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RWJ 04/2017: Amyloidose bei Feldhasen in NRW

Stoffwechselstörungen

Ein fortschreitender Rückgang der Hasenbesätze in NRW ist längst bekannt. Der prozentuale Anteil an Amyloidose erkrankter Hasen in NRW hält sich seit 2010/11 konstant. Anne-Kathrin Roth befasste sich mit den Auswirkungen.

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Neben hohem Prädatorendruck, stark ausgebauten Straßennetzen sowie nicht zuletzt dem Bewirtschaftungsstil der Agrarflächen ist der Rückgang der Hasenbesätze auch durch zahlreiche Wildkrankheiten zu begründen. Neben der Tularämie (2015/16 rund 16 Prozent der Fallwildhasen) gewinnt auch die Amyloidose bei Hasen zunehmend an Bedeutung. So war 2015/16 bei 7,8 Prozent der untersuchten Hasen diese Stoffwechselstörung nachzuweisen. Amyloidose ist seit Jahrzenten als Todesursache bei Marderartigen bekannt, bis über 30 Prozent der untersuchten Tiere sind davon betroffen (Fallwildbericht NRW 2012/13). 1985/86 wurde das Vorkommen der Amyloidose bei Feldhasen in einem Fallwildbericht NRW erstmals dokumentiert.

 

Die Erkrankung

Amyloidosen nennt man immunologische Abwehrprozesse, die sich durch fortlaufende Stoffwechselerkrankungen äußern. Dabei handelt es sich um eine Ablagerung eines normalerweise löslichen Proteins (Eiweiß), das sich durch einen Defekt in seiner Struktur modifiziert und sich somit als unlöslich erweist. Diese Proteinanlagerungen (Amyloide) rufen Defekte wichtiger Stoffwechselwege in Leber, Milz und Niere hervor. Differenziert wird zwischen acht verschiedenen Arten, wobei der Typ der AA-Amyloidose, der vorwiegend Niere, Nebenniere, Milz, Leber und den Magen- Darm-Trakt befällt, bereits 1988 von Dr. Odward Geisel identifiziert wurde. Es ist davon auszugehen, dass an Amyloidose erkrankte Fallwildhasen ebenfalls von diesem Typ befallen sind, da entsprechende Organe symptomatisch betroffen sind.

 

An lebendem Wild ist Amyloidose nicht zu erkennen, da Symptome äußerst unspezifisch auftreten. An den Organen ausgeweideter Stücke sind vor allem Leber und Milz zu beachten, da sich dort im Falle der Erkrankung Schwellungen, die auf Amyloidose hinweisen, deutlich erkennen lassen. In diesem Fall ist der Hase entweder einem Kreisveterinäramt zu überbringen oder an eines der vier staatlichen Veterinärmedizinischen Untersuchungsämter in NRW zur Feststellung der Erkrankungsursache zu übergeben. Die Gebühren der Untersuchung übernimmt die Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung.


Amyloidose bei Feldhasen in NRW

Der Anteil an Amyloidose erkrankter Fallwildhasen in NRW stieg seit der Jahrhundertwende stetig an. Waren 1999/2000 noch lediglich 2,8 Prozent der untersuchten Hasen betroffen, stieg der Anteil bis 2010/11 bereits auf 7,8 Prozent – seitdem hält sich der prozentuale Anteil bei untersuchten Hasen trotz starker Schwankungen konstant bei diesem Mittelwert.

 

Beachtenswert dabei ist der Anteil erkrankter Hasen im Verlauf des Jagdjahres: Besonders im April/Mai sind sehr hohe Zahlen erkrankter Feldhasen zu vermerken (bis zu 13,9 Prozent im April). Dasselbe ist von September bis November zu beobachten (Anstieg von 5 im August auf 10,4 Prozent im September). Ein Zusammenhang zu den für diese Jahreszeiten typischen Bewirtschaftungsmaßnahmen und der Ausbringung systemisch wirkender Pflanzenschutzmittel ist dabei nicht auszuschließen.

 


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Räumliches Auftreten

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Amyloidose bei Feldhasen in NRW 2014 -16

Die Verbreitung der Amyloidose bei Feldhasen in NRW ist flächendeckend bekannt, wo nennenswerte Hasenpopulationen zu erwarten sind. Das betrifft Sauerland und Westfälische Bucht, nördliche und östliche Gebiete NRWs nördlich der Ruhr sowie die linksrheinischen Regionen Richtung Niederrhein und Kleve. Auf der Karte der Fundorte von kranken Hasen 2014 – 16 sind amyloidose- freie Bereiche südlich der Ruhr zu erkennen, das liegt v. a. an der landschaftlichen Struktur, die Feldhasen für ein größeres Vorkommen keine geeigneten Habitate bietet.


Ausblick

Seit 1960 ist ein stetiger Rückgang der Hasenstrecken in NRW zu beobachten. Dass diese Tatsache multikausal bedingt ist, steht außer Frage. Dennoch ist die Auswirkung der Amyloidose auf diesen abnehmenden Trend nicht zu unterschätzen. Da die Ablagerung der Amyloide im Körper sowohl systemisch als auch lokal erfolgt, sind vorwiegend ältere Tiere betroffen. Diese sind aber für eine erfolgreiche Reproduktion der Population und deren Erhaltung notwendig. Damit ist es durchaus möglich, dass die Amyloidose durch Verminderung gerade der reproduktionsfähigen Tiere zum Rückgang der Feldhasen insgesamt beiträgt.

 

Stud. vet. med. Anne-Kathrin Roth,

Dr. Walburga Lutz

Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung, Pützchens Chaussee 228, 53229 Bonn,

Tel. 0228/977550,

E-Mail: fjw@lanuv.nrw.de

 

In Fallwildberichten der vergangenen Jahre wird über Amyloidose bei Feldhasen in NRW berichtet. Diese sind auf der Webseite der Forschungsstelle eingestellt www.lanuv.nrw.de/natur/jagd


Veterinäruntersuchungsämter in NRW

CVUA Westfalen

Zur Taubeneiche 10-12

59821 Arnsberg

Tel. 0 29 31/80 90

Fax: 0 29 31/80 92 90

 

CVUA Münsterland

Albrecht-Thaer-Str. 19

48147 Münster

Tel. 02 51/9 82 10

Fax: 02 51/9 82 12 50

 

CVUA Ostwestfalen-Lippe

Westerfeldstr. 1

32758 Detmold

Tel. 0 52 31/91 19

Fax: 0 52 31/91 15 03

 

CVUA Rhein-Ruhr-Wupper

Deutscher Ring 100

47798 Krefeld

Tel. 0 21 51/84 90

Fax: 0 21 51/84 91 10


Download

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