wir neben den Prämien regelmäßig auf Besonderheiten hin, die für bestimmte Gruppen von Jägern von besonderem Interesse sind. Oder für alle.

 


Worauf man achten muss

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Nicht nur bei solchen „Aktionen“ kommt es im und neben dem Jagdbetrieb jedes Jahr leider auch zu schweren Unfällen. Nur mit einer „Verwandten-Klausel“ haftet dafür die JHV, wenn sich dabei miteinander verwandte Personen Schäden zufügen!

Gott sei Dank bieten seriöse Versicherer die Uralt-Deckung meist gar nicht mehr an. Ein Blick auf die Jahresprämien zeigt außerdem, dass man schon für unter 50 € einen Schutz erhält, der seinen Namen auch verdient. Sie sollten

  • keine Deckung unter 3, besser 5 Mio. € pauschal für Personen - und Sachschäden mehr abschließen,
  • als Hundebesitzer darauf achten, wie die Brauchbarkeit Ihrer Vierbeiner im Schadensfall nachzuweisen ist, und
  • keinesfalls Tarife mit irgendwelchen Selbstbeteiligungen abschließen
  • als Nicht-Hundehalter trotzdem keinen Tarif ohne Hundehaltung wählen (zum einen schaffen Sie sich ja vielleicht doch in der Laufzeit einen an, andererseits sprengen solche Tarife die Solidargemeinschaft aller Jäger, also auch der, die dringend auf die Hilfe von Hunden anderer Jäger angewiesen sind)
  • beim Kleingedruckten darauf achten, dass in Ihrer Police Vokabeln wie Forderungsausfall-Deckung und Verzicht auf Einwand der Verschuldenshaftung bei Schäden durch Schusswaffengebrauch vorkommen.

 

Was heißt das alles im Detail?

 


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Was Hundeführer wissen müssen

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Von brauchbaren Jagdhunden profitieren auch Nichthundehalter - die Frage ist, wie man auch sie an den erhöhten Kosten und Risiken beteiligt: Am Anfang jeder Bewegungsjagd 10€ Hundepauschale einsammeln oder weiter solidarisch ein Mischbeitrag in der JHV. Fotos: M. Breuer

Nach wie vor sind vier Fünftel aller gemeldeten Schadensfälle (!) durch Hunde verursacht – meist Bagatellschäden außerhalb des Jagdbetriebs, für die „normale“ Halter ansonsten Hundehaftpflichtversicherungen abschließen müssen, die ein Mehrfaches der Jagdhaftpflicht kosten.

 

Hundeführer sollten auf jeden Fall klären, wie viele Hunde maximal mitversichert sind (meistens zwei, bis zu fünf).

 

Ärger gibts in der Regel ja erst im Schadensfall, man sollte aber schon vor Abschluss einer Versicherung wissen, wie die Brauchbarkeit eines Hundes nachzuweisen ist: Mit Prüfungspapieren (mind. Brauchbarkeitsprüfung) ist alles klar, im ersten Jahr sind Welpen generell mitversichert.

 

Ohne Prüfungen und danach wirds allerdings kritisch:
Denn ob die formlose Bescheinigung eines Hegeringleiters, wonach Ihr Hasso zweifelsohne brauchbar sei, von Ihrem Versicherer genauso formlos anerkannt wird, wenn Hasso erst vor einen vollbesetzten Reisebus gelaufen ist, darf im Einzelfall bezweifelt werden … Dennoch kennen etliche Versicherer solche „Nachweise“ – wenn der Schaden erst mal da ist, kann es zu spät sein, darüber zu philosophieren, ob die kynologische Kompetenz eines in Ehren ergrauten Hegeringleiters wirklich höher ist als die des Pastors …

 

Wer mit ungeprüften Hunden (versicherungsrechtlich) auf Nummer sicher gehen will, sollte daher nach einer Gesellschaft suchen, die gegen geringen Aufpreis (oft unter 10 € jährlich) von vornherein auch ungeprüfte Hunde mitversichert.

 


Forderungsausfall-Deckung

Dieses Kunstwort kann die Rettung für bedauernswerte Opfer schwerer Jagdunfälle sein – in aller Regel durch Schusswaffengebrauch.

