Seite 1

RWJ 04/2018: Vor der Frühjahrsbestellung an Hilfen für die Jagdpraxis denken

Bejagungsschneisen rechtzeitig anlegen

Die Verringerung der Sauenbestände und die Verhütung von Wildschäden in der Agrarlandschaft gelingen nur gemeinsam.

jagdschneise djv id72117

Die Bejagung des Schwarzwildes erfordert in der Kulturlandschaft eine Zusammenarbeit vor allem von Landwirten und Jägern. Dass die Lösung vor Ort zwischen Betroffenen und Beteiligten gefunden werden muss, ist unstrittig. Mit den aktuellen Regelungen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zu „Bejagungsschneisen und Direktzahlungen“ wurde ein praxisgerechter Rahmen geschaffen. Nordrhein-Westfalen hat sich für die Möglichkeit entschieden, für Blüh- und Bejagungsstreifen geringer Größe auf die gesonderte Ausweisung dieser Streifen im Sammelantrag zu verzichten – mit Ausnahme ökologischer Vorrangflächen. Entscheidend ist, dass Landwirte und Jäger jetzt ins Gespräch kommen, sich bereits vor der Bestellung über Bejagungsschneisen zu verständigen. Das Merkblatt und die weiteren Informationen geben dazu erste Hinweise.

 

Merkblatt zur Anlage von Bejagungsschneisen

bejagungsschneise reinwald id72115

Diese Schneise ist so lang, dass ein Ansitz zu ihrer Kontrolle nicht ausreicht. Sicherer fühlen sich Sauen, wenn die Schneise von allen Seiten vom Mais umschlossen ist (s. o.).

Um der Afrikanischen Schweinepest (ASP) entgegen zu wirken, stellt die Reduzierung von Sauen-Beständen eine geeignete Maßnahme dar. Dafür sind Bejagungsschneisen eine wertvolle Hilfe, zumal deren Anlage ohne Prämienverluste möglich ist und die Vorteile besonders Landwirten selbst zugutekommen. Die Planung und Anlage von Schneisen erfordert eine frühzeitige Abstimmung zwischen Landwirten und Jägern. Zur Anlage von Bejagungsschneisen sind Feldfrüchte mit hoher Deckung wie Raps, Mais oder Getreide geeignet. Sie können als begrünte Streifen (besonders geeignet ist Kleegras) schon bei der Aussaat etwa von Mais, oder durch Aushäckseln oder Niederlegen eines Streifens in einem Maisschlag angelegt werden. Eine Studie des Bundeslandwirtschaftministeriums zeigte, dass durch aktive Einsaat angelegte Schneisen effektiver als nachträglich eingehäckselte sind.


Seite 2

Jagdpraxis (Größe, Lage)

bejagungsschneisen bretschneider id72116

Ans Ende der Schneisen (noch besser an beide Enden) kommen mobile Ansitzeinrichtungen – je nach Windrichtung mit optimalen Voraussetzungen für jagdlichen Erfolg.

- nicht zwischen Waldrand und hoher Deckung wie Raps- oder Maisfeld

- die äußerste Schneise in der Feldfrucht max. etwa 30 m vom Feldrand entfernt

- bekannte Hauptwechsel verlaufen über die Schneise

- Hauptwindrichtung berücksichtigen (Ansitzmöglichkeit!)

- natürliche Wasserstellen einbeziehen.

- nach Möglichkeit Schneisen quer zur Saatrichtung anlegen

- Breite: 6 – 15 m, Länge: 40 – 120 m

- Schneisen sollten rundum soweit wie möglich geschlossen sein (den Sauen Sicherheit vermitteln!)

- an jede Stirnseite eine mobile Leiter

- Zugang/Zufahrt zum Transport, mobile Ansitzeinrichtungen zur Wildbergung berücksichtigen


Förderrechtliche Praxis

Für Direktzahlungen und einige Agrarumweltmaßnahmen gelten Bejagungsschneisen, die bei der Aussaat angelegt werden als beihilfefähig, wenn sie

 

- auf bewirtschafteten Ackerflächen - innerhalb oder am Rand des Schlages angelegt werden

- einen untergeordneten Anteil des Schlages umfassen (max. 20 Prozent)

- gezielt begrünt oder einer Selbstbegrünung überlassen werden.

 

Die Anlage von Bejagungsschneisen auf ökologischen Vorrangflächen ist nicht möglich; sie können auch nicht als solche ausgewiesen werden. Sie müssen im Flächenverzeichnis nicht als gesonderte Teilschläge ausgewiesen, aber den Kreisstellen der Landwirtschaftskammer gemeldet werden – auch noch nach Antragstellung. Das nötige Formular und weitere Informationen zu förderrechtlichen Aspekte findet man unter www.landwirtschaftskammer.de/foerderung/index.htm

 

Auch wenn Bejagungsschneisen durch Aushäckseln oder Niederlegen eines Streifens in einem Maisschlag angelegt wurden, bleibt die Fläche insgesamt beihilfefähig. In diesem Fall muss die Anlage der Schneise der Landwirtschaftskammer „nicht“ gemeldet werden. Auch ökologische Vorrangflächen wie Pufferstreifen und Brachflächen sowie Blüh- und Schonstreifen, die im Rahmen von Agrarumweltmaßnahmen gesondert gefördert werden, können aufgrund ihrer Lage und ihres Bewuchses den Zweck einer Bejagungsfläche erfüllen. Werden ökologische Vorrangflächen in Form von Feldrandstreifen und Brachflächen oder Blüh- und Schonstreifen, die im Rahmen von Agrarumweltmaßnahmen gefördert werden, als Bejagungsschneisen genutzt, bleiben sie ebenfalls beihilfefähig. Unabhängig davon sind förderrechtliche Voraussetzungen für Agrarumweltmaßnahmen und ökologische Vorrangflächen im Rahmen des Greenings zu beachten.

 

Dr. Michael Petrak

LANUV NRW,

Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung,

Pützchens Chaussee 228,

53229 Bonn,

 

E-Mail: michael.petrak@lanuv.nrw.de

Direktor der Landwirtschaftskammer NRW als Landesbeauftragter

(EU-Zahlstelle)


Download

Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 04/2018 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

RWJ_04/2018: Forschungsstelle


Aktiv nur für Mitglieder!

Bitte melden Sie sich an, oder werden Sie Mitglied.