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RWJ 01/2015: Forschungsstelle

Staupe bei Wild in NRW

Aus dem Jagdjahr 2013/14 liegen 60 Nachweise für eine StaupevirusiInfektion bei Wildtieren vor. Über die Krank heit wird von Dachs, Marder, Iltis, Waschbär und Fuchs über wiegend aus Ostwestfalen berichtet. Wildtiere aus anderen Gebieten werden nur im Einzelfall untersucht, aber aus dem fehlenden Nachweis darf man nicht schließen, dass dort Staupe bei Wildtieren nicht vorkommt.

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Foto: M. Breuer

Staupe ist hochansteckend und wird durch ein RNA-Virus hervorgerufen. Die Infektion erfolgt durch die Luft und den Mund über Schleimhäute der oberen Atmungs- und Verdauungswege. Angesteckte/kranke Tiere geben Erreger über Nasen- und Augensekret, Speichel und Harn ab. Unter heimischen Wildtieren gehören Fuchs, Wolf, Marderhund, Iltis, Nerz, Marder, Wiesel, Hermelin, Dachs, Fischotter und Waschbär zu den natürlichen Wirten.

Seit 2005 in Ostwestfalen

Anfang Oktober 2005 wurden um Schloss-Holte Stukenbrock (PB) vermehrt verhaltensauffällige Marder beobachtet. Wenig scheu, waren sie auch tagsüber zu sehen und folgten in einem Fall sogar in ein Wohnhaus. Zwei untersuchte Marder und ein Dachs waren Staupe-positiv. Ende Oktober und Anfang November 2005 waren zwei untersuchte Füchse aus Kalletal (LIP) ebenfalls Staupe-positiv. Davon auszugehen ist, dass im Herbst 2005 die Staupe in den Populationen der genannten Arten in Ostwestfalen zirkulierte. Seither werden aus der Region jährlich Fälle von Staupe berichtet. 2005/06 wird auch über Staupe bei einem Dachs aus Plettenberg und einem Steinmarder aus Meschede (beide HSK) berichtet. 2009 wurde erstmals für NRW über Staupe bei Waschbären berichtet, die ersten Nachweise in Deutschland gehen auf 2007 zurück und zwar an der Müritz in Mecklenburg-Vorpommern (Michler et al 2009).

 

Für den Kreis Lippe nahm Dr. U. Kros eine Zusammenstellung der Untersuchungen von Wildtieren auf Staupe in 2012/13 vor. In der Regel erfolgte eine Einsendung zur Untersuchung, weil Tiere verhaltensauffällig waren. Bei 73 Prozent wurde Staupe-Virus-Antigen nachgewiesen. Nach Wildarten unterschieden ergab sich folgendes Bild: 88 Prozent der Füchse, 47 Prozent der Waschbären, 50 Prozent der Dachse und 75 Prozent der Marder waren positiv. Nach erfolgreicher Bekämpfung der Tollwut muss man bei verhaltensauffälligen Tieren auch Staupe als Erkrankungsursache in Betracht ziehen.


Staupevirus

Der Ausbruch der Caninen Staupe in der Wolfspopulation Italiens 2013 war Anlass, Veränderungen der in Europa zirkulierenden Virusstämme des Erregers in den Blick zu nehmen. Recherchen ergaben, dass vor dem Ausbruch in Populationen von Wolf, Fuchs und Dachs 2012 der Virusstamm im gleichen Gebiet zuvor unter Hunden auftrat. Das Überspringen von streunenden Hunden auf Wölfe war wahrscheinlich.

 

Möglicherweise gehen das breite Spektrum der Arten und die vielen Fälle in NRW nur auf eine fleißige Einsendung von Tieren zur Untersuchung zurück. Untersuchungen aus der Schweiz belegen, dass die Analyse der Virusisolate Veränderungen erkannte, die das weite Wirtsspektrum, die rasche Ausbreitung des Virus und die hohe Sterblichkeit unter Wildtieren erklären könnte (Origgi et al. 2012). Im Vergleich zu früheren mehr lokalen Ereignissen war in der Schweiz 2009 der Ausbruch von Staupe mit ungewöhnlich hoher Virulenz des Erregers verbunden. Betroffen waren Fuchs, Dachs, Baum- und Steinmarder, Luchs und ein Haushund.


Staupefälle bei Wildtieren in NRW seit 2005/06

Bereits im Frühjahr 2008 war in Wien die Heftigkeit eines Ausbruchs von Staupe unter Füchsen und Dachsen und im Sommer 2008 in Südbayern mit dem Austausch spezifischer Aminosäuren am Genmaterial des Staupeerregers erklärt worden. Aus den nordöstlichen Alpen Italiens wurde 2006 über einen heftigen Ausbruch unter Wildtieren gesprochen und mit der Mutation einer spezifischen Aminosäure erklärt (2011).