 

„Rettung“ natürlich nicht in medizinischer Hinsicht – keine noch so gute Versicherung kann auch nur ansatzweise das unendliche Leid vermindern, das schwer verletzte, vielleicht sogar ihr Leben lang erwerbsunfähige Opfer von Jagdunfällen von einer Sekunde auf die andere überkommt. Zu diesem Drama kann aber wegen der skandalösen Untätigkeit des Gesetzgebers noch ein weiteres kommen: Wer unverschuldet zum Opfer eines Jagdunfalls geworden ist, droht auch noch auf den Kosten für Behandlung, Reha und erst recht Verdienstausfall sitzenzubleiben, wenn der Verursacher nur zur gesetzlichen Mindestdeckung versichert war. Angesichts heutiger Krankenhauskosten und jahrzehntelanger Rentenzahlungen sind 500000 € für Personenschäden im Nu verbraucht. Wenn der Schädiger dann mit seinem Privatvermögen haften muss, guckt man als Opfer ganz schnell in die Röhre!

 

An dieser Stelle kann nun ausnahmsweise die eigene Jagdhaftpflicht einspringen – obwohl diese Gattung von Versicherungen ja eigentlich nur für Schäden aufkommt, die anderen durch meine Tätigkeit als Jäger entstehen.

 

Forderungsausfall meint genau solche Ansprüche, für die mir als Geschädigtem weder der Verursacher noch dessen Versicherung aufkommen. Diese werden mir dann bis zur Höhe meiner eigenen Deckung von meiner eigenen Versicherung erstattet.

 

Auf diese „Krücke“ sollte man so lange nicht verzichten, wie man nicht wissen kann, wie viele unterversicherte Mitjäger als „tickende Zeitbomben“ noch draußen in den Revieren unterwegs sind.

 


Ohne Schuld keine Zahlung ...

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Auf großen Jagden (v. a. sog. „Erntejagden“) mit vielen Teilnehmern, die man nicht kennt, steigt das Risiko von Unfällen deutlich. Umso wichtiger, dass alle gut versichert sind.

Im Versicherungsrecht gilt generell das Verschuldensprinzip, will heißen – ohne Schuld keine Zahlung. Was sich so logisch anhört, kann im Einzelfall fatale Folgen haben: Stellt ein Gutachter fest, dass bei einem Jagdunfall durch Schusswaffengebrauch dem Unglücksschützen kein Schuldvorwurf zu machen ist – etwa weil bei dem tatsächlichen Schusswinkel nicht zu erwarten war, dass jemand gefährdet werden konnte … zahlt die Versicherung keinen Euro! Selbst wenn es eindeutig Ihre Kugel war, die einen Jagdfreund schwer verletzte!

 

Dass es durch diese dramatische (völlig legale) Rechtsauslegung zu höchst ungerechten Folgen für alle Beteiligten kommen kann, braucht man nicht näher zu erläutern. Um sich davor zu schützen, sollte man eine Versicherung abschließen, die auf den Einwand der Verschuldenshaftung bei Schusswaffengebrauch verzichtet.

 

Die nämlich reguliert im Schadensfall für mich auch Schäden, die ich streng formal nicht verschuldet habe. Zum Wohle aller.

 


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Lieber keine Selbstbeteiligung

In Schießkinos lauert eine Gefahr, über die man sich gar nicht klar ist, wenn man diese segensreichen Einrichtungen zur praxisgerechten Vorbereitung von Bewegungsjagden bislang noch nicht kannte. Weil dort ja nicht mit Laserwaffen geübt wird, sondern echte Geschosse durch die Gegend fliegen, kommt es v. a. durch viel zu harte Abzüge in unschöner Regelmäßigkeit zu Wand-, Boden- und Deckentreffern. Dafür ist man mit 50 bis 100 Euro dabei, vor Ort zu zahlen.

 

Solche Schäden erstattet Ihre Jagdhaftpflicht anstandslos. Außer Sie haben einen Vertrag mit Selbstbeteiligung abgeschlossen – wie etwa von Marktführer Gothaer mit 300 € Selbstbehalt.