 

In Berlin starben geschätzt ein Drittel aller Füchse 2008/09 an Staupe, ein zweiter Ausbruch ereignete sich 2012/13 in der Ranz. Auch dabei nahm man an, dass jeder dritte Fuchs vom Staupevirus angesteckt sei. Betroffen waren auch die Waschbären Berlins. 97, davon 43 erlegte Individuen, dienten dazu, Hinweise auf das Staupevirus zu finden. Aus vier Individuen gefundene Stämme zeigten hohe Übereinstimmung mit der aus Füchsen Deutschlands und einem Hund aus Ungarn bekannten „Europa-Linie“. 16 Jahre zuvor waren noch alle untersuchten Berlin-Waschbären staupefrei.


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Staupe bei Waschbären

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Staupe infizierte Waschbärfähe in koma­tösem Zustand. Foto: F.-U. Michler

Bei Betrachtung der Jagdstrecken für Waschbären in NRW der vergangenen Jagdjahre ist eine Zunahme festzustellen. In nur sieben Jahren seit 2006/07 stieg die Strecke in Arnsberg auf fast das Vierfache, in Detmold auf fast das Dreifache. Wird die Strecke als Ausdruck der Häufigkeit des Vorkommens gewertet, finden sich in NRW hohe Dichten von Waschbären in den Regierungsbezirken Arnsberg und besonders Detmold. Dem Waschbären könnte in Ostwestfalen eine Rolle bei der Aufrechterhaltung der Staupe zukommen. Die Erkrankung kann in Waschbärpopulationen endemisch werden und auf weitere Wildarten übertragen werden. Das Auftreten unter Waschbären soll häufiger während der Paarungszeit und dem Abwandern und Umherstreifen von Jungtieren sein.

 

Mit der Zirkulation des Virus in der Waschbärpopulation stellt sich die Frage nach der epidemiologischen Bedeutung der Wildart neu – im Hinblick auf Wildarten, die ebenfalls Staupe-empfänglich sind und die Einnischung im Lebensraum überlappend ist – wie Iltis und Fischotter. Beweise, dass Iltis-Vorkommen durch Staupe reduziert sind, fehlen. In NRW wurden in den vergangenen Jahren nur wenige Iltisse auf ihre Todesursache untersucht– von insgesamt 8 war die Hälfte an Staupe verendet.

 

In der Übersicht über die ökologische, ökonomische und epidemiologische Bedeutung des Waschbären in Deutschland aus 2012 gilt der Waschbär als potentieller Träger von Staupeviren. Unter telemetrierten Waschbären im Müritz-Nationalpark waren auch Individuen an Staupe verendet.

 

Verhaltensauffälligkeiten vor dem Tod sind dokumentiert – alle Bärinnen verkleinerten ihre Streifgebiete ein bis vier Wochen vor dem Verenden erheblich. Auch fand ein Schlafplatzwechsel in den letzten 5 bis 21 Tagen davor nicht mehr statt. Schlafplätze waren mit einer Ausnahme am Boden, erkrankte Tiere magern ab und wurden auf dem Waldboden und im Niedermoorkomplex gefunden.


Staupe unter Wildtieren

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Ein an Staupe verendeter, sendermarkierter Waschbär wird aus dem Sumpf im Müritz-Nationalpark geborgen. Foto: F.-U. Michler

In den vergangenen Jahren waren Ausbrüche von Staupe unter Wildtieren, besonders bei Fuchs und Marder zahlreich. Berichte in Tageszeitungen enthielten stets den Hinweis, Hunde zu impfen (Empfehlung der Bundestierärztekammer 2013). In Baden-Württemberg waren 69 von 154 untersuchten Füchsen Staupepositiv.

 

In Sachsen-Anhalt wurden 2009/10 wegen des Abweichens vom typischen Verhalten (fehlende Scheu vor Menschen, Schläfrigkeit, Bewegungsstörungen oder Aggressivität) Füchse auf Staupe untersucht (Durchseuchungsrate: 30,5 Prozent), in Niedersachsen lag sie 2011 bei 36 Prozent.


Hunde impfen!

Nachdrücklich wird das Impfen der Hunde herausgestellt. Die Verantwortung der Hundehalter ist gefordert. Die konsequente Impfung von Haus-, Hof-, Hüte- und Jagdhunden trägt auch zum Schutz der Wildtiere vor der Staupe bei. Der Hund wird als das bedeutendste Virusreservoir betrachtet.

 

Jäger brauchen zur Umsetzung wirksamer jagdbetrieblicher Maßnahmen entsprechende Voraussetzungen – Jagdzeit, Hilfsmittel wie geeignete Fallen und brauchbare Jagdhunde. Denn sachgerechte Bejagung dient in der Kulturlandschaft der Gesundheit von Wild- und Haustieren.

 

Dr. Walburga Lutz
Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW
Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung
Pützchens Chaussee 228
53229 Bonn


Download

Der vollständige Artikel aus Rheinisch-Westfälischer Jäger Ausgabe 01/2015 steht Ihnen nachfolgend als kostenloser Download zur Verfügung.

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