 

Die Rechenaufgabe, was wohl besser ist – 20 € mehr Jahresprämie oder allein 100 € für jeden lapidaren Schaden im Schießkino, von Kleidungsschäden durch Hunde ganz zu schweigen, wird sicher jeder selbst lösen können …

 


Wie man sparen kann

Bei Gruppenverträgen ziehen Hegeringe und Kreisjägerschaften die Prämien in eigener Regie ein, Versicherer sind da zu Abschlägen bereit.

 

Makler bieten meist interessante Rahmenverträge (s. Tabelle Makler/Downoad).

 

Aber auch die Unterschiede normaler Verträge sind enorm – bei der 5 Mio. €- Deckung etwa zahlt man für die teuerste Gesellschaft über 100 € mehr! Hier die jeweils günstigsten und teuersten Anbieter 2016/17:

 

3 Mio. € pauschal

Inter (sogar 6 Mio. !!) 34,75 €
Allianz (mit Hunden) 123,70 €

 

5 Mio. € pauschal

Gegenseitigkeit/GVO 29,77 €
Allianz (mit Hunden) 130,58 €

 

10 Mio. € pauschal

ArGe Bad.-Württemb. 41,00 €
Allianz (mit Hunden) 137,45 €

 

Viele Gesellschaften bieten Nachlässe für Berufsjäger, Förster, Jagdaufseher, Polizisten und den öffentl. Dienst. Bei längerer Laufzeit sind Rabatte üblich – ab fünf Jahren sollten mindestens drei Prozent Abschlag drin sein.

 

Fazit: Bezogen auf die jährlichen Gesamtausgaben bei der Jagd sind Versicherungskosten verschwindend gering. Dennoch können Sie mit unseren Übersichten und Tipps sparen – aber tun Sie dies an der richtigen Stelle!

 

Matthias Kruse

 


Weitere Vergünstigungen für LJV-Mitglieder

Gothaer (Hunde unbegrenzt)

3 Mio. € 38,85 statt 50,50 € 3 Jahre: 110,24 statt 143,90 €
6 Mio. € 43,04 statt 56,80 € 3 Jahre: 122,31 statt 161,90 €
15 Mio. € 57,96 statt 73,71 € 3 Jahre: 165,20 statt 209,99 €

 

Ansprechpartner: Abt. KP-Spez, Servicebereich Jagd/ Göttingen
Tel. 0551/701-54391, Fax: 0551/701964392
E-Mail: jagd@gothaer.de
www.gothaer.de/jagd

 

LVM

5 Mio. € 46,17 statt 62,65 € 3 Jahre: 132,66 statt 187,96 €
10 Mio. € € 55,41 statt 75,18 € 3 Jahre: 159,16 statt 225,55 €

 

Ansprechpartner: jede LVM-Agentur vor Ort oder
LVM, Abt. Haftpflicht, Herr Bertelt,
Tel. 0251/702-1174, Fax: 0251/702-991174,

E-Mail: a.bertelt@lvm.de

 


Wenn man wechseln will

  • Die Kündigungsfrist beträgt drei Monate.
    Wer zur Lösung seines nächsten Jagdscheins (1.4.2016) die Versicherung wechseln will, muss spätestens bis zum 31.12.2015 seiner jetzigen Versicherung kündigen.
  • Kündigen kann man nur zum Ablauf des Jagdscheins. Wer einen Dreijahres-Jagdschein gelöst hat, kann also erst zum Ende der Laufzeit kündigen.
  • Eine formlose Kündigung könnte etwa so aussehen:
    Kündigung meiner Jagdhaftpflichtversicherung Vertr.-Nr. 1234 Hiermit kündige ich meine o. g. Versicherung fristgemäß zum 31. 3. 2016. Ich bitte um eine kurze Bestätigung.
  • Sicherheitshalber sollte die Kündigung per Einschreiben verschickt werden.
  • Bitten Sie Ihre neue Versicherung rechtzeitig vor Verlängerung des Jagdscheins um eine Bestätigung.

 


Download

Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 12/2015 mit einer Übersicht der Prämien steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

RWJ_12/15_Jagdhaftpflicht_2016/17


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